Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Region bei Asylbewerbern besonders begehrt
Hannover Aus der Stadt Region bei Asylbewerbern besonders begehrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 28.01.2016
Von Mathias Klein
Im Regionshaus wurde in der Reihe "Region im Dialog" über die Verbesserung der Integration von Flüchtlingen diskutiert. Quelle: Nancy Heusel
Anzeige
Hannover

Die Möglichkeiten der Arbeitsaufnahme für Flüchtlinge müssen wesentlich vereinfacht werden. "Wenn man liest, was Flüchtlinge alles beachten müssen, bekommt man einen Rappel", sagte der Sozialdezernent der Region Hannover, Erwin Jordan, am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung zur Integration von Flüchtlingen im Regionshaus in Hannover.

"Die ganze Struktur ist derzeit nicht auf Gelingen orientiert", sagte Jordan. Das Verfahren sei einfach viel zu bürokratisch. Der Forderung einiger Politiker, Flüchtlinge verstärkt in ländlichen Regionen unterzubringen, erteilte der Sozialdezernent eine klare Absage. "Warum soll ein Gebiet wie der Harz, wo die jungen Leute wegziehen, für Flüchtlinge attraktiv sein?", fragte Jordan. Auch Flüchtlinge würden dorthin gehen wollen, wo es Arbeitsplätze gebe. Die Region Hannover sei bei Asylbewerbern besonders begehrt, stellte er fest. Darauf müsse sich die Region einstellen, zum Beispiel beim Wohnungsbau. "Auch in diesem Bereich sind ganz besondere Anstrengungen nötig", betonte der Sozialdezernent. "Wir können Integration schaffen, wir müssen uns aber richtig anstrengen", meinte Jordan.

Zu der Veranstaltung in der Reihe "Region im Dialog" hatte die Region organisiert. Das Interesse war groß: 400 Stühle hatten die Mitarbeiter der Regionsverwaltung aufgestellt, zahlreiche Besucher mussten stehen.

Unterstützung erhielt Jordan von Rüdiger Wapler, von der Bundesagentur für Arbeit. Der Wissenschaftler meinte, die vielen Zuwanderer seien eine "große Hoffnung für den deutschen Arbeitsmarkt". Er forderte eine Beschleunigung der Anerkennungsverfahren und eine vereinfachte Anerkennung von Abschlüssen und Fähigkeiten, die die Flüchtlinge mitbringen. Über das Bildungsniveau der Flüchtlinge herrscht eine große Unsicherheit, meinte Wapler. Derzeit gebe es darüber noch keine wissenschaftlich fundierte Untersuchungen.

Seine große Sorge sei, den Flüchtlingen hier in der Region eine vernünftige Perspektive zu bieten, sagte Regionspräsident Hauke Jagau. "Die Monate, die vor uns liegen, sind entscheidend für die Integration", betonte er. Die Unterkünfte für die Flüchtlinge lägen an der Grenze des Unzumutbaren, meinte Jagau. Wegen der großen Menge sei es jedoch zunächst darum gegangen, den Flüchtlingen ein Dach über den Kopf und Essen zu geben.

Der Geschäftsführer der Handwerkskammer, Carl-Michael Vogt, berichtete von schlechten Sprachkenntnissen der Flüchtlinge. Die Handwerkskammer bereitet in Garbsen junge Flüchtlinge auf eine Lehre vor. "Die Flüchtlinge sind alle handwerklich sehr geschickt", erläuterte er. Allerdings seien die Deutsch-Kenntnisse unterschiedlich. Als Beispiel nannte Vogt, dass oftmals auch Akademiker Schwierigkeiten hätten, einfache Zahlen zu lesen. "Als Handwerker benötige ich aber bestimmte Kenntnisse der Sprache", betonte Vogt.

In der Diskussion berichtete eine Frau, die junge Flüchtlinge betreut, dass es keine Finanzierung weiterführender Sprachkurse gebe. Die Chefin der Arbeitsagentur Hannover, Bärbel Höltzen-Schoh, antwortete, dass es derzeit keine Möglichkeit gebe, Deutsch-Kurse systematisch anzubieten.

In der Diskussion beklagte ein aus Afghanistan stammender Handwerksmeister, dass er bei der Arbeitsagentur keinen Ansprechpartner findet. "Wo soll ich junge Leute hinschicken, die gut Deutsch sprechen?", fragte er. Ein Ansprechpartner sei nicht zu finden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er liebt Holz in jeder Variation und ließ sich durch einen Bildband über berühme Bibliotheken zu seinem Hobby inspirieren: Der Tiefbauingenieur im Ruhestand, Walter Leipold, baut mit Leidenschaft Miniatur-Szenerien aus Holz – mit außergewöhnlicher Liebe zum Detail.

Juliane Kaune 28.01.2016

Die Stadt Hannover plant, fünf Leichtbauhallen zu errichten und darin 2000 Flüchtlinge unterzubringen. Damit reagiert die Stadt auf die erwarteten Flüchtlingszahlen. Demnach müssen bis Ende März 6000 Menschen untergebracht werden.

Andreas Schinkel 28.01.2016
Aus der Stadt Gefährliche Kräutermischungen - 16 Verletzte nach Konsum von "Spice"

Seit Sonntagmittag bis jetzt haben sich bei der Polizei 16 Personen gemeldet, die durch den Konsum sogenannter "Legal Highs" Vergiftungen, in einem Fall sogar lebensbedrohlich, erlitten haben. Zwei Tatverdächtige wurden mittlerweile festgenommen.

25.01.2016
Anzeige