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Aus der Stadt Vom Bankmanager zum Fairkaufhauschef
Hannover Aus der Stadt Vom Bankmanager zum Fairkaufhauschef
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21:11 08.07.2013
Von Bernd Haase
„Wir sind ein Kaufhaus, kein Ramsch- oder Ein-Euro-Laden“: Reinhold Fahlbusch vor dem Sozialkaufhaus Fairkauf in der Limburgstraße. Quelle: Thomas
Hannover

Das Profil passt perfekt auf die Anforderungen von politischen Parteien an Mitglieder. Tatsächlich, erzählt Fahlbusch, haben ihn gleich mehrere in Hannover schon gefragt, ob er mitmachen wolle. „Ich habe dann gesagt, mein Bedürfnis am Austausch ideologischer Grundpositionen ist durch die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche gedeckt“, sagt er und lächelt leicht. Es ist ein typischer Fahlbusch-Satz, und man merkt ihm an, dass er sich über solche Sätze freut.

Bei einem anderen bleibt er ernst: „Ich bemängele, dass wir in der gesamten Gesellschaft den Langzeitarbeitslosen nicht die Solidarität entgegenbringen, die sie verdienen.“ Dass beispielsweise die Agentur für Arbeit weniger Geld für Fortbildung und Qualifizierung von Hartz-IV-Empfängern ausgibt, hält er für einen Gipfel an Zynismus. „Der Arbeitsmarkt ist in seinen Grundsätzen nicht zu ändern. Also muss man Menschen, die damit Schwierigkeiten haben, für diesen Arbeitsmarkt trainieren.“ Auf diesem Credo fußt das Konzept für Hannovers Sozialkaufhaus Fairkauf. Fahlbusch ist treibende Kraft hinter der Einrichtung in der Limburgstraße in der Nähe des Steintors oder, formell: Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, die das Haus trägt.

Fahlbusch startete aus der zweiten Reihe

In seinem Berufsleben war Fahlbusch Bankangestellter in leitender Funktion - Mitglied eines Standes also, der nicht auf Anhieb mit persönlichem sozialem Engagement an der Basis in Verbindung gebracht wird. Er selber, sagt er, habe seinen Lebenslauf ziemlich früh so angelegt, dass nach dem Beruf noch Zeit dafür bleibt, sich um die Schwachen der Gesellschaft zu kümmern: „Das kommt aus der eigenen Biografie heraus.“

Fahlbusch konnte sich nicht aus der ersten Startreihe ins Berufsleben aufmachen. Seine Eltern stammen beide aus dem Eichsfeld, dort ist man katholisch. Die Familie wohnte in Linden, wo Fahlbusch und seine beiden Brüder aufwuchsen. Der Vater war Maurer, die Mutter Hausfrau - eine schmale finanzielle Basis für eine fünfköpfige Familie. Der junge Reinhold wollte gerne zur Goetheschule gehen und Abitur machen. Es reichte aber in der Familie nicht für das Schulgeld. Also blieb es bei der Mittelschule, eine Banklehre schloss sich an. Nach beruflichen Weiterbildungen brachte er es schließlich zum Bereichsleiter in der Hauptverwaltung der Apotheker- und Ärztebank in Düsseldorf. Dass die Gesellschaft einem wie ihm, der nicht mit dem berühmten goldenen Löffel im Mund geboren wurde, diesen Lebensweg ermöglicht hat und dass derartiges auch anderen offenstehen sollte, ist Triebkraft für sein Engagement.

Kontakt zur Kirche riss nicht ab

Vor acht Jahren ist Fahlbusch in den Ruhestand gegangen und wieder an die Leine zurückgekehrt. Mit seiner Frau - das Ehepaar hat zwei erwachsene Söhne - lebt er in der List. Den Kontakt zur Kirche hatte er auch zwischendurch nicht verloren. „Als ich wieder in Hannover war, fragte ich, wo ich helfen könnte“, erzählt er.

Bedarf gab es, sogar passgenauen, wie man im Wirtschaftsleben sagen würde. Der damalige Diakoniepastor Walter Lampe hatte das Gefühl, es müsse in einer Großstadt wie Hannover einen Ort geben, an dem Bedürftige Gegenstände des täglichen Bedarfs zu erschwinglichen Preisen erwerben könnten - ein Sozialkaufhaus eben. Eine von Lampe gegründete Arbeitsgruppe kam nicht recht weiter. „Sie hat das Ganze nur von der Konsumentenseite gesehen, aber nicht von der betriebswirtschaftlichen“, sagt Fahlbusch. Was hätte besser gepasst als ein ausgebildeter Sparkassenbetriebswirt mit sozialer Ader? Dessen Fachwissen wird übrigens auch im Aufsichtsrat der Diakonie und bei der Johann Jobst Wagenerschen Armenstiftung geschätzt, die Bedürftigen preiswerten Wohnraum an der Glocksee anbietet. Dort wurde Fahlbusch vor drei Jahren Vorstand und muss den finanziellen Scherbenhaufen zusammenkehren, den sein wegen Untreue verurteilter Vorgänger hinterlassen hat.

Kulturelle Bedürfnisse kommen nicht zu kurz

Geht man mit Fahlbusch durch die Etagen des Fairkauf-Hauses in der Limburgstraße, merkt man ihm Stolz aufs Erreichte an. Über die Idee zum Beispiel, auf der umsatzstarken Erdgeschossfläche Bücher und CDs anzubieten und damit zu dokumentieren, dass es wichtig ist, nicht nur die materiellen Bedürfnisse der Kundschaft zu befriedigen, sondern auch die kulturellen. Oder darüber, dass in der Oberbekleidungsabteilung nicht nur Allerweltskonfektion auf den Bügeln hängt, sondern auch Hochwertiges wie die Mäntel, die eine Zahnärztin zur Verfügung gestellt hat. Oder über die Tassen aus Fürstenberg-Porzellan, die bei den Haushaltswaren in einer Vitrine stehen. „Wir sind ein Kaufhaus, kein Ramsch- oder Ein-Euro-Laden“, sagt Fahlbusch. Er erwartet, dass man das merkt, stellt es aber zur Sicherheit noch einmal klar.

Fragt man Fahlbusch nach seinen Zielen, antwortet er: „Mich selbst und das Kaufhaus überflüssig zu machen.“ Wieder so ein typischer Satz mit einem Anflug von Koketterie. Er glaubt nicht, dass die Gesellschaft in absehbarer Zeit auf eine Einrichtung wie Fairkauf verzichten kann, hält es aber für erstrebenswert. Was ihn angeht, so will er höchstens noch drei Jahre amtieren - und dann ein geordnetes Haus hinterlassen.

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