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Aus der Stadt Welche Buslinien in der Region werden gestrichen?
Hannover Aus der Stadt Welche Buslinien in der Region werden gestrichen?
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20:10 23.02.2018
Ein Regiobus fährt in Ronnenberg-Benthe um die Ecke. Die Sorge, dass das künftig weiter so sein wird, beschäftigt die Einwohner. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

 Im Ronnenberger Ortsteil Benthe haben knapp 200 Einwohner am Sonnabend eine Menschenkette gebildet aus einem Anlass, der für diese Protestform eher ungewöhnlich ist. Sie wollen ihre Buslinie 510 retten, die aus den Fahrplänen gestrichen werden soll. Es gibt zwei Ersatzlinien, aber die führen seltener und man müsste auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit künftig umsteigen. „Wir fürchten, dass Benthe komplett abgehängt wird“, sagt Ronnenbergs Bürgermeisterin Stephanie Harms.

Bei der Region wird gerade geplant, wo ihr Busunternehmen Regiobus künftig noch fahren soll und wo nicht mehr, weil nicht genug Fahrgäste einsteigen. Weil dabei eine längere Streichliste zustande gekommen ist, erwächst überall in Hannovers Umland Widerstand. „Ein rein wirtschaftliches Konzept, das dazu führt, dass die ohnehin benachteiligten Randlagen der Region weiter geschwächt werden“, steht in der offiziellen Stellungnahme der Stadt Springe, die den allgemeinen Tenor trifft. Zustimmung gibt es nirgends. Bis Anfang März muss vor diesem Hintergrund die Politik entscheiden, wie es bei der Regiobus weiter geht.

Warum wird gerade jetzt über den Busverkehr geredet?

Die Konzession der Regiobus läuft Ende 2019 aus. Die Region will ihr Tochterunternehmen auch für die nächsten zehn Jahre per öffentlichem Dienstleistungsauftrag direkt beauftragen und es vor Wettbewerb durch private Anbieter schützen. Dazu müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden.

Welche Anforderungen bestehen?

Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent, hatte im Oktober im Verkehrsausschuss gesagt, die Regiobus erfülle derzeit nicht die wirtschaftlichen Kriterien für die Direktvergabe. Welche das genau sind, erklärte er nicht. Auch in der aktuellen Beschlussvorlage für die Politik stehen keine Angaben darüber. Andererseits hätte es ein privater Konkurrent schwer, weil er im Gegensatz zum öffentlichen Unternehmen Regiobus ganz ohne Zuschüsse auskommen müsste. Angesichts dieser Gemengelage vermuten unter anderem Politiker der Grünen, die Region erzeuge künstlich Handlungsdruck, um politisch heikle und in der Bevölkerung unbeliebte Maßnahmen treffen zu können.

Besteht überhaupt Handlungsdruck?

Auf jeden Fall aus wirtschaftlicher Sicht. Die Regionbus erhielt zuletzt 34 Millionen Euro Jahreszuschuss von der Region und damit etwa die Hälfte des Gesamtetats. Ein von der Region in Auftrag gegebenes Gutachten verglich zehn Busunternehmen; die Regiobus landete bei der Wirtschaftlichkeit auf dem letzten Platz. „Das Verhältnis zwischen Fahrgastzahlen und gefahrenen Kilometern liegt deutlich unter dem Niveau anderer Verkehrsunternehmen“, schreiben die Gutachter. Zu vermuten sei ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Leistungs- und Angebotsniveau. Heißt übersetzt: Die Regiobus fährt nach Ansicht der Experten zuviel heiße Luft durch die Gegend.

Was schlagen die Gutachter vor?

Unter dem Strich würden die Busse der Regiobus jährlich 1,4 Millionen Fahrkilometer weniger zurücklegen. Ein knappes Dutzend Linien müssten dafür komplett aufgegeben werden, andere würden in Teilabschnitten gekappt. Außerdem schlagen die Experten ausgedünntere Fahrpläne etwa frühmorgens, spätabends oder an Wochenenden vor. Das brächte 2020 eine Million Euro an Einsparungen, bis 2024 würde die Summe auf jährlich 2,6 Millionen Euro anwachsen.

Gibt es auch Mindeststandards und Verbesserungen?

Regionspräsident Hauke Jagau hat versprochen, dass jedes Dorf der Region in den Hauptverkehrszeiten stündlich mit dem Bus erreichbar bleibt. Verbesserungen sind für die drei sogenannten Sprinter-Linien geplant und einige weitere, die dazu ausgebaut werden könnten. Allen gemein ist, dass sie direkt durchs hannoversche Umland fahren. „Im ländlichen Raum, insbesondere an der äußeren Peripherie der Region, wird der Regionalbusverkehr geringer genutzt“, heißt es in dem Gutachten.

Was wären Alternativen?

Der Einsatz kleinerer Fahrzeuge und Rufbusse oder -taxis beispielsweise. In einigen Ecken der Region gibt es so etwas schon. Problem ist derzeit, dass die Regiobus keine kleinen Fahrzeuge in der eigenen Flotte hat und deshalb Unternehmen beauftragen muss. Die lassen sich das gut bezahlen. Außerdem ist die Dichte an Taxen oder Leihfahrzeugen gerade im ländlichen Raum nicht gerade hoch. Sogenannte Bürgerbusse, die Privatinitiativen betreiben, bringen keine Abhilfe. Sie können einzelne Lücken stopfen, aber nicht flächendeckend ein Gebiet von der Größe der Region versorgen.

Was machen andere?

Die Regiobus hat bei Fahrgastbefragungen und Unternehmensvergleichen immer wieder gute Noten erhalten. Ein Blick in die Nachbarschaft zeigt, warum das so ist: In Nienburg etwa fährt der Stadtbus werktäglich gegen 19.30 Uhr seine letzte Fahrt; sonnabends gegen 14.30 Uhr und sonntags gar nicht. Die Überlandbusse im Landkreis sind stark auf den Schulverkehr fixiert. Es gibt manche, die so etwas auch für die Region befürchten.

Von Bernd Haase

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