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Aus der Stadt Ehepaare nennen Taxifahrer „Kanake"
Hannover Aus der Stadt Ehepaare nennen Taxifahrer „Kanake"
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00:17 24.07.2015
Von Michael Zgoll
Anwalt Marcin Raminski (M.) spricht nach der Verurteilung mit den Rentner-Paaren.
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Hannover

Auch die Gegenwart mehrerer Polizisten hielt sie später nicht davon ab, ihre Tiraden fortzusetzen. „Sie haben die Grundregeln des Zusammenlebens in unserem Land missachtet“, warf Amtsrichter Simon Schnelle den Angeklagten vor.

Die bislang unbescholtenen Rentner zeigten im Prozess keine Spur von Reue. Ebenso wenig gingen sie auf die Versuche von Rechtsanwalt Marcin Raminski ein - dieser vertrat einen der Angeklagten -, sich zu entschuldigen und eventuell eine Einstellung des Verfahrens zu bewerkstelligen. Richter Schnelle warf den Eheleuten „unterschwelligen, bei Saubermännern häufig auftretenden Rassismus“ vor. Dieser habe sich aufgrund einer alkoholbedingten Enthemmung Bahn gebrochen.

Das Geschehen spielte sich in einer Oktobernacht 2014 in Misburg ab. Der 41-jährige Fahrer war kurz vor Mitternacht zu einem Haus in der Steinstraße gerufen worden. Schon beim Einsteigen, so berichtete der dunkelhaarige, bärtige Mann, sei er mit Schimpfwörtern bedacht worden. Im Wagen hätten die angetrunkenen Ehepaare herumgeschrien und ihn in einer Tour beleidigt: „Es war unerträglich.“ Bei dem Wort „IS-Terrorist“ sei ihm der Kragen geplatzt und er habe die Kunden des Wagens verwiesen. „Diese Terroristen sind Massenmörder, und mit ihnen verglichen zu werden, hat mich besonders gekränkt“, sagte der Fahrer.

Als die Taxizentrale dem 41-Jährigen kurz darauf einen anderen Auftrag in einer nahen Gaststätte zuwies, stieß er erneut auf die zwei Ehepaare. Wieder beleidigten sie den Mann, hinderten ihn sogar an der Weiterfahrt. Die zwei Funkstreifenbesatzungen, die kurz darauf eintrafen, sprachen von einer „sehr aggressiven Grundstimmung“ der Angeklagten und einem total unkooperativen und uneinsichtigen Verhalten. Einer der Männer habe schließlich gebrüllt: „Warum darf der Mann jetzt wegfahren, was ist denn hier los in Deutschland?“

Ursprünglich waren gegen Gerhard M. (74) und seine Ehefrau Doris (66) sowie die Eheleute Herbert T. (65) und Angelika T. (65) Strafbefehle von je 450 Euro erlassen worden. Dagegen hatten die Rentner Einspruch eingelegt. Gestern aber gingen zumindest die Männer mit deutlich höheren Strafen nach Hause. Der frühere Abteilungsleiter M. und der ehemalige Angestellte T. bekamen je 1500 Euro Geldstrafe aufgebrummt, die Frauen kamen - bei gleichen Tagessätzen - aufgrund ihrer niedrigeren Renteneinkünfte mit jeweils 450 Euro davon.

Wie der Richter urteilte, kam es nicht darauf an, den Angeklagten nachzuweisen, wer genau welches Schimpfwort benutzt hat: Es handele sich um eine gemeinschaftlich begangene Straftat. „Sie haben sich absolut danebenbenommen“, schrieb er den Paaren am Ende ins Stammbuch. Doch eine Reaktion zeigten die Eheleute auch hier nicht.

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