Auf Hannovers größter Innenstadtbaustelle hat der Hochbau begonnen: Am Kröpcke-Center wächst das Stahlgerüst für die erste Etage des Neubautrakts. Zugleich konkretisieren sich die Planungen für die nächsten Bauphasen. Voraussichtlich ab März soll der zwölfgeschossige Turm abgetragen werden. Damit die U-Bahnstation Kröpcke im Grundwasser nicht auftreibt, wenn der schwere Turm weg ist, wird tief im Untergrund, in Räumen unterhalb der Bahngleise, ein Gegengewicht geschaffen. Wochenlang sollen Lastwagenkolonnen riesige Betonklötze zur Stadtmitte transportieren. Von einem Loch in der Ständehausstraße aus sollen die Klötze dann ins fünfte und vierte Untergeschoss gehievt und dort gelagert werden.
Es ist eine Riesenlogistik, die auf das Baumanagement zukommt. Bauleiter Gordon Kisser muss die Arbeiten so koordinieren, dass der Betrieb beim Hauptmieter Peek & Cloppenburg weiterlaufen kann und Anwohner möglichst wenig gestört werden. „Die Lastwagen werden nachts fahren“, sagt Kisser. Möglicherweise werde es teilweise eine Sonderspur für die Fahrzeuge in der Stadt geben. Rund acht Wochen lang, so die bisherige Planung, werden Nacht für Nacht etwa zehn Lastwagen ihre schwere Betonfracht durch die Stadt rollen. „Ballastierung“ heißt das Projekt im Fachjargon. Insgesamt müssen Gewichte um die 8000 Tonnen in den Untergrund gebracht werden, um die Stabilität des Siebziger-Jahre-Komplexes im Herzen der Stadt nicht zu gefährden.
Derzeit ist vorgesehen, am Pferdeturm gegenüber dem ehemaligen AOK-Gebäude auf der großen Freifläche, auf der im Frühsommer oft ein Geranienmarkt wirtschaftet, einen Logistikplatz einzurichten. Von dort wird der tägliche Anlieferverkehr zur Großbaustelle am Kröpcke gesteuert. Um das frische Pflaster am Platz der Weltausstellung nicht zu zerstören, werden alle Materialien über die Georgstraße neben der Oper zum Kröpcke gebracht – das ist auch jetzt schon die Anlieferroute für die Großbaustelle. Nur die entladenen Lkw dürfen künftig über den Platz der Weltausstellung abfahren.
In der Ständehausstraße werden die Bauarbeiter ein Loch in den Boden schneiden, von wo aus die Klötze in die Tiefe verschwinden. Im fünften Untergeschoss unter dem Kröpcke-Center bleiben sie wahrscheinlich dauerhaft, im vierten sollen sie nach Abschluss der Arbeiten weitgehend wieder entfernt werden.
Schon jetzt wird die gesamte Baustelle vom hannoverschen Ingenieurbüro Drecoll penibel auf mögliche Absenkungen überwacht – bisher gab es offenbar keine nennenswerten Probleme. Etwa zwei Monate vor Beginn der „Ballastierung“ werden zusätzlich spezielle Seismographen installiert, die beim Rückbau des Kröpcke-Turms Schwingungen oder Baugrundverschiebungen im Untergrund registrieren. Voraussichtlich im Frühherbst soll die Anlage ihren Betrieb aufnehmen, schätzt Bauleiter Kisser: „Es muss eine Testphase geben, bevor die Ballastierung beginnt.“ Der Architekt aus Kirchhorst hat in Hannover schon Großprojekte wie den Bau der FinanzIT (früher: dvg) am Kronsberg oder bei der VGH die Sanierung und den ersten Neubau geleitet. Jetzt ist er im Auftrag des Düsseldorfer Projektentwicklers Centrum im Einsatz, der rund 200 Millionen Euro in die Betonburg im Zentrum investiert. Nach Plänen der Architekten Kleihues+Kleihues soll das Gebäude bis Ende 2011 in neuem Design erscheinen. Peek&Cloppenburg bekommt mehr Verkaufsfläche, weitere Ladengeschäfte sollen einziehen. Über zusätzliche Büroflächen in den geplanten neuen Turmetagen ist noch nicht entschieden – der Bauantrag für den letzten Abschnitt ist noch nicht gestellt.
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Kommentare
Und Sie wiederholt sich doch! Christine – 10.08.10
Als ich kurz im Internet gegoogelt habe, bin ich über diesen Artikel zum Bau des Kröpke-Centers von 1977 gestoßen http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40859377.html .Ich habe das Gefühl, die gleiche Geschichte wiederholt sich noch einmal. Die Innenstadt hatte mit dem Kröpke-Center wirklich einen Schandfleck. Aber nicht daraus zu lernen, und wieder einen unpersönlichen Klotz (natürlich noch größer) an einen der zentralsten Punkte der Stadt zu klatschen lehrt uns, das der Stadtführung die Bedürfnisse der Bürger egal sind. Nicht nur, das dieses Gebäude in jeder X-beliebigen Großstadt stehen könnte, es wird die gesamte Umgebung verdunkeln und erschlagen. Ich glaube nicht, das man dann im Sommer noch ein schönes Eis beim Möwenpick essen kann, denn die Sonne wird fehlen. Kein bisschen grün, nur mehr Beton und Einheitsfassade. Ich werd mich zur Lister Meile orientieren!
