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Aus der Stadt Raubmörder von Stöcken soll lebenslang in Haft
Hannover Aus der Stadt Raubmörder von Stöcken soll lebenslang in Haft
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19:32 03.02.2016
Von Michael Zgoll
Der mutmaßliche Raubmörder von Stöcken muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Quelle: dpa
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Hannover

Im Prozess um die tödlichen Schüsse in einem Stöckener Supermarkt muss der Angeklagte Marek K. damit rechnen, wegen Mordes und diverser schwerer Raubtaten zu lebenslanger Haft verurteilt zu werden. Diesen Schluss legt die gestern im Prozess gezogene Zwischenbilanz des Schwurgerichts nahe. Außerdem bejahte die Kammer unter Vorsitz von Wolfgang Rosenbusch eine besondere Schwere der Schuld – falls der 42-Jährige Pole tatsächlich verurteilt wird.

Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung aber verneinte das Gericht. Aufgrund der straffreien Zeit bis 2013 gehe man nicht davon aus, dass der spätere Serienräuber einen Hang zu erheblichen Straftaten aufweise, auch wenn K. dann ein hohes Maß an krimineller Energie gezeigt habe.

24 Überfälle des "Supermarktmörders" sind zu verzeichnen

Insgesamt 24 Überfälle auf Supermärkte und Discounterläden legt die Staatsanwaltschaft dem als „Supermarktmörder“ bekanntgewordenen K. zur Last. Seit Mitte Dezember 2015 werden die acht Fälle verhandelt, bei denen der stämmige Mann mit Halbglatze und Vollbart von seiner Schusswaffe Gebrauch machte. Das war zwischen Februar 2014 und Juni 2015 neben Märkten in Stöcken und Ricklingen auch in Städten wie Hamm, Bottrop, Dessau oder Hof der Fall. Daneben listet die Anklage 16 weitere Raubtaten auf, deren gerichtliche Aufarbeitung bis Juni dauern sollte.

Da das Schwurgericht derzeit terminlich stark belastet ist und die Einbeziehung der weiteren Fälle nichts an der Höhe des Strafmaßes ändern würde, möchte die Kammer das Verfahren gerne abkürzen. Voraussetzung aber ist, dass Staatsanwalt Martin Lienau für diese 16 Taten eine Einstellung des Verfahrens beantragt. Beim nächsten Sitzungstermin am 16. Februar wird klar sein, wie es weitergeht.

DNA-Spuren und Fingerabdrücke von K. an Tatorten

Wie Rosenbusch sagte, spreche „sehr, sehr, sehr viel dafür“, dass K. die ihm vorgeworfenen Raubüberfälle begangen habe. Bei etlichen Taten wurde die gleiche Pistole tschechischer Herkunft benutzt. Außerdem fanden die Ermittler an Tatorten DNA-Spuren und Fingerabdrücke von K., etwa an einem Einkaufswagen, einer Tüte mit Marsriegeln, einer Schokolade und einem Geldschein. Der Täter ging stets nach nahezu gleichem Muster vor. Er legte in den Supermärkten kurz vor Ladenschluss eine Kleinigkeit aufs Kassenband, bezahlte – und zückte die Waffe. Mehrere Kassierinnen und Kunden wurden verletzt, etliche Frauen leiden bis heute unter der als lebensbedrohlich empfundenen Situation.

Der 21-jährige Joey K., der der Kassiererin im NP-Markt in der Stöckener Weizenfeldstraße helfen wollte und „etwas hilflos“ (Richter Rosenbusch) mit einem leergutgefüllten Stoffbeutel auf den Räuber einschlug, bezahlte seinen Mut mit dem Leben. Bei dem folgenden Handgemenge wurde er von zwei aufgesetzten Schüssen in Kopf und Brust getroffen. Hier sei nichts zufällig aus dem Ruder gelaufen, so der Vorsitzende zum Angeklagten, sondern K. habe die „gezielte Tötung“ seines Widersachers beabsichtigt. Er habe aus Habgier gemordet, habe den Raubüberfall zu Ende bringen wollen. Zudem wurde an jenem 4. Dezember 2014 ein weiterer Kunde durch einen Querschläger verletzt.

Besondere Schwere der Schuld?

Sollte das Schwurgericht auf eine besondere Schwere der Schuld erkennen, hätte Marek K. erst nach 21 Jahren eine Chance, auf Bewährung aus dem Gefängnis freizukommen – wenn ihm eine günstige Sozialprognose attestiert wird.     

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