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Region bei Asylbewerbern besonders begehrt

Diskussionsveranstaltung im Regionshaus Region bei Asylbewerbern besonders begehrt

Das Interesse war groß: Zur Diskussionsveranstaltung zur Integration von Flüchtlingen kamen weit mehr als die 400 erwarteten Besucher ins Regionshaus. Einig war man sich, dass die Möglichkeiten der Arbeitsaufnahme für Flüchtlinge vereinfacht werden müssen. Regionspräsident Jagau äußerte seine Sorge über die Perspektiven der Flüchtlinge in der Region. 

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Im Regionshaus wurde in der Reihe "Region im Dialog" über die Verbesserung der Integration von Flüchtlingen diskutiert.

Quelle: Nancy Heusel

Hannover. Die Möglichkeiten der Arbeitsaufnahme für Flüchtlinge müssen wesentlich vereinfacht werden. "Wenn man liest, was Flüchtlinge alles beachten müssen, bekommt man einen Rappel", sagte der Sozialdezernent der Region Hannover, Erwin Jordan, am Montagabend bei einer Diskussionsveranstaltung zur Integration von Flüchtlingen im Regionshaus in Hannover.

"Die ganze Struktur ist derzeit nicht auf Gelingen orientiert", sagte Jordan. Das Verfahren sei einfach viel zu bürokratisch. Der Forderung einiger Politiker, Flüchtlinge verstärkt in ländlichen Regionen unterzubringen, erteilte der Sozialdezernent eine klare Absage. "Warum soll ein Gebiet wie der Harz, wo die jungen Leute wegziehen, für Flüchtlinge attraktiv sein?", fragte Jordan. Auch Flüchtlinge würden dorthin gehen wollen, wo es Arbeitsplätze gebe. Die Region Hannover sei bei Asylbewerbern besonders begehrt, stellte er fest. Darauf müsse sich die Region einstellen, zum Beispiel beim Wohnungsbau. "Auch in diesem Bereich sind ganz besondere Anstrengungen nötig", betonte der Sozialdezernent. "Wir können Integration schaffen, wir müssen uns aber richtig anstrengen", meinte Jordan.

Zu der Veranstaltung in der Reihe "Region im Dialog" hatte die Region organisiert. Das Interesse war groß: 400 Stühle hatten die Mitarbeiter der Regionsverwaltung aufgestellt, zahlreiche Besucher mussten stehen.

Unterstützung erhielt Jordan von Rüdiger Wapler, von der Bundesagentur für Arbeit. Der Wissenschaftler meinte, die vielen Zuwanderer seien eine "große Hoffnung für den deutschen Arbeitsmarkt". Er forderte eine Beschleunigung der Anerkennungsverfahren und eine vereinfachte Anerkennung von Abschlüssen und Fähigkeiten, die die Flüchtlinge mitbringen. Über das Bildungsniveau der Flüchtlinge herrscht eine große Unsicherheit, meinte Wapler. Derzeit gebe es darüber noch keine wissenschaftlich fundierte Untersuchungen.

Seine große Sorge sei, den Flüchtlingen hier in der Region eine vernünftige Perspektive zu bieten, sagte Regionspräsident Hauke Jagau. "Die Monate, die vor uns liegen, sind entscheidend für die Integration", betonte er. Die Unterkünfte für die Flüchtlinge lägen an der Grenze des Unzumutbaren, meinte Jagau. Wegen der großen Menge sei es jedoch zunächst darum gegangen, den Flüchtlingen ein Dach über den Kopf und Essen zu geben.

Der Geschäftsführer der Handwerkskammer, Carl-Michael Vogt, berichtete von schlechten Sprachkenntnissen der Flüchtlinge. Die Handwerkskammer bereitet in Garbsen junge Flüchtlinge auf eine Lehre vor. "Die Flüchtlinge sind alle handwerklich sehr geschickt", erläuterte er. Allerdings seien die Deutsch-Kenntnisse unterschiedlich. Als Beispiel nannte Vogt, dass oftmals auch Akademiker Schwierigkeiten hätten, einfache Zahlen zu lesen. "Als Handwerker benötige ich aber bestimmte Kenntnisse der Sprache", betonte Vogt.

In der Diskussion berichtete eine Frau, die junge Flüchtlinge betreut, dass es keine Finanzierung weiterführender Sprachkurse gebe. Die Chefin der Arbeitsagentur Hannover, Bärbel Höltzen-Schoh, antwortete, dass es derzeit keine Möglichkeit gebe, Deutsch-Kurse systematisch anzubieten.

In der Diskussion beklagte ein aus Afghanistan stammender Handwerksmeister, dass er bei der Arbeitsagentur keinen Ansprechpartner findet. "Wo soll ich junge Leute hinschicken, die gut Deutsch sprechen?", fragte er. Ein Ansprechpartner sei nicht zu finden.

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