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Protec-Mann wird bedroht – und gekündigt

Rechtsstreit Protec-Mann wird bedroht – und gekündigt

Bei einem Arbeitseinsatz wurde ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Protec mit einer Schusswaffe bedroht. Für sein Eingreifen wurde er vom Arbeitgeber belobigt. Doch weil er den Vorfall psychisch nicht verkraftete, sich krank meldete und mehrere Wochen ausfiel, kündigte ihm die Firma.

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Björn R. fährt derzeit nur noch privat Stadtbahn – die Uniform hängt im Schrank.

Quelle: privat

Hannover. Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Protec, die vor allem für die Üstra tätig ist, wurde bei einem Einsatz mit einer Schusswaffe bedroht. Für sein Eingreifen ist Björn R. (Name von der Redaktion geändert) von seinem Arbeitgeber belobigt worden. Doch weil der 30-Jährige den Zwischenfall psychisch nicht verkraftete, sich krank meldete und mehrere Wochen ausfiel, kündigte ihm die Firma. Für seinen Anwalt Peter Pistorius ist das Ganze eine große Ungerechtigkeit: „Wenn ein Arbeitnehmer sein Leben für andere riskiert, daran erkrankt und dann gekündigt wird, ist das beispiellos.“

Der 30-Jährige ist nach eigenem Bekunden schon viele Jahre als Türsteher und Security-Mitarbeiter beschäftigt. Seinen auf ein Jahr befristeten Job bei Protec hatte R. am 1. November 2015 angetreten. Mitte Januar kam es in der U-Bahn-Station Kröpcke zu dem für ihn einschneidenden Erlebnis.

Gemeinsam mit einem Kollegen befördert Björn R. gegen Mitternacht einen Diabetiker, der in eine Stadtbahnstation uriniert hat, auf die Straße. Weil dieser in den Katakomben seine Tasche vergessen hat, macht sich der 30-Jährige erneut auf den Weg in die Tiefe. In der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade stößt er auf eine Gruppe laut rufender Passanten, vor denen ein Mann mit einer Schusswaffe herumfuchtelt. R. schreit den Pistolenmann an: „Waffe runter“, weist auf die Videoüberwachung in der Passerelle hin und warnt ihn vor den Folgen einer Schießerei. Dann läuft er im Zickzack auf ihn zu, zückt den Schlagstock. Der Bewaffnete macht kehrt, flieht Richtung Hauptbahnhof. Der Protec-Mitarbeiter bringt die verängstigten Passanten in Sicherheit, nimmt die Verfolgung des Pistolenmanns auf. Dieser wird schließlich in Bahnhofsnähe von der Polizei gestellt.

In einem Schreiben der Firma Protec, die den 30-Jährigen Tage später erreicht, ist die Rede von einer „außergewöhnlichen, potentiell gefährlichen Situation, in der Sie umsichtig, taktisch klug und auch mutig gehandelt haben“. Als Präsent bekommt R. einen Schlüsselanhänger mit Mini-Schlagstock. Doch der Vorfall habe ihn aus der Bahn geworfen, sagt R. Er leide unter Panikattacken, schrecke bei jedem lauten Geräusch zusammen. Eine Woche nach dem Vorfall meldet er sich krank, ist in psychologischer Behandlung und nimmt Antidepressiva.

Vor dem Arbeitsgericht erklärte der Protec-Anwalt, R. sei auch gekündigt worden, weil er sich nicht „ins Kollektiv“ eingefügt habe – für Pistorius eine Schutzbehauptung. Und auch wenn der gesetzliche Kündigungsschutz gewöhnlich erst nach sechsmonatiger Tätigkeit greife: Liege eine betrieblich verursachte Erkrankung wie in diesem Fall vor, sei eine Kündigung „treuwidrig“.

Die Richterin signalisierte, mit einem Rausschmiss von R. wegen seiner Erkrankung werde Protec kaum durchkommen – wenn dies der ausschlaggebende Kündigungsgrund sei. Der nächste Verhandlungstermin ist im August. Doch nun wollen die Parteien versuchen, sich doch noch außergerichtlich zu einigen.

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