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Ein Weihnachtsmann fürs Wohnzimmer

Ausgefallene Dekoideen Ein Weihnachtsmann fürs Wohnzimmer

Befürchten Sie, Ihrer Wohnung fehlt das gewisse Etwas? Oder suchen Sie noch nach einer beeindruckenden Halloweendekoration? Wie wäre es mit einer aufreizenden Schaufensterpuppe als Kleiderständer oder einem gigantischen Grusel-Osterhasen für den Vorgarten?

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Der Spinnenmann und ein Riesengorilla bewachen das Dekolager im ehemaligen Wülfeler Bahnhof.

Quelle: Moers

Hannover. Ausgefallene Einrichtungsideen kommen wie von selbst beim Betreten des früheren Messe-Bahnhofs in Wülfel. Ganz versteckt, in der Garvenstraße, liegt das stillgelegte Bahnhofsgebäude dort scheinbar im Dornröschenschlaf. Wilde Büsche umranken das Gebäude. An einigen Stellen wachsen Pflanzen durch den Stein der Verladerampe. Im Inneren geht es nicht weniger märchenhaft zu. Hier verwaltet der Dekorateur Rolf Hüsken auf 1300 Quadratmetern ein kleines Deko-Wunderland. Seit der 69-jährige Besitzer der gleichnamigen Dekorationsfirma beschlossen hat, seinen Ruhestand vorzubereiten, pilgern regelmäßig Freunde exotischer Einrichtungsgegenstände und andere Schatzsucher aus der gesamten Region zum alten Bahnhof. Fast 3000 Anmeldungen verzeichnete die Facebook-Gruppe, die Rolf Hüsken für den Lagerverkauf am vergangenen Wochenende eingerichtet hat.

Alles muss raus, der nackte Cowboy, der uralte Fernsprechapparat, die Planeten aus Pappmaschee und die gefühlten Millionen Weihnachtsbaumkugeln in allen denkbaren Größen. Wie auf einem Flohmarkt lassen sich in Hüskens Dekolager echte Schätze bergen. Etwa das Arsenal ausrangierter Expo-Werbeartikel, das vermutlich seit 14 Jahren ein trostloses Dasein in Pappkisten fristet. Fraglich, ob die vielen bunten Expo-Fähnchen oder die großen Plakate jemals wieder zum Einsatz kommen. Dabei verbindet Hüsken gerade mit ihnen viele Erinnerungen. „Die Expo und die Jahrtausendwende waren herausragende Ereignisse in meiner Dekorateurslaufbahn“, schwärmt das Deko-Original mit dem grauen Zwirbelbart. Bis heute tragen er und seine Mitarbeiter ihre Namensschilder an schwarz-weißen „Expo2000“-Schlüsselbändern um den Hals. Die Weltausstellung ist auch das erste Projekt, auf das sein Betrieb als Referenz im Internet verweist. „Ich habe damals auf 18 000 Quadratmetern alle künstlerischen Flächen gestaltet“, berichtet er stolz. Zu vielen der eingelagerten Gegenstände, Leuchten, Girlanden oder selbst gebauten Kulissen kann Hüsken Geschichten erzählen. Nicht weniges hat er in seiner Werkstatt selbst gebaut. Den großen Ringlokschuppen etwa, der nach dem Einsatz bei einer Modellbahnmesse in Einzelteilen auf seine Wiederauferstehung wartet. Solche historischen Aufträge hat der passionierte Antiquitätensammler am liebsten. „Die muss man nicht entstauben“, sagt er und lächelt.

Auf ein Sechstel will Hüsken sein Lager reduzieren. Das eine oder andere Teil dürfte den Kunden bekannt vorkommen. Der ehemalige Chefdekorateur der Wertheim Warenhäuser betreibt seit deren Insolvenz 1981 einen großen Dekoservice. Das Unternehmen stattet etwa Maschseefestbuden, Schützenfestzelte, Messen und Schaufenster aus. In Zukunft will er sich auf das Kerngeschäft beschränken, die Weihnachtszeit. Unter dem Jahr fristet der Weihnachtsmann ein eher tristes Dasein in Hüskens Keller. Unter einer verstaubten Abdeckplane wirkt der Rauschebart auf seiner Kutsche allerdings eher wie aus einer Geisterbahn. Im Nachbarraum liegt ein gigantischer Osterhase auf dem Boden, auch Meister Lampe scheint dem Friedhof der Kuscheltiere entstiegen. Ganz anders dagegen ein Zimmer im Erdgeschoss. Attraktive Damen und Herren in aufreizender (oder gar keiner) Kleidung versprühen dort mehr als einen Hauch Erotik, wären da nicht die einzelnen Körperteile, die auf dem Boden herumliegen. Hüsken kennt die Qualitäten seiner Mannequins genau. „Die sind von höchster Qualität, mit denen kann man alles machen“, erklärt er fachkundig und streicht einem Rotschopf über die Perücke. Hinter ihm, so hat es den Anschein, beäugen zwei Dunkelhaarige Models ihren Meister eifersüchtig beim Verkaufsgespräch. Für die hochwertigen Schaufensterpuppen interessieren sich viele der Besucher ganz besonders. „Wo gibt es so was denn sonst zu kaufen?“, freut sich Hannah Mills. Die junge Yoga-Lehrerin aus Hildesheim hat sich ein Exemplar gesichert, das Handstand macht. Es soll ihr neues Studio zieren. Wie viele Kunden ist sie extra mit einem großen Auto angereist. Beim Stöbern ist sie gerade über ein altes Filmplakat gestolpert. „Der mit dem Wolf tanzt“ könnte gut ihr Wohnzimmer zieren, überlegt die junge Frau. Ihr Freund findet die Idee ebenfalls amüsant.

Der nächste Lagerverkauf findet am 4. und 5. Dezember von 10 bis 19 Uhr in der Garvenstraße 10 statt.

Von Mario Moers

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