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Aus der Stadt Region Hannover hält den Leinebogen für kaum umsetzbar
Hannover Aus der Stadt Region Hannover hält den Leinebogen für kaum umsetzbar
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22:18 27.09.2010
Von Felix Harbart
Die Idee vom Leinebogen ist attraktiv – durchführbar allerdings wird sie kaum sein. Quelle: Michael Thomas

Schon vor zwei Jahren hat sich eine Arbeitsgruppe der Region Hannover mit dem Thema beschäftigt und anhand der Skizzen des Architekten Peter Grobe eine sogenannte Vorprüfung durchgeführt. Fazit des zwölfseitigen Berichts, der der HAZ vorliegt: Die Idee vom Leinebogen ist attraktiv – durchführbar allerdings wird sie kaum sein.

Im Einzelnen gehen die Experten aus den Bereichen Naturschutz, Gewässerschutz und Regionalplanung auf folgende Aspekte ein:

Rechtliche Fragen: Große Teile der Landschaft, die Grobe in eine Seenlandschaft verwandeln will, gehören zum sogenannten Flora-Fauna Habitat (FFH), einem EU-Schutzgebiet. Um den See dennoch anlegen zu können, müsste die EU eine Ausnahme machen. Dass das passieren wird, glauben die Experten aber nicht: „Es kann aber (vonseiten der EU-Kommission, d. Red.) von einer negativen Stellungnahme ausgegangen werden, sodass das Projekt im FFH-Gebiet ... unzulässig ist und die engen Voraussetzungen einer FFH-Ausnahmeprüfung nicht erfüllbar sind“, schreiben sie. Wollte man die EU zu einer Ausnahme bewegen, müssten sich wohl Landes- und Bundesregierung dafür einsetzen. Ein solches Verfahren würde jedoch „Neuland“ bedeuten. Auch gegen die EU-Wasserrahmenrichtlinie würde das Projekt verstoßen, meinen die Experten – und auch hier sei eine Ausnahme höchst unwahrscheinlich. Beides zusammen werten die Fachleute als „für das Projekt höchstwahrscheinlich rechtlich unüberwindbare Hürden“.


Das geplante Projekt "Leine-Bogen" in Hannover auf einer größeren Karte anzeigen

Lärm: Sollte der Großsee tatsächlich touristisch so erfolgreich sein wie erhofft, könnte erhöhter Autoverkehr zu Lärmbelästigungen für die Anwohner führen.

Klima: Das Leinetal, schreiben die Experten, habe eine erhebliche Bedeutung für das Klima in Stadt und Region – durch Luftaustausch, Frischluftzufuhr und Temperaturausgleich. Die Seen würden dieses Klima beeinflussen – nur wie, ist bisher ungewiss.

Landwirtschaft: Zurzeit wird die Leineaue des geplanten Seegebietes vor allem landwirtschaftlich genutzt, die Regionsexperten sprechen von „wertvollen Böden“ und „hohem Ertragspotenzial“. Der Verlust dieser Flächen müsste zum einen kompensiert werden, zum anderen könnte durch die Überflutung die „Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Flächen und den Preisdruck deutlich verschärfen“.

Wasserqualität: Nicht nur, dass das Wasser nach Ansicht der Fachleute nicht so schön blau sein wird, wie auf den Planungsskizzen des Architekten, sondern ebenso bräunlich wie das Leinewasser – es wäre nach heutigem Stand wohl auch kaum zum Baden geeignet. In den Südsee würden die sogenannten Mischwasserabschläge aus Linden und der Innenstadt eingeleitet, in den Nordsee leite die Kläranlage Herrenhausen ein. Ergo: „Für die Seen würde sich daher eine Nutzung als Badegewässer voraussichtlich verbieten.“

Altlasten: Bevor Architekt Grobe seinen neuen See mit Wasser füllen lassen könnte, müsste er sich erst einmal um die Altlasten in dem Bereich bemühen – nämlich um insgesamt neun Stück plus sieben Verdachtsflächen. „Die Untersuchungs- und Sanierungskosten lassen sich nicht abschätzen“, schreiben die Gutachter.

Leitungen: Allein die Verlegung zweier Leitungen der Stadtentwässerung würde laut Region mit 50 Millionen Euro zu Buche schlagen. Dabei noch nicht eingepreist ist der Umgang mit „mindestens zwei Gasleitungen“ und der Flugzeugtreibstoffleitung von Letter nach Langenhagen.

Fazit der Planer: Zunächst einmal müssten Politik und Öffentlichkeit sich darüber klar werden, was für eine Landschaft sie wollten: Eine Auen- oder eine Seelandschaft. Sollte man sich für die Seenplatte entscheiden, würde das rechtlich sehr schwierig – und extrem teuer.

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