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Aus der Stadt Kinder lassen Roboter wie Pinguine tanzen
Hannover Aus der Stadt Kinder lassen Roboter wie Pinguine tanzen
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00:17 26.02.2016
„Wir können ja nicht nachvollziehen, was er denkt“: Ricarda Meyer und Berenice Alburg vom Gymnasium Langenhagen und mehr als 100 weitere Schüler messen sich derzeit im Lichthof der Uni - mit ihren selbst gebauten Robotern. Quelle: (Foto: Katrin Kutter)
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Hannover

Die einen retten kleine Kugeln mittels Wärmesensor aus einem Labyrinth. Die anderen können ganze Choreografien aufführen, und sei es als Pinguin. Seit Jahren bauen Schüler in hannoverschen Schulen Roboter, sie tun das immer häufiger - und immer besser. Regelmäßig reisen sie nach China und in andere Teile der Welt, um sich und ihren Erfindergeist mit Schülern aus aller Welt zu messen. Seit Montag nun kämpfen 110 Teams aus Niedersachsen und fünf weiteren Bundesländern mit ihren selbstgebauten und programmierten Robotern im Lichthof der Leibniz-Uni um die Qualifikation für die „Robocup German Open 2016“ in Magdeburg. Wer dort gewinnt, fährt zur Weltmeisterschaft. Nach Leipzig. Aber immerhin.

Bei 5.Qualifikationsturnier zu den „RoboCup German Open 2016“ sind rund 280 Schüler und Schülerinnen in der Leibniz Universität Hannover angetreten.

Ausrichterin des Qualifikationsturniers ist schon zum fünften Mal die Stiftung NiedersachsenMetall, und das Engagement hat einen handfesten Grund: „Wir wollen junge Leute für Naturwissenschaften und Technik begeistern“, sagt Elke Peters von der Stiftung Niedersachsen-Metall. Dafür sei die Robotik ein guter und leichter Einstieg, weil es dort schnell Erfolgserlebnisse gebe. „Außerdem sammeln die Schüler die Erfahrung, im Team zu arbeiten und Probleme zu lösen. Das ist eine perfekte Vorbereitung auf das Studium“, sagt Peters.

Neben der Stiftung Niedersachsen-Metall, die den Wettbewerb mit 4000 Euro fördert, unterstützt auch die Leibniz-Universität den Robocup, indem sie mittlerweile zum dritten Mal ihren Lichthof als Austragungsort des Turniers zur Verfügung stellt.

Da ist zum Beispiel die Kategorie „On Stage“, wo die Roboter zu einer selbst ausgedachten Choreografie tanzen. Ricarda Meyer und Berenice Alburg vom Gymnasium Langenhagen haben sich gemeinsam mit ihrem Team für eine Show zum Motto „Die Pinguine aus Madagascar“ entschieden. Getreu der Kinderserie hat die achtköpfige Schülergruppe neun Roboter gebaut und programmiert. In einer aufwendigen Choreografie erzählen die Siebtklässler mit den tanzenden Figuren eine ganze Geschichte.

Und was die Schüler sich dort vorgenommen haben, klingt wie eine Aufgabe für die routinierten Profis: Mithilfe von Soundsensoren sollen die Roboter aufeinander reagieren - das klappt allerdings noch nicht auf Anhieb so richtig. „Einzeln funktionieren sie alle, aber in der Gruppe noch nicht. Da blockieren die Roboter sich gegenseitig“, sagt Ricarda.

Also müssen sie und ihre Klassenkameraden weiter an der Programmierung feilen. Schließlich wollen sie an ihre Erfolge aus dem vergangenen Jahr anknüpfen: Da wurde die Robocup-AG des Gymnasiums Langenhagen Deutscher Meister in der Kategorie Robo-Dance mit einer Show zum Thema „Fluch der Karibik“. Bei der WM in China holten sie dann den sechsten Platz bei 14 Teilnehmern.

