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Aus der Stadt Rechtsextremer beleidigt Ingrid Wettberg
Hannover Aus der Stadt Rechtsextremer beleidigt Ingrid Wettberg
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22:55 28.11.2013
Von Gunnar Menkens
Die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, Ingrid Wettberg. Quelle: Lehnen
Hannover

Bei einer Podiumsdiskussion über die Folgen des Nationalsozialismus ist es am Donnerstagabend im Haus der Region Hannover vor 160 Zuhörern zu einem Zwischenfall gekommen. In der Fragerunde zum Thema „Der lange Schatten von 1933“ ließ sich ein unauffällig wirkender Mann das Saalmikrofon geben und versuchte, in ruhigem Tonfall rechtsextreme Parolen zu verbreiten. Er sprach von Rassismus, der sich gegen Deutsche wende und beleidigte Ingrid Wettberg, die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, die auf dem Podium saß. Regionspräsident Hauke Jagau, ebenfalls Teilnehmer der Runde, erteilte dem Mann lautstark Hausverbot. Gemeinsam gingen Jagau und Uwe Binias, der frühere Polizeipräsident Hannovers, auf den Mann zu und redeten auf ihn ein, bis er den Saal verließ.

Die Diskussion konnte nur für kurze Zeit fortgesetzt werden. Dann betrat der Mann erneut den Saal, gefolgt von drei Polizisten. Er ging die Reihen der Zuhörer entlang und stieg zwischen Stühlen umher. Dann verließ er wieder den Raum, Beamte vor und hinter sich. Etliche Besucher wandten sich laut und empört gegen den mutmaßlichen Rechtsextremen, andere schauten dem Geschehen irritiert zu. Auf dem Podium kam die Frage auf, wie es dem Mann gelingen konnte, ein zweites Mal und in Anwesenheit der Beamten in solch provozierender Weise aufzutreten.

Hauke Jagau sagte, es sei „schwierig“ zu verstehen, dass es dem Mann gelungen sei, noch einmal in den Saal zu gelangen. Da machte noch die Spekulation die Runde, dass der Provokateur Anzeige erstattet hatte und von Polizisten begleitet worden sei, um diejenigen zu identifizieren, gegen die sich die angebliche Anzeige richten sollte. Das konnte man im Publikum kaum glauben. Binias sagte später, dass es sich anders verhalten habe: Der Mann sei bei der Aufnahme der Personalien einfach erneut in den Saal gegangen. „Die Beamten wollten die Lage nicht eskalieren lassen, haben ihn begleitet und dann aus dem Saal geführt.“

Der Störer soll der rechtsextremen Szene angehören und bei der Polizei bekannt sein. Unklar blieb zunächst, ob es sich um ein früheres Mitglied der verbotenen Gruppe „Besseres Hannover“ handelt.  Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann sagte, der Mann habe bereits in einem Freizeitheim der Stadt Hausverbot. Jürgen Uebel, Organisator von Anti-Nazi-Demonstrationen in Bad Nenndorf, erklärte, das Vorgehen sei die typische „Wortergreifungssstrategie“ von Rechtsextremen. Ingrid Wettberg, die zuvor berichtet hatte, sie sei regelmäßig Antisemitismus ausgesetzt, fragte ins Publikum: „Woher kommt das nur? Ich verstehe das nicht.“

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