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Aus der Stadt Keine Chance für Hindenburg
Hannover Aus der Stadt Keine Chance für Hindenburg
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12:19 06.10.2015
Von Andreas Schinkel
Die Hindenburgstraße ist die längste Straße, die umbenannt werden soll. Nicht alle Anwohner sind von der Idee begeistert.
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Hannover

Zehn Straßen in der Stadt sollen andere Namen bekommen, darunter so exklusive Adressen wie die Hindenburgstraße im Zooviertel und der Franziusweg in Herrenhausen. Eigentlich geht es nur um eine Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats der Stadt, noch ist keine politische Entscheidung getroffen. Und doch ist die Aufregung in Hannover groß. Eine Vielzahl von HAZ-Lesern meldet sich in den sozialen Medien zu Wort. Die Einlassungen reichen von strikter Ablehnung über Unverständnis bis zur Zustimmung. „So sollte man nicht mit der Geschichte der Stadt umgehen“, sagt ein Nutzer der HAZ-Facebookseite. Ein anderer meint, dass es weniger um Geschichtsvergessenheit als vielmehr und die Ehrung fragwürdiger Personen gehe. Auch in der Kommunalpolitik schlägt die rote Liste des Beirats hohe Wellen, vor allem in den Bezirksräten, die über neue und alte Straßennamen entscheiden. Eine Tendenz lässt sich schon jetzt erkennen: Die Tage der „Hindenburgstraße“ sind gezählt. Die Suche nach alternativen Namen für die Villenstraße am Rande der Eilenriede ist eröffnet.

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Nach dem langjährigen Inhaber der Firma Pelikan ist die Fritz-Beindorff-Allee benannt. Für Pelikan wurden ab 1942 Gestapo-Zwangsarbeiterlager betrieben, ab April 1944 auch auf dem Firmengelände. Allerdings war er zu der Zeit schwer dement.

„Die Hindenburgstraße gehört zu den schönsten im Stadtbezirk. Sie hat einen anderen Namen verdient“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD). Reichspräsident Paul von Hindenburg habe als Wegbereiter Hitlers zur Macht unendlich viel Leid über Deutschland und Europa gebracht. „Welche Alternativen es zu dem Namen gibt, wollen wir mit den Kollegen aus den anderen Fraktionen besprechen“, sagt Sandow. Auch Anlieger sollen „konstruktiv“ beteiligt werden. Grünen-Fraktionschef Martin Nebendahl geht ebenfalls „stark davon aus, dass die Hindenburgstraße umbenannt wird“. Er rechnet damit, dass erste Namensvorschläge schon in diesem Jahr auf den Tisch kommen und Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung fällt.

Der Bezirksrat Mitte mit seiner rot-grünen Mehrheit spricht aus Erfahrung. Das Gremium hatte unlängst den Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz in Hannah-Arandt-Platz umbenannt. FDP-Mann Wilfried Engelke mahnt zur Vorsicht. „Wir müssen mit der Volksseele sensibel umgehen“, sagt er. Schließlich habe sich auch ein Begriff wie „Hindenburgviertel“ etabliert, so etwas könne man nicht einfach übergehen.

Die Hindenburgstraße verbindet Musikhochschule und Zoo, sie zählt zu den längsten und bedeutendsten Straßen auf der Umbenennungsliste. Wird der Name ausgetauscht, müsste konsequenterweise auch die Straße „Zur Hindenburgschleuse“ in Anderten anders bezeichnet werden. Auch hierfür gibt es eine Empfehlung des Beirats.

Viele Kanzleien und Büros residieren in den imposanten historischen Häusern entlang der Hindenburgstraße. Die Geschäftsleute haben von der möglichen Umbenennung ihrer Straße aus der Zeitung erfahren, der Unmut ist nicht zu überhören. „Die Initiative kommt viel zu spät“, sagt Stefan Krug, Geschäftsführer von Vamos-Reisen. Aufwand und Nutzen stünden nach so langer Zeit in einem recht fragwürdigen Verhältnis. „Das Geld, das als Symbolakt für eine Umbenennung ausgegeben wird, könnte auch in den konkreten Kampf gegen Rechts investiert werden“, meint Krug. Auch Katrin Träger, Geschäftsführerin des Hotels Elisabetha Garni, ist nicht begeistert. „Ich würde ein Veto einlegen“, sagt sie. Träger befürchtet, alle Visitenkarten und Briefköpfe neu drucken zu müssen. Auch ihre ausländischen Gäste wären verwirrt, meint sie. „Und wer denkt schon über einen Straßennamen nach?“.