Kröpke for ever RS – 08.08.10
Wäre es nicht billiger, die U-Bahnstation kontrolliert zu fluten und Gummistiefel an die Fahrgäste zu verteilen, die sie an der nächsten Station wieder abgeben könnten?Wahrscheinlich... Carsten – 29.07.10
...ist 'München' ein getarnter Hannoveraner. Die Lust am beschimpfen der eigenen Stadt ist hierzulande ja schon krankhaft legendär.Die Innenstadt Hannovers ist in architektonischer Hinsicht sicher nichts, auf das man stolz sein müsste... aber ebensowenig die hässlichste in Deutschland wie München die schönste ist.
Ich finde die neuen Kröpcke-Entwürfe schick. Zwar 'langweilig', dafür kann man es sich im Gegensatz z.B. zu diesem Zaha-Hadid-Gewürge auch in 20 Jahren noch angucken. Und in einer Großstadt darf man auch ruhig mal etwas höher bauen als 3 Geschosse. Und wer den neuen Grundriss zu 'wuchtig' findet: bis auf den Turm orientiert sich der Neubau weitgehend an der Form der Vorkriegsbebauung.
Denkmmalschutz Frans – 29.07.10
Ich rechne damit, das in zwei Jahren die unvollendeten "Kröpke und Ihme" unter Denkmalschutz gestellt werden.münchen freak – 29.07.10
na, da hat einer mindestens 10 anderen innenstädte anderer großstädte NICHT gesehen.sorry, aber so eine gequollende sch**** kann nur von einen iq<70 kommen.
niemand hat behauptet dass hanover die schönste stadt ist. will auch keiner.
zu den anderen: seit froh dass sich da überhaupt was ändert. und was überhaupt erwartet ihr da? ein schloss aus gold?
man man man
München Bürste – 29.07.10
Ich lass mir doch von einem der aus einer Stadt kommt wo um 22.00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden und Weißwurst nur zu gewissen Zeiten verkauft werden darf nicht meine Heimatstadt anpinkeln.Außgerechnet München,alles überteuert.Deshalb wird die Lindenstrasse auch in Köln gedreht.Und wehe man steht auf der Rolltreppe auf der falschen Seite dann gerät man in gefahr von irgent einen Bazi als Terrorist niedergeschlagen zu werden.Bleib du mal in deiner Föngeplagten LandeshaubtstadtInnenstadt München – 29.07.10
Die Innenstadt Hannover´s ist die hässlichste die ich in Deutschland kenne, mit Magdeburg zusammen.Und das wird sich niemals ändern.
Wegziehen. Perspektive ? NULL
Hmmm mm – 28.07.10
Wer soll denn den Abriss bezahlen? Die Stadt? Angesichts dieses Trumms und der Kompliziertheit des Baus sollte man froh sein, dass jemand bereit ist zu investieren. Interessanterweise wird ja in Wirklichkeit das Gebäude komplett abgerissen und nicht "drumrum gebaut", das einzige, was ich da nicht verstehe, ist warum dann nicht ein gänzlich anderes Gebäude errichtet wird. Das Grundaussehen des Gebäudes bleibt ja größtenteils erhalten.dreimal mal einen lauter KNALL.... börnie – 28.07.10
einen für diesen Betonklotz, einen fürs Brederohaus und einen fürs Ihme-Zentum WUMMM und weg damit! Dann haben die "Lärmprotester" der Stadt mal was anderes zum meckern!Das knallt intensiver wie jedes Feuerwerk und es gibt freie Sicht...Teuer und shit börnie – 28.07.10
das ganze ist für so eine hässliche Betonburg viel zu teuer und witzlos, auch wenn die ganze "Sache" einen beachtenswerte Logistik in Planung und Bau ist, wert ist es das niemals!Warum kein Gesamtabriss? Hense – 28.07.10
Einen Gesamtabriss wünnscht so ziemlich jeder, den man fragt.Warum ein herumkonstruiertes neues Monster, zumal ohne architektonischen Wow-Effekt?
Ein rumerneuerter Klotz nur, na danke.
Ballastierung Bauherr – 28.07.10
...und dann hat's "RUMMMMS" gemacht.Kröpcke-Center Bürger – 28.07.10
Warum kann man diesen Schandfleck nicht einfach abreissen?? Dort hätte man besser einen schönen Cafè-Garten für die Holländische Kakao-Stube und evtl. das Mövenpick machen sollen. Dieser "Klotz" steht dann im "Mittelpunkt" der Innenstadt. Häßlich!!! Haben wir nicht genug "Klamottenläden" und leerstehende Büros gibt es auch!