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Aus der Stadt „… und was machst du so?“
Hannover Aus der Stadt „… und was machst du so?“
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00:15 13.09.2013
Aller Anfang ist schwer: HAZ-Autorin Sabrina Mazzola beim ersten Kennenlernen im „Espada“. Quelle: Wallmüller
Hannover

Da sitzen sie, so unsicher wie Praktikanten beim Vorstellungsgespräch. Nur der schlecht sitzende Konfirmationsanzug fehlt. Stattdessen hüllen sich die Teilnehmer in: Schweigen. Das kann ja was werden, mein erstes Face to Face Dating im „Espada“ in der Theaterstraße.

Im Gegensatz zu den Schweigern war ich schon bei fünf Singlebörsen angemeldet und sehe dem Treffen entspannt entgegen. Diese Art von Singletreffen sind im Trend, und das Konzept verspricht viel Abwechslung: Bei dieser neuen Form der Verkuppelung wechseln die Teilnehmer alle eineinhalb Stunden die Bar um jeweils neue Singles kennenzulernen. Das passiert dreimal hintereinander, sodass jeder insgesamt zwölf Leute zwischen 25 und 40 trifft. Danach gibt es ein Gruppentreffen, um die anderen acht zu treffen, die man bei den vorherigen Bars noch nicht kennengelernt hat. So soll ich innerhalb von fünf Stunden 24 neue Leute kennenlernen, 24 „Liebeszufälle“, wie es der Veranstalter nennt. Ich denke an die Werbung einer elitären Partnervermittlung, die behauptet, dass Liebe kein Zufall sei, und bin skeptisch. Nach der Veranstaltung werde ich eine Liste mit allen Namen bekommen, auf der ich notieren kann, wen ich wiedersehen will. Beruht der Wunsch auf Gegenseitigkeit, gibt der Veranstalter die Kontaktdaten heraus. Klingt kompliziert, ist aber einfach und kostet nur zehn Euro. Ich bin gespannt.

Alles auf Anfang im „Espada“. Die erste Runde ist immer noch ziemlich verklemmt. Am Tisch kämpfen die Protagonisten mit der Langweiligkeit des mittelmäßigen Lebens und ihren Gesprächsthemen. Es geht ums Parken in der Südstadt. Ein Dauerbrenner, so lebensnah wie einschläfernd. Nach Flirten sieht das erst mal nicht aus, und auch die Männerauswahl verfehlt meine persönlichen Präferenzen. Alle sind nett, aber zu normal. Daniel (alle Namen geändert), mit Geheimratsecken-Versteckfrisur, stellt die Relation Alkoholpegel-Offenheit her, und ich frage mich, wie lange ich warten muss, bis einer mal den Mund aufmacht. „Ich habe gar keine Erwartung an den Abend“, erzählt er mir. Single-Standardsatz. Unglaubwürdig.

Es geht zur nächsten Bar, ins schicke „Hugo’s“ im Ernst-August-Carree. Dort treffe ich zwar keinen interessanten Mann, dafür aber Tina. Die 31-jährige Blondine mit Intellektuellenbrille war schon mal verheiratet und sinniert über den Grund ihres Singledaseins wie über eine Virusinfektion. „Zwei Jahre geht das jetzt schon so, das ist ganz schön lange.“ Tina war wie ich schon bei verschiedenen Singlebörsen angemeldet, fand dort aber niemanden. „Irgendwas mochte ich da immer nicht. Zu klein, Raucher, hat Kinder.“ Aber Tina ist jetzt darüber weg, „Ich werd jetzt glücklich!“ sagt sie, und es klingt wie ein Marschbefehl. Unterdessen füllt sich das Kuriositätenkabinett. Stefan hat Informatik studiert, und Speed Dating sowie den Volkshochschulkursus „Smalltalk“ in seinem Single-Lebenslauf. Smalltalk-Kursus an der Volkshochschule? Das klingt doch vielversprechend. Allerdings hapert es in dieser Runde selbst daran. „Na, wie war’s im ,Espada‘?“, fragt Smalltalker Stefan. „Na ja, ’ne Bar halt“, sagt die Rechtsanwaltsfachangestellte Anja. Na toll.

Neuer Ort, neues Glück. In der Bar „Auszeit“ am Weißekreuzplatz sitzen wir draußen. Matthias lehnt lässig und paffend an der Wand, ein Oldtimerrestaurator, randloser Brille, im italienischen Angeberhemd. Doch die Alkoholprognose stimmt, die Stimmung wird zunehmend besser. Es kommen andere Themen dran. Hobbys und Lebensplanung. „Ich will eine Familie gründen, aber meine Freundinnen waren immer zu jung, mit 18 will noch keine heiraten“, klagt Kraftfahrzeugtechniker Daniel. Das ist so nachvollziehbar wie traurig.

Info

Das nächste Face to Face Dating in Hannover ist am 13. September um 19 Uhr. Anmeldung unter www.face-to-face-dating.de.

Nach viereinhalb Stunden geht’s zum abschließenden Gruppentreffen ins „Leinegold“ in der Königstraße. Ich bin müde, ein Dutzend Mal habe ich nun schon erzählt, wer ich bin und was ich vom Parken in der Südstadt halte. Anja, die blonde Südstädterin, hat mittlerweile vier Interessenten, die sie mit ihren Augen anstrahlen wie die Polizei bei der nächtlichen Verkehrskontrolle. Die Stimmung erreicht den Höhepunkt, Teilnehmerin - Typ Bridget Jones, aber schwarzhaarig - hat Geburtstag und springt mit Weinschorle in der Hand auf. „Ich bin 29a alt“, kreischt sie begeistert. Ich unterhalte mich derweil mit den anderen vier Männern, die ich bei den Bartreffen verpasst habe. Die Runde beschließt, noch das Steintor unsicher zu machen, aber ich ziehe von dannen. Fazit: Nach anfänglicher Verklemmtheit taute die Runde auf, die Leute sind nett , die Mischung der Typen stimmt. Für mich war aber keiner dabei.

Ein paar Tage später bekomme ich eine E-Mail, mein „Liebeszufall“. Von zwölf Männern wollen mich sechs wiedersehen. Immerhin eine Quote von 50 Prozent und ein bisschen Selbstbestätigung. Aber Liebe ist wohl doch kein Zufall.

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