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Aus der Stadt „Engagement nur gefragt, wenn´s nicht stört“
Hannover Aus der Stadt „Engagement nur gefragt, wenn´s nicht stört“
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00:17 29.02.2016
Von Conrad von Meding
Patenschaftsfeier auf dem Friedhof: Am Grabmal von Charlotte Kestner überreicht Ministerpräsident Stephan Weil 2014 dem inzwischen verstorbenen Jan Ahlers (Stiftung Ahlers Pro Arte) die Patenschaftsurkunde. Der jetzt aufgelöste Verein hatte die Patenschaften organisiert. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Der Gartenfriedhof am Südrand der Stadtmitte gilt als Kleinod der Renaissancekultur in Norddeutschland. Ein Unterstützerverein hatte es sich die Aufgabe gesetzt, das lange vernachlässigte Areal aufzuwerten – mit Patenschaften, Kulturevents und Spendensammlungen. Jetzt hat er sich aufgelöst – „bitter enttäuscht“ von mangelnder Unterstützung der Stadt, wie der scheidende Vorstand schreibt. Statt die Würde des Ortes aufzuwerten, habe die Stadt zugelassen, dass das Drogenmilieu auf inzwischen täglich bis zu 60 Trinker angewachsen sei. Die Stadt weist den Vorwurf zurück.
140 Mitglieder umfasste der Verein zuletzt, hat in knapp fünf Jahren 34 zahlende Grabmalpatenschaften mobilisiert, 25 000 Euro direkte Spenden zur Sanierung der historischen Anlage eingeworben und mehr als 100 000 Euro Stiftungsgeld. Nun hat er seine eigene Liquidation beschlossen. Man gebe auf wegen des Gefühls, „immer wieder gegen Wände zu laufen“. Politik und Verwaltung hätten zwar stets Wohlwollen signalisiert, in den entscheidenden Fragen aber abgeblockt. Weder die schriftlichen Hilferufe der Kirchengemeinde noch das Drängen des Unterstützervereins seien ernst genommen worden, zugesagte Projekte wie etwa der Einbau von Toren, wie sie an anderen Friedhöfen üblich sind, jahrelang verzögert worden. Bürgerschaftliches Engagement, sagt Vereinsvorstand Dieter Zinßer plakativ, sei in der Landeshauptstadt offenbar „gern gesehen, aber nicht, wenn es stört“.
Tatsächlich hatte der Konflikt um eine Gruppe von Trinkern und Methadonpatienten, die täglich in der Parkanlage campiert, die Kooperation zwischen Stadt und Verein von Anfang an überschattet. Der Verein wollte eine Satzung wie für andere Friedhöfe, die das Lagern und den Alkoholkonsum verbietet. Die Stadt aber und insbesondere die rot-grüne Mehrheit stufen den Friedhof als normale Grünfläche ein, die ausdrücklich für alle Bürger offen sein soll.
Umweltstadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette betonte gestern gegenüber der HAZ, dass sie die Auflösung des Vereins ausdrücklich bedauere und die Aufwertung des Gartenfriedhofs fortsetzen wolle. Die Kritik, dass die Stadt nicht genug für das Areal tue, lässt sie nicht gelten. Gut 50 000 Euro habe man seit 2011 investiert, wegen der teils problematischen Klientel sei die Fläche „die am intensivsten kontrollierte Grünfläche der Stadt“.
Auf dem 1741 angelegten Gartenfriedhof befinden sich die Gräber unter anderem von Charlotte Buff-Kestner (1753-1828, die „Lotte“ aus Goethes Werther), dort sind etwa die weltberühmte Astronomin Caroline Herschel (1750–1848) oder der Entzifferer der Keilschrift Georg Friedrich Grotefend (1775–1853), bestattet und viele andere bedeutende Hannoveraner, darunter Mitglieder der Familien Tramm, Hardenberg, Arnswaldt, Hinüber, Ramberg oder Heiliger.

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