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Aus der Stadt Verwunderung über einen Wunderheiler
Hannover Aus der Stadt Verwunderung über einen Wunderheiler
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00:15 23.11.2013
Von Gunnar Menkens
Angeblicher Wunderheiler Reinhard Bonnke, dem das Prädikat „Mähdrescher Gottes“ anhängt, kommt für zwei Gottesdienste nach Hannover. Quelle: Archiv
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Hannover

Nur um einmal die Dimensionen deutlich zu machen: Wenn der umstrittene Prediger und angebliche Wunderheiler Reinhard Bonnke, ein 73 Jahre alter Mann aus Königsberg in Ostpreußen, in afrikanischen Ländern Gottesdienste abhält, dann versammeln sich schon mal Hunderttausende Menschen. Stadien reichen für diese Massenveranstaltungen nicht aus. Dort wird für die Heilung von Kranken gebetet, und nach Bonnkes donnernden Auftritten ist hinterher oft von Genesungen zu hören, die überraschen. Verkrüppelte gehen, Blinde sehen, in Nigeria soll sogar ein Pfarrer von den Toten auferstanden sein. Jetzt kommt Bonnke, dem das Prädikat „Mähdrescher Gottes“ anhängt, für zwei Gottesdienste nach Hannover. Nicht auf einem öffentlichen Platz, sondern überdacht tritt er am 15. Dezember am Mengendamm auf.

Gastgeber ist die evangelische Freikirchengemeinde Elim. Sie erwartet einigen Andrang an jenem Sonntag um 10 und um 18 Uhr. „Die Leute werden in Scharen kommen“, glaubt Pastor Markus Häßlein, aus Gegenden weit über Hannover hinaus. Ein Ordnungsdienst ist bereits beauftragt, und sollten die 600 Plätze im eben eingeweihten neuen Haus nicht reichen, wird Bonnkes Predigt wohl über Lautsprecher unter freiem Himmel übertragen. Reservierungen sind nicht möglich, die Gemeinde empfiehlt, eine Stunde vor Beginn zu kommen, um einen der kostenfreien Sitzplätze zu ergattern.

Pastor Häßlein hat Auftritte von Bonnke gesehen. Leicht verständlich seien seine Predigten, sehr emotional und dynamisch, „er spricht laut und kraftvoll“. Wie Bonnke seine Gottesdienste in Hannover gestalten wird, wisse man noch nicht. Dass aber Spontanheilungen möglich seien, daran zweifelt Häßlein nicht, es gebe sie öfter, als hierzulande bekannt. In Indien habe er einmal erlebt, wie ein tauber Mensch nach Gebeten wieder hören konnte. Seine Haltung zu Bonnke beschreibt der Gastgeber so: „Es ist peinlich, ihn zu vergöttern. Aber er wird von Leuten als Scharlatan abgetan, die ihn nicht kennen.“

Auch im eher nüchternen Norddeutschland wird es Menschen geben, die Heilsversprechen von Bonnke als allerletzte Hoffnung auf Genesung sehen. Obwohl etliche Berichte beschreiben, wie Gottesdienstbesucher Bonnkes Veranstaltungen voller Enttäuschung so krank verließen, wie sie gekommen waren, darunter Gelähmte im Rollstuhl. Kritiker werfen Bonnke denn auch vor, dass angebliche Heilungen nicht belegt und Krankengeschichten nicht medizinisch dokumentiert seien.

Ist der Missionar Bonnke, der im neunten Lebensjahr die göttliche Berufung erfahren haben will, Afrika zu missionieren, also doch ein Bauernfänger? Jemand, der mit der Hoffnung der Menschen gute Geschäfte macht durch den Verkauf von Büchern, Filmen und Eintrittskarten? In der evangelischen Landeskirche beobachtet Jürgen Schnare, zuständig für Weltanschauungsfragen, die Auftritte des 73-Jährigen. Wunderheilungsberichte aus Afrika hält der Pastor für zweifelhaft. Wundersames, das sich auf deutschen Bühnen ereignet haben soll, erklärt Schnare so: „Da ging es wohl mehr um Leiden orthopädischer Art. Knie und Rücken, Beschwerden, die sich gebessert haben, Dinge, sie sich psychosomatisch erklären lassen.“ Natürlich könnten Gläubige im Gebet um Heilung bitten, sagt Schnare. Reinhard Bonnke jedoch wirft er vor, den Eindruck zu erwecken, direkt heilen zu können. „Das ist Okkultismus aus christlicher Sicht.“

Bonnke zählt zum Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden. Dessen Präses ist Johannes Justus, der leitende Pastor der Elim-Gemeinde. So kam der Kontakt zustande. In Deutschland gehören dem Bund rund 50 000 Menschen an. Hier zieht Bonnke längst nicht so wie in Afrika. Manchmal erscheinen ein paar Tausend Zuhörer, wie bei einer seiner „Feuerkonferenzen“ in Stuttgart, manchmal einige Hundert zu Gottesdiensten. Und nicht immer unternimmt er übernatürliche Heilungsversuche. In Stuttgart urteilte die evangelische Kirche nach einem Auftritt über Bonnke: „Größenwahn und Realitätsverlust.“

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