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Aus der Stadt Region will Bauen am Wald verbieten
Hannover Aus der Stadt Region will Bauen am Wald verbieten
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00:22 18.12.2015
Von Conrad von Meding
Wie viel Freiraum brauchen die Bäume? Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Wenn es nach der Region Hannover geht, dürfen demnächst im Umkreis von 100 Metern rund um Bäume und Baumgruppen keine Gebäude mehr entstehen. Ihr reicht der bisherige Pflichtabstand von 35 Metern nicht aus, Ausnahmen sollen zudem erschwert werden. Für die Stadt Hannover bringt das große Schwierigkeiten beim Schaffen von neuem Wohnraum mit sich. Für ein geplantes Neubaugebiet am Nordrand von Bothfeld etwa würde der 100-Meter-Radius eine „massive Beeinträchtigung“ bedeuten, heißt es bei der Stadt. Wohnviertel am Waldrand, wie es sie in Kleefeld und anderswo gibt, dürften demnächst nicht mehr entstehen.

Alle zehn Jahre legt die Region ihr Raumordnungsprogramm auf, das festlegt, wie sich Siedlungen entwickeln dürfen. Dabei spielt Naturschutz eine große Rolle. Doch diesmal geht der Entwurf Hannover und einigen Umlandkommunen zu weit. Hannover ist darin als „waldarmer Naturraum“ eingestuft, weil die Waldfläche weniger als 15 Prozent beträgt. Kein Wunder, findet man im Rathaus, schließlich ist die Landeshauptstadt der am dichtesten besiedelte Bereich Niedersachsens. Die Stadt hat trotz Eilenriede, Tiergarten und Staatsforst nur 12 Prozent Waldfläche.

Im Beispiel Bothfeld würde eine kleine Baumgruppe (rote Linie) eine vielfach größere Schutzfläche (gestrichelte Linie) erfordern. Quelle: Stadt Hannover

Verbesserungen für den Wald soll aus Sicht der Region die vergrößerte Schutzzone schaffen. Sie würde laut Waldgesetz bereits bei einer Baumfläche ab 1000 Quadratmetern und einer Mindesttiefe von 30 Metern gelten. Kurios: In Bothfeld wäre auf dem Grundstück der städtischen Baumschule die Schutzzone sogar größer als der kleine Naturwald, der geschützt werden soll. Dort plant Hannover dem Wohnbauprogramm 2025 zufolge ein Neubaugebiet. Der neue Mindestabstand bedeute „einen massiven und unverhältnismäßigen Eingriff in die Planungshoheit der Kommunen“, monierte Stadtplaner Uwe Holland kürzlich im Bezirksrat. In der städtischen Stellungnahme zum Entwurf des Raumordnungsprogramms heißt es: „Für ein Oberzentrum kann die Vermehrung von Wald nicht ernsthaft als vorrangiges Ziel verfolgt werden.“ Hannovers Baudezernent Uwe Bodemann hält den bisherigen Abstand von 35 Metern für ausreichend.

Der zuständige Planungsdezernent der Region, Prof. Axel Priebs, verweist darauf, die 100-Meter-Regel sei naturschutzfachlich begründet. Hannover gehöre „zu den waldärmeren Räumen, in denen nach einem landesweiten Grundsatz eine Vergrößerung des Waldanteils wünschenswert“ sei. Allerdings sei im Entwurf des Raumordnungsprogramms ausdrücklich vermerkt, dass Ausnahmen möglich seien, „sofern dies im Einzelfall mit den Belangen der Forstwirtschaft und des Naturschutzes vereinbar ist“.

Zugleich aber hat die Region die Schutzwirkung hochgestuft: Der Waldabstand soll künftig nicht mehr „Grundsatz“ sein, sondern „verbindliches Ziel“ der Planung. Städte müssten auf das Wohlwollen der Naturschutzbehörden hoffen und dürften nicht mehr selbst entscheiden.

Regionspräsident Hauke Jagau sagte, Naturschutzthemen seien immer mit Zielkonflikten belastet: „Ich wünsche, dass meine Mitarbeiter mit Augenmaß vorgehen.“ Letztlich entscheiden die Kommunalpolitiker über die Vorgaben. In mehreren Umlandgemeinden haben die Räte schon Änderungswünsche formuliert, auch aus Hannover ist Kritik zu erwarten. Die Regionsversammlung muss das Programm am Ende verabschieden.

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