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Aus der Stadt Rock-Kampagne bringt Üstra unter Druck
Hannover Aus der Stadt Rock-Kampagne bringt Üstra unter Druck
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00:15 10.09.2017
Von Conrad von Meding
Ungewöhnliche Dienstkleidung: Die Werbekampagne „Üstra rockt“ wurde im April 2016 auf dem Ernst-August-Platz vorgestellt. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

In der Politik hieß es Mittwoch, sie schmückten sich gerne mit Prestigeobjekten, hätten aber das Controlling in ihrer Firma offenkundig nicht im Griff. Die Region als Eigentümerin der Üstra hat eine Berliner Rechtsanwaltskanzlei mit der Prüfung der Vorgänge beauftragt. Donnerstag erwartet der Üstra-Aufsichtsrat einen Bericht.

Bisher war bekannt, dass der Üstra-Auftrag für die erfolgreiche Rock-Werbekampagne nach einer seltsam verworrenen Ausschreibung an eine Agentur vergeben wurde, die dem Ehemann einer Mitarbeiterin aus der Üstra-Stabsstelle gehört. Tatsächlich hat sich jetzt aber herausgestellt: Die Ehefrau ist stille Teilhaberin der Gesellschaft - sie profitiert also als Gesellschafterin finanziell von dem Auftrag. Der Agenturinhaber wollte sich gegenüber der HAZ nicht äußern.

Die Üstra sieht kein Problem

Die erste juristische Einschätzung der Üstra war, dass trotz des kuriosen Hin und Her bei der Auftragserteilung an die Agentur das Vergaberecht nicht gebrochen worden sein soll. Den gesamten Vorgang soll jetzt aber die externe Kanzlei prüfen. Dabei wird auch eine Rolle spielen, dass die Frau Miteigentümerin der Agentur ist. Zudem berichten mehrere Quellen übereinstimmend, dass bei einer Revision der Üstra-Auftragsvergaben mindestens ein weiterer Fall von zweifelhafter Vergabe vorliegt. „Das wird allmählich ein bisschen happig“, sagt ein Regionspolitiker.

Männliche Üstra-Mitarbeiter tragen Röcke - und wollen damit Werbung für ihre weibliches Personal machen.

Der Üstra-Vorstand war ohnehin schon in der sogenannten Boni-Affäre unter Druck. Er hatte Mitarbeitern für 2014 Sonderzahlungen in Höhe von 1,6 Millionen Euro zugestanden, die vertraglich an die Pünktlichkeit von Bussen und Bahnen gekoppelt sind - obwohl der vereinbarte Pünktlichkeitswert in dem Jahr nicht erreicht worden war. Nach Ansicht der beiden Vorstände waren die vielen Baustellen in Hannover schuld, sodass den Üstra-Mitarbeitern die Unpünktlichkeit nicht angelastet werden könne. Die rot-grüne Regionsmehrheit stellte sich damals hinter den Vorstand und glättete den Konflikt, sodass ein Eklat vermieden werden konnte. Auch um die Beschaffung der neuen Stadtbahnen gab es viel Ärger.

Regions-Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz, zugleich Üstra-Aufsichtsratschef, wollte Mittwoch die neuerlichen Vorwürfe nicht kommentieren. „Wir haben zugesagt, sehr transparent mit den Vorgängen umzugehen, und wir werden uns daran halten“, sagt Franz. Zunächst aber werde er heute die Aufsichtsräte informieren. Er bestätigt nur, dass eine Kanzlei eingeschaltet ist, nicht aber, dass diese in Berlin ansässig ist. „Wir erwarten für Ende Oktober von dort eine juristische Bewertung“, sagt Franz.

In der Regionspolitik heißt es, manch einer habe „die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“ angesichts des neuen Ärgers in der Üstra. „Gibt es in dem Unternehmen kein Controlling, das so etwas verhindert?“, fragt einer. Eine Politikerin sagt, man wolle „keine Vorverurteilung, aber wir erwarten jetzt umfassende Aufklärung“. Ein Dritter sagt: „Wir fordern derzeit öffentlich keine personellen Konsequenzen, weil das Unternehmen ja dann Abfindungen zahlen müsste.“ Der Arbeitsvertrag von Wilhelm Lindenberg endet nächstes Jahr, der von André Neiß in drei Jahren.

Jeden Tag befördert die Üstra Zehntausende Hannoveraner zur Arbeit, zur Universität oder in die Schule. Das sollten Sie über das Unternehmen wissen.

Streit um "Üstra rockt"

Die Üstra-Werbekampagne, bei der Mitarbeiter in Röcken posieren, gilt als sehr erfolgreich. Die Üstra hatte den Auftrag dafür aber zweimal ausgeschrieben, sich dann von der bestplatzierten Agentur der zweiten Ausschreibung getrennt und ohne neues Verfahren den Auftrag an die Agentur des Ehemanns einer Mitarbeiterin vergeben. Er hatte die erste Ausschreibung gewonnen. Der Vorgang war anonym bei der Landeskorruptionsstelle angezeigt worden.

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