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Aus der Stadt Richter gibt falsche IBAN-Nummer an
Hannover Aus der Stadt Richter gibt falsche IBAN-Nummer an
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00:17 25.02.2016
Von Michael Zgoll
Die IBAN setzt sich aus vier Elementen zusammen. Narrensicher ist die neue Nummer aber nicht. Quelle: dpa
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Hannover

Wer einen Überweisungsträger ausgefüllt hat, ob auf Papier oder am Computer, wird sich sicher schon dann und wann geärgert haben: über das mühsame Einfügen der 22-stelligen „International Bank Account Number“ (IBAN). Ein besonders gutes Auge ist vonnöten, wenn zwischen Bankleitzahl und eigentlicher Kontonummer viele Nullen abzuschreiben sind. Die Banken sagen, die endgültige Umstellung auf das IBAN-System zum 1. Februar 2016 habe nahezu beschwerdefrei geklappt, Fehler seien dank des notwendigen Einfügens einer zweistelligen Prüfziffer – nach der Länderkennung „DE“ – kaum noch möglich. Doch einem hannoverschen Richter ist genau das passiert: Er gab eine verkehrte IBAN ein, und das Geld landete auf einem falschen Konto.

Der – überschaubare – Betrag von 32 Euro war bestimmt für die Hannoversche Richtervereinigung. Die lässt zur Vorweihnachtszeit die Paragrafen gerne einmal Paragrafen sein und wendet sich den schönen Künsten zu; so gönnte man sich vergangenen Dezember im Opernhaus „Hänsel und Gretel“. Der Obolus eines Gastes aber blieb aus, hier wies die Vereinskasse ein Minus aus.

Recherchen in Juristenkreisen förderten zutage, dass es ein 52-jähriger Richter beim Onlinebanking geschafft hatte, eine falsche Kontonummer mit einer falschen Prüfziffer derart zu kombinieren, dass das System keinen Alarm schlug. Das ist auch deshalb verblüffend, weil diese Ziffer auf einer komplizierten mathematischen Formel beruht, die auf dem Verhältnis von Bankleitzahl, Kontonummer und Ländercode gründet. Und deshalb können die Konten von Kunden des gleichen Geldinstituts doch ganz verschiedene Prüfziffern aufweisen, bis hin zur 99.

Mit vereinten Kräften von Commerzbank und Sparkasse gelang es, den falschen Empfänger der richterlichen Überweisung ausfindig zu machen. Dieser mochte, vielleicht auch angesichts des geballten juristischen Sachverstands aufseiten des Absenders, gar nicht großartig streiten, zahlte die 32 Euro brav zurück. Wenn er auf die Barrikaden gegangen wäre? Hätte ihn der schludrige Richter wegen ungerechtfertigter Bereicherung verklagen können.

Doch ein voller Erfolg war die korrigierte Transaktion auch für den 52-Jährigen nicht. Schließlich gibt es Preis- und Leistungsverzeichnisse, und so behielt die Commerzbank denn rund die Hälfte der rücküberwiesenen 32 Euro für ihre Bemühungen ein.

Sprecher von hannoverscher Volksbank, Sparkasse und Commerzbank sagen, ein Fall wie der Irrläufer zum Richtertreff habe Seltensheitswert. Die Einführung der IBAN sei bestens vorbereitet worden und habe bei der Kundschaft kaum für Empörung gesorgt – auch wenn niemand Hurra geschrien habe. Außerdem, so heißt es, produziere das neue System weniger Fehler als zuvor. Wer etwa beim Onlinebanking einen Zahlendreher eintippe, werde beim versuchten Abschicken des Auftrags darauf hingewiesen, dass hier etwas nicht stimmen könne.
Was die Geldinstitute nicht zählen können und was in ihren Soll-und-Haben-Bilanzen nicht auftaucht, ist an heimischen Schreibtischen oder vor den Einzahlungsautomaten der Filialen aber doch tagtägliche Praxis: dass Bankkunden der ganzen IBANisierung beim langwierigen Eingeben der 22 Ziffern die Pest an den Hals wünschen.

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