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Aus der Stadt So schmeckt das Essen im Szenelokal La Rock
Hannover Aus der Stadt So schmeckt das Essen im Szenelokal La Rock
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20:13 22.12.2017
Eigenwillige Atmosphäre, die Industrie- und Barockstil mischt: Das La Rock will ein Szeneladen sein. Quelle: Franson
Hannover

Kurz fühlen wir uns wie im Operationssaal. Das liegt nicht am Ambiente des La Rock, das mit einem Mix aus Industrie-, Barock-, und Kunstelementen spielt. Es liegt an unseren beiden Tatar (10,50 Euro), die in Schalen angerichtet sind. Wir doktern daran herum, als würden wir einen Eingriff am offenen Herz durchführen. Dafür trumpft das Gericht mit einem feinen Detail in puncto Geschmack auf: Das Fleisch wurde nicht gewolft, sondern fein geschnitten, was ein spannendes Mundgefühl erzeugt. Hinzu kommen asiatische Aromen, fein austariert, ohne dass sie dem guten Fleisch den Schneid abkaufen, darunter herbe Sprossen, nussige Sesamsaat oder auch Algenblättern, die eine feine Jodnote beisteuern. 

Das Lachstatar (10,50 Euro) wurde klassisch in Szene gesetzt: Mit einem tollen Rösti – außen sehr knusprig, innen sehr saftig ist –, das nur eine Spur zu viel Salz abbekommen hat. Klasse sind hier die frischen, kühlen Fischwürfel, die im Spiel mit den tiefen Aromen von getrockneten Tomaten erst ihren vollen Charakter entfalten. Eine echte Wucht ist die Schwarzwurzelsuppe (9,90 Euro), die mit etwas süß-säuerlicher Hagebuttencreme eine spannende Ebene hinzugewinnt. Dazu wird saftiges Keulenfleisch vom Hirsch serviert, eingebacken in ein knuspriges Teigtäschchen – toll, einfach toll! Und so präzise nicht zu erwarten, orientiert man sich am Internetauftritt des La Rock.

So sieht es im Lokal in der Voßstraße aus.

Demnach will sich der Betrieb zwar nicht auf ein Konzept festlegen, aber er beteuert, bei den Zutaten einen regionalen und saisonalen Schwerpunkt zu setzen. Irritierenderweise tauchen auf dem Menü dann zwar niedersächsische, aber spanische und französische Fleischsorten auf – und die Doraden, Rotbarben und Knurrhähne wurden sicher nicht im Steinhuder Meer geangelt. Eine Abweichung vom konzeptlosen Konzept, die sich noch mit den Themenwochen „Frankreich“ (es gibt gerade Bouillabaisse, Ratatouille, etc.) erklären lässt. Was soll’s? Schmeckt ja gut, mögen wir, freuen wir uns drauf: französische Küche. 

Ist es Schludrigkeit?

Leider entspricht das Menü, das im Internet einzusehen war, nicht dem, das serviert wird. Nur drei von 14 Gerichten sind zu haben. Beim ersten Besuch steht sogar nur eine abgespeckte Auswahl von vorwiegend Fleischgerichten (unter anderem mit irischem und amerikanischem Rind) zur Verfügung. Bei der telefonischen Reservierung gab es keinen Hinweis darauf. Infos zur sogenannten Meatwoch finden sich nur auf der Facebook-Seite des Loklas – ist das jetzt sympathische Schludrigkeit oder eine Art von selbstgefälliger Unverbindlichkeit?

La Rock, Voßstraße 51,
30163 Hannover, Telefon: 66 63 22
E-Mail: info@la-rock.com,
Öffnungszeiten:dienstags bis sonnabends ab 18 Uhr
Betriebsferien vom 1. bis 15. Januar 

Sei’s dahingestellt, das La Rock ist eben ein eigenwilliger Szeneladen, den eine Stadt im Übrigen dringend braucht. Da werden wir im Vorfeld vielleicht mit halbgaren Informationen abgespeist – was am Ende an Essen auf den Tisch kommt, ist auf den Punkt gebracht. Das fantastische Kotelett (15 Euro) vom Ibericoschwein beispielsweise, das perfekt gebraten wurde und durch seinen hohen Anteil an intramuskulärem Fett einen wunderbaren Schmelz aufweist. An dem Kartoffelbrei mit Röstzwiebeln (3,50) Euro oder dem herrlichen Pak Choi (3,50 Euro) gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Der feine Spitzkohl (3,50 Euro) wird zwar mit Pancetta statt der angekündigten Salami gereicht, aber er schmeckt spitze.

Eine Bistroküche im Feinschmeckergewand

Etwas feinsinniger geht es bei den gebackenen Jakobsmuscheln (14,20 Euro) zu, bei denen das Rückgrat eine kräftige, kühle Blumenkohlcreme bildet, in die sich spielerisch die süßsäuerlichen Noten von in Essig eingelegtem Rettich und Blumenkohl mischen, nur die Frucht und Bitternote der Grapefruitfilets drängen etwas zu sehr in den Vordergrund. Exzellent schmeckt auch der butterzarte Rehrücken (28,80 Euro), der mit süßsäuerlichen Birnen, den erdigen Noten von gelber und roter Bete, einer kräftigen Pfefferkruste und feiner Jus an den Tisch kommt.

Die strikt durchkalkulierte Weinkarte versammelt einige interessante Winzer und Weine. Wir trinken ein Glas Merlot (9,80 Euro). Der Wein hat ein dichtes, sattes Bouquet, wird allerdings temperiert serviert und wirkt – vor allem auch angesichts des Preises – recht verhalten im Glas. Als Desserts verkosten wir noch ein Mille Feuilles mit Pflaumen, weißer Schokolade und Mokkaeis (7,90 Euro), und einen Windbeutel mit Orangencreme, Safran und Zimt (8,70 Euro). Beide Gerichte sind makellos zubereitet und fast exemplarisch für das La Rock: Auch wenn die filigrane Anrichteweise etwas täuscht, bleiben selbst die kreativen Geschmacksbilder rustikal und bodenständig. Eine Bistroküche im Feinschmeckergewand. 

Hannes Finkbeiner

Außenkommunikation, präzise auf dem Teller: Die Küche im La Rock beweist handwerkliches Geschick und Charakter.Gesamtnote: 8/10 (Essen: 8​, Service: 6​, Ambiente: 8​)

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