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Aus der Stadt Rechtsradikale stören Schorsenfest der SPD
Hannover Aus der Stadt Rechtsradikale stören Schorsenfest der SPD
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14:18 17.09.2012
Von Sonja Fröhlich
Regionspräsident Hauke Jagau spricht beim Schorsenfest. Quelle: Heusel
Hannover

Als gegen 12.30 Uhr die Ratsfraktionsvorsitzende Christine Kastning und Regionspräsident Hauke Jagau auf dem Platz der Weltausstellung für ihre Partei warben, mischten sich Rechtsradikale unter das Publikum – einer von ihnen im Kostüm des „Abschiebärs“, ein anderer mit einer Videokamera, um die Störaktion zu filmen. Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci deutete den Auftritt zunächst fälschlich als Werbeaktion: „Ich habe mich gewundert, warum Bärenmarke bei uns Werbung für seine Milchprodukte macht.“ Er habe dann beobachtet, wie sich die beiden Rechtsradikalen einen Weg durch das Publikum zur Bühne bahnen wollten. Mehrere Jungsozialisten hätten die Situation jedoch sofort erkannt und das Duo „energisch rausgedrängt“. Die Störer hätten daraufhin herumgepöbelt und einen Genossen beleidigt. Zeugen informierten die Polizei.

Ihnen zufolge hatten sich weitere Männer aus der rechtsradikalen Szene unter das Publikum gemischt. Allerdings sollen sich diese beim Eintreffen der Beamten schnell zurückgezogen haben. Die Sozialdemokraten erstatteten Anzeige wegen Beleidigung gegen die beiden Störer.

Die 18 und 27 Jahre alten Männer sind der Polizei als Mitglieder von „Besseres Hannover“ bekannt. Gegen sie wird nun auch wegen eines Vorfalls im vergangenen Herbst ermittelt: Damals hatte „Besseres Hannover“ ein Video im Internet veröffentlicht, in dem zu sehen war, wie der „Abschiebär“ vor einem Dönerlokal in der Südstadt den Arm zum sogenannten Hitlergruß in die Luft streckte. Dabei handelte es sich offensichtlich um eine Anspielung auf die Mordserie der rechtsextremistischen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“. Am Tag der Veröffentlichung erhielt die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) eine anonyme Mail mit einem Link zu dem Video. Aufgrund dieser Vorwürfe beschlagnahmten die Polizisten auch das Bärenkostüm und die Videokamera. Es werde geprüft, ob es sich um die Utensilien handele, mit denen auch das verfassungsfeindliche Video erstellt worden sei, sagte Polizeisprecher Holger Hilgenberg. Offenbar besitzt die Gruppe mehrere der Kostüme: Bereits im Juli wurde eine „Abschiebär“-Verkleidung beschlagnahmt – sie war im Wagen von mehreren Rechtsradikalen entdeckt worden, die am Bismarckbahnhof mit Kreide ausländerfeindliche Parolen hinterlassen hatten.

Hinweise darauf, dass der Auftritt vor der SPD-Bühne in Zusammenhang mit den Steinwürfen auf das Wahlkampfbüro von SPD-Landtagskandidatin Doris Schröder-Köpf stehen, sieht die Polizei derzeit nicht. Jüngst hatten Unbekannte dreimal hintereinander die Scheiben des Büros in Wülfel demoliert.

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