Paul von Hindenburg, Generalfeldmarschall des Kaisers und später Reichspräsident der Weimarer Republik,wurde am 3.Juli l919 vor seinem Haus  im Zooviertel von Hannover, in der heutigen Bristolerstrasse,früher noch Seelhorststrasse  Hausnummer 32, von einer unüberschaubar dichten Menschenmenge empfangen.

Der Immobilieneigentümerverein Haus und Grundeigentum sieht grundsätzliches Ungemach auf seine Mitglieder zukommen. „Da werden den Eigentümern Kosten auferlegt, die nicht sein müssen“, sagt Rainer Beckmann, Vorsitzender des Vereins.

Trägt das zum Verständnis der Geschichte bei?

In der Landesgeschäftsstelle der CDU, gleichfalls beheimatet in der Hindenburgstraße, fürchtet man weniger die Kosten für eine Adressänderung. „Wir müssen uns vielmehr fragen, was die Tilgung eines Namens zum Verständnis der Geschichte beiträgt“, sagt Hannovers CDU-Chef und Landtagsabgeordneter Dirk Toepffer. Er plädiert dafür, die Vergangenheit dadurch aufzuarbeiten, dass an Straßenschildern mit umstrittenen Namen Erläuterungstafeln angebracht werden. „Einen Adolf-Hitler-Platz will ich natürlich auch nicht im Straßenbild haben“, sagt er.

Bezirksbürgermeister Henning Hofmann (SPD) zieht die Grenzen enger. Er könne sich nicht vorstellen, sagt er, weiterhin im Sauerbruchweg zu wohnen, oder im Uhlenhuthweg oder am Frenssenufer. Drei Straßen aus dem Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld stehen auf der roten Liste des Beirats. Dennoch will sich Hofmann nicht über andere Meinungen hinwegsetzen. „Ich möchte in einen Dialog mit den Anwohnern treten“, sagt Hofmann. Daher hat er sich am Freitag auf den Weg gemacht, und rund 100 Briefe in den drei betroffenen Straßen verteilt. Im Kuvert steckten Informationen zu den Namensgebern, die Begründung des Beirats für eine Umbenennung sowie die Kontaktdaten Hofmanns. „Ich will eine Info-Veranstaltung organisieren - noch vor der Debatte im Bezirksrat“, sagt er. Die Zeit müsse man sich nehmen, in Ruhe über alles zu reden.

Hindenburg: Soldat 
und Politiker

Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg wurde 1847 in Posen geboren und starb im August 1934 auf Gut Neudeck in Ostpreußen. Den Besitz hatte er 1927 als Reichspräsident auf Betreiben von Großindustriellen geschenkt bekommen.
Seinen damals legendären Ruhm und seine Rolle als „Ersatzkaiser“ verdankte Hindenburg seinem Handeln als General im Ersten Weltkrieg. An dessen Ende regierten er und General Ludendorff vielfach in einer Art Militärdiktatur. Von 1925 bis 1934 war er frei gewählter Reichspräsident und ernannte trotz oft geäußerter Abneigung am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler. Hannover hatte Hindenburg 1915 zum Ehrenbürger ernannt und ihm 1918 eine Villa zur Nutzung überlassen. Das Wohnhaus in der Bristoler Straße steht noch heute und beherbergt eine Stiftung und eine Anwaltskanzlei.

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Tramm wird nicht beleuchtet

Insgesamt 497 Biographien hat sich der Beirat vorgenommen. Das Historiker-Gremium untersucht, ob sich die Namensgeber aktiv am Nazi-Regime beteiligten oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit begingen. In einem Zwischenbericht empfiehlt der Beirat zehn Straßen zur Umbenennung, 453 Straßennamen hält er für unbedenklich, mit 34 Personen will sich der Beirat noch näher beschäftigen. Darunter fällt nicht Heinrich Tramm, obwohl der einstige Oberstadtdirektor Hannovers kürzlich in einer Ausstellung als „Wegbereiter des NS-Regimes“ bezeichnet wurde. Tramm ist aber schon 1932 gestorben. Der Beirat nimmt nur Personen unter die Lupe, die 1945 älter als 18 Jahre waren oder in der Nazizeit Schlüsselpositionen in Verwaltung und Politik Hannovers besetzten. Zumindest vorerst gilt diese Einschränkung, denn im Gespräch ist, den Forschungsauftrag zu erweitern und den Blick auch auf Namenspatrone zu richten, die vor 1933 gestorben sind.

asl

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