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Bringen Flüchtlinge Krankheiten mit, Herr Yilmaz?

Regions-Amtsarzt im Interview Bringen Flüchtlinge Krankheiten mit, Herr Yilmaz?

Bringen Flüchtlinge ansteckende Krankheiten wie Tuberkulose nach Deutschland? Wenn ja, wie häufig passiert das? Wie sicher sind die Routine-Untersuchungen? Der Amtsarzt der Region Hannover, Mustafa Yilmaz, nimmt Stellung zu den Sorgen, die viele Bürger in der Flüchtlings-Krise haben.

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Amtsarzt Mustafa Yilmaz.

Quelle: HAZ

Herr Yilmaz, vielerorts in der Region machen sich Bürger Gedanken darüber, ob Flüchtlinge ansteckende Krankheiten mitbringen, vor denen man sich in Acht nehmen müsse. Dabei geht es unter anderem um Tuberkulose. Ist die Sorge berechtigt?

Die Gefahr einer Ansteckung mit Tuberkulose wird häufig überschätzt. Ein nennenswertes Ansteckungsrisiko besteht in der Regel nur für Personen, die mindestens acht Stunden gemeinsam mit einem an offener Lungentuberkulose Erkrankten in einem geschlossenen Raum zugebracht haben. Mit einer Behandlung nimmt die Ansteckungsfähigkeit außerdem in der Regel rasch ab. Tuberkulose gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen, die das Gesundheitsamt der Region Hannover fortwährend und aufmerksam beobachtet. Grundsätzlich werden alle Asylsuchenden bei Aufnahme in einer Gemeinschaftseinrichtung geröntgt; auf diese Weise werden Menschen mit einer Tuberkuloseerkrankung identifiziert, isoliert und behandelt. Außerdem ermitteln wir auch die Kontaktpersonen der Erkrankten, um auch bei ihnen eine Ansteckung zu überprüfen.

Gibt es Zahlen über Flüchtlinge mit ansteckenden Krankheiten?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat aktuell die übermittelten meldepflichtigen Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland ausgewertet. Derzeit stehen bei Asylsuchenden vor allem Magen-Darm-Infektionen und Krankheiten, gegen die geimpft werden kann, im Vordergrund. Nur ganz selten treten Fälle von schwerwiegenden, importierten Krankheiten wie Typhus auf. Dies gilt auch für klassische Tropenkrankheiten wie Malaria oder Cholera. Asylsuchende sind somit grundsätzlich durch die gleichen Infektionskrankheiten gefährdet wie die einheimische Bevölkerung in Deutschland. Das RKI sieht derzeit keine erhöhte Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende.

Werden alle Flüchtlinge auf solche Infektionskrankheiten untersucht?

Bei Asylsuchenden, die in eine Gemeinschaftseinrichtung kommen, ist eine gesundheitliche Erstuntersuchung auf übertragbare Erkrankungen vorgeschrieben. Bundeseinheitlich ist das die Untersuchung auf Tuberkulose. Ansonsten variiert der Umfang der Untersuchung von Bundesland zu Bundesland.

Gab es bereits positive Fälle? 

Es gab und gibt bei Asylsuchenden natürlich erwartungsgemäß auch Infektionskrankheiten. In der Region Hannover wurden dem Gesundheitsamt insgesamt rund 65 Fälle an Tuberkulose gemeldet; 2014 waren es in etwa ebenso viele.

Was passiert mit erkrankten Flüchtlingen? Hat das Team Gesundheit zum Beispiel Quarantänestationen eingerichtet?

Erkrankte Flüchtlinge werden – wie die einheimische Bevölkerung auch – ambulant oder stationär behandelt, je nach Schwere der Erkrankung. Falls erforderlich, wird die betroffene Person auch isoliert. Spezielle Quarantäneeinrichtungen für Asylsuchende sind nicht sinnvoll.

Werden Helfer in den Unterkünften speziell geschult? Schließlich leben dort oft sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammen, was die Ansteckungsgefahr nicht gerade mindert.

Bei Helfern sollte der jeweilige Impfschutz überprüft werden, bevor sie ihren Einsatz beginnen. Das Gesundheitsamt der Region Hannover bietet spezielle Schulungen und Beratungen für Helfer und für Betreiber von Unterkünften an. Dabei geht es um Schutz- und Hygienemaßnahmen, um Informationen zu den häufigsten Erkrankungen. Das Gesundheitsamt steht eng an der Seite der Betreiber, um ein Ansteckungsrisiko unter den Asylsuchenden und den Helfern in einer Unterkunft so gering wie möglich zu halten. Bei Menschen, die auf engstem Raum zusammen sind, ist ein Ansteckungsrisiko aber nie ganz auszuschließen. Dies gilt allerdings generell, beispielsweise auch in Schulen, Kindergärten, im Fußballstadion oder im Theater.

„Seuchengefahr durch Flüchtlinge“ – so oder ähnlich hört man es öfter. Wie würden Sie die Lage bezeichnen?

Analysen der Meldedaten von Infektionsgeschehen der letzten Jahre in Unterkünften von Asylsuchenden haben ergeben, dass sich mehr als 90 Prozent der Erkrankten in Deutschland angesteckt haben. Das heißt, die Asylsuchenden sind eher eine gefährdete Gruppe als eine Gruppe, von der für andere eine Gefahr ausgeht.

Zur Person

Mustafa Yilmaz ist seit Mai 2013 Leiter des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover, die Funktion wird landläufig auch Amtsarzt genannt. Der Fachbereich ist unter anderem für den allgemeinen Gesundheitsschutz der Bevölkerung zuständig. Der 48-jährige Mediziner wurde in der Türkei geboren, absolvierte sein Medizinstudium an der Universität Münster und promovierte 1998 in Neurologie. Ein Jahr zuvor begann er seine Berufslaufbahn im öffentlichen Gesundheitsdienst beim Gesundheitsamt in Recklinghausen. Bevor er als Nachfolger von Hans-Bernhard Behrends zur Region Hannover kam, leitete er das Gesundheitsamt des Landkreises Osterholz-Scharmbeck.

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