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"Die ganze Nacht nicht geschlafen"

Reaktionen aus der türkischen Gemeinde "Die ganze Nacht nicht geschlafen"

"Ich bin erschrocken und erschüttert, habe internationale Nachrichten geschaut und mit Freunden in der Türkei telefoniert und nicht geschlafen", so reagiert Hannovers türkische Gemeinde auf den Putschversuch in der Türkei. 

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Hunderte Türken demonstrierten in der Nacht zu Sonnabend in Hannover.

Quelle: Uwe Dillenberg

Hannover. Es sei jetzt "oberste Priorität, zu schlichten und zu versöhnen", sagt Emine Oglu, Geschäftsführerin der Ditib-Gemeinden in Niedersachsen . "Wir haben natürlich alle die gesamte Nacht nicht geschlafen, weil die Nachrichten sehr beunruhigend sind - aber es ist wichtig, jetzt keinen Verschwörungstheorien hinterherzujagen, sondern besonnen zu bleiben". Als gutes Signal wertet sie, dass "Regierung und Opposition gemeinsam auf die Straße gegangen" seien.

"Wir freuen uns über die Welle der Solidarität in Europa, der Welt und Hannover, die sich auf die Seite des türkischen Volkes und der gewählten Regierung gestellt haben", sagt Davut Toklu, Regionalvorsitzender von Mili Görüs in Hannover und Mitglied der Ayasofya-Moschee Weidendamm. "In der Türkei sind Millionen auf die Straße gegangen - unabhängig von ihrer Herkunft waren es Türken, Kurden, Aleviten, Sunniten und andere gemeinsam. Sie haben für ihre Demokratie demonstriert. Es ist schrecklich, dass die Putschisten, die nur einen Teil des Militärs vertreten, auf diese Menschen geschossen haben. Wir sind froh, dass sich die Situation in Istanbul und anderen Teilen der Türkei jetzt wieder zu beruhigen scheint."

Auch Alptekin Kirci, Vorsitzender der SPD in Hannover mit deutscher und türkischer Staatsbürgerschaft, spricht von einer "aufregenden Nacht": "Ich habe internationale Nachrichten geschaut und mit Freunden in der Türkei telefoniert und nicht geschlafen". Er sei "erschrocken und erschüttert" von den Vorgängen: "Mit einem Militärputsch hat wohl niemand gerechnet. Auch wenn er Präsident Erdogan nicht kritiklos gegenüberstehe sei für ihn als Demokraten ein Putsch "indiskutabel. Erdogan ist gewählt, eine Mehrheit der Türken steht hinter ihm". Auch wenn der Präsident "sicherlich Fehler gemacht" habe, so sorge er für Stabilität im Land, "was angesichts der Zustände in den Nachbarländern tatsächlich ja schon ein Wert an sich ist", sagt Kirci. Er hoffe, dass aus den Vorgängen jetzt die Chance entstehe "für einen Neuanfang in der Türkei mit dem Versuch, die tiefen Gräben zu schließen, die durch die Bevölkerung gehen". 

Nach dem Putsch in der Türkei haben sich in Hannover hunderte Menschen versammelt, um ihre Solidarität mit der demokratisch gewählten Regierung zu bekunden

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Genau diese tiefen Gräben gibt es auch zwischen den Türken und Kurden am Steintor. Hier gehen die Meinungen über die Geschehnisse in der Türkei in der Nacht zu Sonnabend auseinander. Nur einem sind sie sich einig. "Das war keine gute Sache", sagt Necati Cevirme . Der 57-Jährige betreibt einen Friseurladen an der Langen Laube. "Ich weiß nicht, wer diesen Putschversuch, wenn es überhaupt einer war, angestoßen hat", sagt er. "Ich weiß nur, dass Soldaten und Polizisten Opfer waren, die das selbst nicht wollten."

Der Besitzer eines türkischen Restaurants an der Goethestraße, der seinen Namen lieber nicht nennen will, geht noch einen Schritt weiter. "Das war doch alles nur Show", sagt er. "Erdogan hat das doch alles geplant, um seine Macht zu stärken." Seiner Meinung nach hätten die Soldaten nie ernsthaft geplant gehabt, die Macht zu übernehmen. "Dann wären es mehr Kräfte gewesen und sie wären nicht mit den ältesten Panzern gekommen", sagt der Gastronom. "Erdogan will damit eine Diktatur mit islamischen Recht schaffen." An einer Demokratie nach westlichem Vorbild sei dieser nicht interessiert.

Celal Mermertas ist da ganz anderer Meinung.  "In der Türkei herrscht eine Demokratie", sagt der Besitzer eines türkischen Marktes an der Langen Laube. Das habe sich auch in der vergangenen Nacht gezeigt, als das Volk nach der  Aufforderung Erdogans geschlossen auf die Straße gegangen sei, um sich den Putschisten in den Weg zu stellen. Er begrüßt, dass die Regierung nach dem Abwenden des Putsches reagierte, und unter anderem 3000 Richter festnehmen ließ. "Die einzige Methode, die jetzige Regierung abzulösen, sind Neuwahlen", betont Mermertas.

Am Freitagabend hatten rund 360 Menschen in Hannover gegen den Putsch demonstriert.

med

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