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Aus der Stadt Rechte hetzen gegen Flüchtlingshelfer
Hannover Aus der Stadt Rechte hetzen gegen Flüchtlingshelfer
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00:26 28.08.2015
Bereits am vergangenen Donnerstag klebten Mitglieder der „Identitären“ die Plakate. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Eine ehrenamtliche Helferin hat jetzt die Konsequenz gezogen und bei der Polizei Anzeige wegen Beleidigung erstattet. Innerhalb von zwei Wochen landeten vier Briefe und Postkarten in ihrem Haus, alle stammen von anonymen Absendern. Drei erreichten sie ordentlich frankiert mit der Post, einer wurde direkt in den Kasten geworfen. Die Helferin möchte ihren Namen nicht nennen, sie ist der HAZ jedoch bekannt, die Briefe liegen in Kopien vor.

Alle Verfasser verbindet das Denken in völkischen Kategorien. Einer schreibt, „Europa ersäuft in Scheinasylanten und afrikanischen Abenteuerflüchtlingen“, die Folge seien „neue Neger“. Der Text wurde auf einer Schreibmaschine verfasst. Kein Brief kommt ohne den Vorwurf aus, die Adressatin sei eine „Vaterlandsverräterin“, eine angebliche Studentin beschimpft sie als „Rassistin, die ihr eigenes Volk unterwandert“. Ein Gedicht, wohl von einem Mann verfasst, entpuppt sich als rüde Mischung aus rassistischen und sexistischen Stereotypen.

Texte und Flyer nicht strafrechtlich relevant

Kein Einzelfall. Als diese Zeitung vor Kurzem einen Mann porträtierte, der sich seit Langem für Flüchtlinge einsetzte, wurde er auf einer Facebook-Seite dafür angegangen und privat als „Negerfreund“ angesprochen. Solche Beleidigungen und Bedrohungen sind nicht die Regel, Tatsache ist jedoch, dass in Hannover rechte Gruppierungen gegen Ausländer und Flüchtlinge aktiv werden. Nachdem die Partei „Die Rechte“ im Stadtteil Waldhausen Hunderte Flugblätter verteilte, haben Mitglieder der rechtsextremen Gemeinschaft „Identitäre Bewegung Hannover“ an mehrere Litfaßsäulen in der Südstadt Plakate geklebt. Offenbar nicht das erste Mal. Lothar Pollähne, Bürgermeister im Bezirk Südstadt-Bult, berichtete, solche „Besorgnis erregenden“ Plakate seien bereits vor Wochen aufgetaucht.

Auf Facebook schreibt die Gruppe dazu: „Obwohl wir jeden Tag aufs Neue merken, wie das deutsche Volk ausgetauscht wird, bekennen wir uns zu unseren Wurzeln, zu unserem Erbe.“ Verena Scherb vom Verfassungsschutz Niedersachsen sagt: „Wir beobachten immer wieder, dass rechte Gruppierungen gezielt in Stadtteile gehen, in denen gerade eine Debatte stattfindet, die sie für sich nutzen können.“ Man stelle aber keine signifikante Zunahme dieser Aktionen fest.

Belangen kann man die Mitglieder nicht. „Immer wieder kommt es zu solchen Verteilaktionen oder dazu, dass Plakate aufgehängt werden“, sagt Polizeisprecher Holger Hilgenberg. Da die Texte auf den Flyern und Postern jedoch keine strafrechtliche Relevanz haben, seien der Polizei die Hände gebunden.

Jene ehrenamtliche Unterstützerin, die nun Anzeige erstattet hat, sagt zu den Pamphleten an ihre Adresse: „Sie sind eine Beleidigung und Bedrohung, nicht nur meiner Person, sondern auch all derer, die sich für Flüchtlinge einsetzen, vor allem auch der Flüchtlinge selber.“ Der Unterstützerkreis des örtlichen Flüchtlingsheims hat diese Antwort gemeinsam unterzeichnet. Deren Mitglieder betrachten es als Hilfe für ihr Land, wenn sie Menschen helfen, sich zu integrieren.

Von Gunnar Menkens und Jörn Kießler

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