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Pöbelnde Rentner bleiben unbestraft

Streit mit Fahrscheinkontrolleuren Pöbelnde Rentner bleiben unbestraft

Zwei Rentner haben sich bei einer eigentlich harmlosen Fahrscheinkontrolle mit drei Kontrolleuren und zwei Polizisten angelegt - und bleiben doch unbestraft. Weil vor Gericht zu viele Versionen des Tathergangs erzählt wurden, sei nicht mehr feststellbar gewesen, wer Schuld war.

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Anwalt Matthias Waldraff (v. l.), Gerhard N., Pascal Ackermann und Friedrich Wilhelm M. vor Gericht.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Eine Fahrscheinkontrolle, die außer Kontrolle geriet und zwei bislang unbescholtene Rentner den Aufstand proben ließ, hat gestern nach elf Monaten ein Ende gefunden - vor dem Amtsgericht. Die zwei Ü-70-Üstrakunden waren angeklagt, im Februar 2015 in einer Stadtbahn der Linie 7 aus der Rolle gefallen zu sein und sich an der Station Spannhagengarten mit drei Kontrolleuren und zwei Polizisten angelegt zu haben.

Vorwurf: Körperverletzung, Widerstand, Falschaussage

Doch nach vierstündiger Verhandlung blieb von den Vorwürfen - Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Falschaussage - nicht mehr viel Handfestes übrig. Richterin Nicole Köhler sprach den 78-jährigen Friedrich Wilhelm M. frei, das Verfahren gegen den 79-jährigen Gerhard N. wurde wegen geringer Schuld eingestellt.

Gezündet wurde die Kettenreaktion an einem Freitagnachmittag von einer 62-jährigen Kontrolleurin, die die Tickets der betagten Rentner sehen wollte. M. zeigte brav seine Mobilcard 60plus vor, N. dagegen hielt sie der Hüterin der Fahrgastordnung offenbar provozierend nah vor die Augen - woraufhin diese den dazugehörigen Personalausweis einforderte. Den hatte der 79-Jährige aber nicht dabei, fühlte sich als treuer Üstra-Stammgast ohnehin in unzumutbarer Weise schikaniert. So gab ein Wort das andere, ein Kontrolleurskollege kam hinzu, die Tonlage wurde schriller. Noch in der Bahn forderten die Üstra-Leute die Hilfe der Polizei an.

Renitenter Auftritt

Wie Verteidiger Matthias Waldraff erklärte, habe die Kontrolleurin N. die Mobilcard entrissen. Es sei von der Frau geschlagen und getreten worden, ein anderer Kontrolleur habe ihn auf dem Hochbahnsteig Spannhagengarten gewürgt, und schließlich sei er von einem dritten mehrfach in die Hoden getreten worden. Sein Mandant habe panische Angst gehabt und ob eines alten Herzleidens um sein Leben gefürchtet.

Die Üstra-Bediensteten wiesen diese Anschuldigungen weit von sich, sprachen ihrerseits von einem überaus renitenten Auftritt der Rentner. Ebenso wie sein 78-jähriger Begleiter, der ihm zur Seite gesprungen sei, habe N. um sich getreten und geschlagen; irgendwann wurde es ihm zu viel und er rief lauthals um Hilfe. Später legte N. ein Attest über verschiedene Verletzungen vor - ebenso wie die Fahrscheinkontrolleurin, die eine Blessur am Knöchel beklagte.

Konflikt durch Missverständnisse

M.s Verteidiger Pascal Ackermann erklärte, sein Mandant könne knapp die Treppen zu seiner Kanzlei hinaufsteigen, da werde er doch sicher keine harten Fußtritte austeilen können. Dass M. eine Polizistin fast auf die Stadtbahngleise geschubst habe, sei aus einem Reflex heraus geschehen - die Beamtin hatte den Senior beiseite führen wollen.

Ob der vielen verschiedenen Versionen des Geschehens, so die Richterin, sei leider nicht mehr genau feststellbar, wer wen attackiert habe. Entstanden sei der Konflikt aber durch Missverständnisse und ungeschickte Kommunikation. Dann habe sich N. bedrängt gefühlt und sein Freund habe ihm „berechtigte Nothilfe“ leisten wollen - auch wenn er dabei ein wenig übers Ziel hinausgeschossen sei.

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