Die älteren ihrer fünf Töchter haben für den Besuch der Bonifatius-Grundschule noch eine kostenlose Schülerfahrkarte für den Nahverkehr erhalten. Als nach den Sommerferien die fünfjährige Paula Sökeland als Vierte im Bunde dort eingeschult wurde, blieb die Karte aus. „Man hat uns auf Nachfrage mitgeteilt, dass der Schulweg 20 Meter zu kurz ist“, sagt Vater Peter Sökeland.
Hintergrund der Angelegenheit ist die Regelung, wonach nur Schüler bis einschließlich Sekundarstufe I einen Anspruch auf kostenlosen Transport in Bussen und Bahnen haben, deren Schulweg länger als zwei Kilometer ist. Das war auch früher schon so. Jetzt aber hat die für den Nahverkehr zuständige Region ihre Messmethoden mittels eines neuen Computerprogramms verfeinert. „Damit können wir bis auf fünf Meter genau ermitteln, wie lang der Schulweg von der Haustür zum Schuleingang ist“, sagt Sprecher Nils Meyer.
Insgesamt treibt die Behörde bei den Schulwegen einigen Aufwand. Bei Neueinschulungen oder Schulwechseln melden die Schulen Fälle, in denen Schüler in der Nähe des Zwei-Kilometer-Radius wohnen. „Danach vollziehen wir auf Luftaufnahmen den Schulweg nach und ermitteln mit Messpunkten die genaue Länge“, schildert Meyer. Dabei werde nicht die kürzeste Strecke zugrunde gelegt, auch Kriterien wie Sicherheit spielten eine Rolle. Gebe es begründete Einwände, gingen Mitarbeiter den Schulweg ab. Im Fall Sökeland seien dies auch nicht wie zuerst angegeben, zwanzig, sondern 200 Meter. Warum die alte Messmethode derart ungenau gewesen sein soll, war nicht zu erklären.
Sökeland findet die Ungleichbehandlung seiner Töchter ungerecht und verweist außerdem darauf, dass Paula nun etwa 45 Minuten zur Schule gehen müsse. Die Alternative, dem Kind eine Fahrkarte zu kaufen, falle ihm als Altenpfleger mit fünf Töchtern finanziell nicht gerade leicht.
Das Wort Gerechtigkeit benutzt auch Meyer: „Es gibt die Grenze, und damit sind wir gehalten, so genau wie möglich zu arbeiten.“ Zwar entstünden so Härtefälle, aber man müsse auch berücksichtigen, dass der kostenlose Schülertransport vom Steuerzahler und damit von der Allgemeinheit finanziert werde. Derzeit erhielten 57.000 Schüler eine Karte, dies koste die öffentliche Hand 22 Millionen Euro im Jahr.
Die von Meyer erwähnte Möglichkeit, in Härtefällen vorstellig zu werden, hat Sökeland schon genutzt. Seitdem weiß er zwar einiges über Messmethoden, aber Paula bekommt trotzdem keine Karte. „Die Region schafft mich“, kommentiert der Lister.