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Aus der Stadt Region stoppt Schummelei bei Kfz-Kurzkennzeichen
Hannover Aus der Stadt Region stoppt Schummelei bei Kfz-Kurzkennzeichen
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00:17 15.06.2018
Begehrte Kurzkennzeichen in der Region Hannover: Dieses Auto bekommt künftig keines mehr, weil es bauartbedingt auch längere verträgt. Quelle: Heidrich (Symbolbild)
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Hannover

In zahlreichen Kfz-Zulassungsstellen der Region hat es monatelang einen starken Missbrauch bei der Reservierung und Zuteilung der begehrten Kurz-Kennzeichen gegeben. Mitarbeiter haben die Kurzkombinationen für sich selbst, für Freunde und Bekannte und laut Ermittlungen der Region auch für Mitglieder der Autotunerszene unrechtmäßig blockiert. Nach Beschwerden von Bürgern hat die Regionsspitze jetzt durchgegriffen und wieder strikte Regeln eingeführt.

Kurze Autokennzeichen wie zum Beispiel „H-IJ 1“ sind begehrt. Sie sehen sportlicher aus als die Exemplare mit langen Buchstaben- und Zahlenkolonnen und signalisieren zudem Zentralität: Je länger ein Kennzeichen in Deutschland, desto ländlicher die Herkunft des Fahrzeughalters. Weil aber, bedingt durch die Bauart, zum Beispiel viele historische Fahrzeuge, einige US-Autos und etliche Motorräder besonders kurze Kennzeichen benötigen, hält jeder Zulassungsbezirk eine Anzahl von besonders kurzen Kombinationen bereit.

Eigentlich dürfen diese nur vergeben werden, wenn es für das Fahrzeug zwingend nötig ist. Um Bürokratie abzubauen, hat die Region Ende 2016 diese Regel entschärft. Dies geschah „in der Hoffnung, dass in den Zulassungsstellen verantwortungsvoll damit umgegangen wird“, wie es in einem internen Schreiben heißt, das der HAZ vorliegt. Dieses Vertrauen aber wurde ganz offenkundig missbraucht.

Nach Beschwerden hat das zuständige Regionsdezernat Ermittlungen aufgenommen und festgestellt, dass „eine auffällig große Anzahl kurzer Kennzeichen teilweise über mehrere Jahre (...) reserviert/blockiert waren.“ Nutznießer seien Mitarbeiter und Angehörige, Bekannte und „bestimmte Personen wie zum Beispiel aus der Tuningszene“ gewesen. Die legere Vergabe wurde daraufhin gestoppt. Ab sofort dürfen Kurzkennzeichen wieder nur vergeben werden, wenn die Notwendigkeit nachgewiesen ist – und nur noch über die Zentrale der Region, die das jetzt einzeln freigeben muss. Verursacher nämlich sind nicht nur direkte Mitarbeiter der Region gewesen, sondern in großem Stil auch Mitarbeiter aus den Kommunen: 17 der 20 Umlandkommunen Hannovers sind an dem Zulassungssystem der Region beteiligt. Dort übernehmen eigene Bürgerservices die Zulassung – und haben viel Gebrauch von der neuen Freiheit gemacht.

Bei einigen Autoliebhabern wächst jetzt der Ärger: Normalerweise darf man bei einem Fahrzeugwechsel sein Kennzeichen auf das neue Auto überführen, schließlich sind die Kennzeichen bezahlt. Wer aber seit Ende 2016 ein kurzes Kennzeichen legal erworben hat, obwohl sein Fahrzeug längere Kennzeichen vertragen hätte, bekommt dies ab sofort entzogen, sobald er ein anderes Fahrzeug kauft. „Damit fallen bei einem Fahrzeugwechsel erneut Kosten für neue Kennzeichen an – obwohl man sich ja regelkonform verhalten hat“, kritisiert ein Betroffener. Besonders hart treffe es Handwerker, die sich für das hannoversche Stadtgebiet teure neue Handwerkerparkausweise ausstellen lassen müssten.

Regionssprecherin Carmen Pförtner bedauert die Verstimmung. Die Nachfrage nach Kurzkennzeichen sei aber so sprunghaft angestiegen, „dass die Gefahr bestand, dass in kürzester Zeit keine Kurzkennzeichen mehr zur Verfügung stehen“. Es sei nötig gewesen, dem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben – auch um „das Ansehen der Region Hannover und der Zulassungsstellen in den Kommunen nicht zu gefährden“.

Sprunghafter Anstieg

Gut 100.000 Autokennzeichen vergibt die Region jährlich an Kfz-Halter neu. 2015 waren darunter 396 Kurzkennzeichen, 2017 aber schon 1451, zudem überlange Reservierungszeiten, ein Indiz für den Missbrauch. Weil es zusätzlich Beschwerden gab, greift die Region jetzt durch.

Von Conrad von Meding

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