Die AG aus Langenhagen zeigt, dass sich nicht nur Jungen für Roboter interessieren. Vier Mädchen und vier Jungs basteln dort gemeinsam an den Menschmaschinen. Und auch für das Georg-Büchner-Gymnasium aus Seelze geht ein Mädchen-Team an den Start. Allerdings sind Süheyla Yilmaz und Xenia Dell die einzigen Roboter-Programmiererinnen an ihrer Schule, und auch im gesamten Wettbewerb sind Jungen deutlich in der Überzahl. „Etwa 10 bis 15 Prozent der Teilnehmer sind Mädchen“, sagt Informatik-Lehrerin Tanja Wernicke vom Gymnasium Langenhagen.

So oder so: Am Georg-Büchner-Gymnasium ist das Interesse an der Roboterei erstaunlich groß. Zwei Roboter-AGs mit insgesamt 50 Schülern leitet Karsten Nolte. Ihn begeistert die Motivation der Schüler beim Turnier. „Ich bin heute morgen um 8 Uhr gekommen - da waren meine Schüler schon seit zwei Stunden hier und haben an ihren Robotern gearbeitet“, sagt er. Da schlagen offenbar echte Tüftlerherzen in den Seelzer Schülern.

Süheyla und Xenia jedenfalls haben großen Spaß am Programmieren. Ihr Lego-Roboter kann mittels Lichtsensoren einer schwarzen Linie auf dem Boden folgen. Hindernisse umfährt er mithilfe von Touch-Sensoren. Auch Rampen hochzufahren und kleine Bälle zu bergen ist für das Gerät, mit dem die Siebtklässlerinnen in der Disziplin „Rescue Line“ antreten, kein Problem. Joshua Müller und Erik Erdmann von der Goetheschule Hannover versuchen sich zum ersten Mal in der Kategorie „Rescue Maze“. Dabei muss der Roboter, mit Wärmesensoren ausgestattet, Kugeln in einem Labyrinth finden. „Ein Display zeigt uns die Sensorenwerte an“, erklärt der 15-jährige Erik. „Das ist wichtig, weil der Roboter so viel gleichzeitig tun muss und wir ja nicht nachvollziehen können, was er denkt“, sagt sein Teamkollege Joshua. „Mit dem Display können wir Fehler einfacher lösen.“ Außerdem haben die beiden Schüler von Team „Schrobot“ acht Distanzsensoren an ihrer Maschine angebracht. „So kann er die Wände erkennen und auch, ob er gerade fährt“, sagt Erik. Das ist wichtig, damit das 20 Zentimeter breite Gefährt möglichst schnell durch das 30 Zentimeter breite Labyrinth kommt. Das klingt für den Laien eher nach Hochtechnologie als nach Schul-AG. Auch Erik und Joshua waren im vergangenen Jahr bei der WM in China.

Dieses Mal müssen sie improvisieren: „Weil wir lange auf Teile warten mussten, konnten wir dann auch erst vor ein bis zwei Monaten anfangen“, sagt Erik und Joshua fügt hinzu: „Bis vor einer Woche konnte unser Roboter nicht mal geradeaus fahren.“ Trotzdem haben die amtierenden Deutschen Meister noch Hoffnung, sich heute für Magdeburg zu qualifizieren. „Dafür müssten wir unter den besten sechs von zehn sein“, sagt Erik.

Lehrer Selke von der Goetheschule betont, wie wichtig das Projekt für die Schule ist. „Uns ist es wichtig, dass alle Kinder das ausprobieren. Jeder Schüler sollte mal einen Roboter in der Hand gehabt haben und überlegen, ob das was für ihn ist“, sagt er.

Zehntklässler Erik jedenfalls sieht in dem Wettkampf ganz klar eine Vorbereitung auf seine berufliche Zukunft. „Ich möchte auf jeden Fall in die technische Richtung gehen“, sagt er. „Es macht mir einfach Spaß, zu programmieren und das auf ein Objekt zu übertragen. Der Roboter kann das dann aktiv umsetzen“, sagt Erik. Auch Ricarda aus Langenhagen will später mal diesen Weg einschlagen.

Ihre Klassenkameradin Berenice ist sich da noch nicht ganz sicher. „Mal sehen. Ich habe ja noch Zeit, mir das zu überlegen“, sagt sie. Immerhin ist Berenice erst 13. „Aber es ist auf jeden Fall interessant.“

Von Johanna Stein

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