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Ist Hannover zu hell?

Straßen- und Häuserbeleuchtung Ist Hannover zu hell?

Rot-Grün hat die Absicht, die Stadt Hannover ein wenig dunkler zu machen. Vor einem knappen halben Jahr hat der Vorstoß noch Kopfschütteln ausgelöst, nun findet die Idee von „intelligenten Lichtkonzepten“ auch Anklang. Ein Thema mit Licht und Schatten.

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Hannover bei Nacht.

Quelle: Alexander Körner

Hannover. Von Photoretinitis dürften selbst Hannovers Umweltpolitiker, ansonsten um keinen Fachbegriff verlegen, noch nicht gehört haben. Damit werde das schmerzhafte Blenden des menschlichen Auges bezeichnet, etwa durch LED-Lampen, erklärt Andreas Hänel. Hänel ist Astronom und Leiter des Planetariums in Osnabrück. Am Montag berichtete er den hannoverschen Ratsmitgliedern von den Schäden, die durch sogenannte Lichtverschmutzung in Großstädten hervorgerufen werden. Die reichen von Insekten, die den Tod in den allgegenwärtigen Lampen finden, über besagte Photoretinitis bis zum gestiegenen Krebsrisiko für Menschen, die auch nachts von Kunstlicht umgeben sind. „Das nächtliche Licht unterdrückt die Melatoninproduktion in unserem Körper, ein Hormon, das das Wachstum von Krebszellen unterdrückt“, sagt Hänel und rückt seine Brille zurecht.

Der Vorstoß von SPD und Grünen, Hannovers Straßen- und Häuserbeleuchtung herunterzudimmen, hat noch vor knapp einem Jahr Gelächter oder zumindest Kopfschütteln ausgelöst. Tatsächlich hatte sich die SPD recht forsch dem Thema genähert. So schlug man gleich zu Anfang der Debatte vor, das Neue Rathaus, immerhin Hannovers Wahrzeichen, nachts nicht mehr anzustrahlen. Jetzt geht Rot-Grün behutsamer vor und lässt, wie am Montag im Umweltausschuss, Experten zu Wort kommen - neben Hänel Vertreter von Polizei, Seniorenbeirat, Sehbehindertenverband und den City-Kaufleuten. Von „intelligenten Lichtkonzepten“ ist die Rede, ein Begriff, mit dem sich selbst Skeptiker anfreunden können. Damit ist gemeint, auf wenig befahrenen Straßen nachts die Beleuchtung herunterzuregeln, die Blauanteile von Lampen zu reduzieren, weil die Farbe Insekten besonders stark anlockt, oder Straßenlaternen punktgenau auszurichten, um Streulicht zu vermeiden. Auch sollten Werbetafeln weniger grell ausfallen.

„Gegen intelligente Konzepte haben wir nichts, nur ein Abschalten wäre schlecht“, sagt Renate Folberth-Seibel, Leiterin der Kriminalprävention bei der Polizei Hannover. Sie betont, dass die Furcht vor Verbrechen auch mit schlecht ausgeleuchteten Straßenecken zu tun habe, den sogenannten Angsträumen. Als ein solcher gelte etwa der Fußgängertunnel unter dem Friedrichswall, in dem erst kürzlich eine Frau überfallen wurde. Bestätigung findet die Kriminaldirektorin bei Jens-Peter Kruse vom Seniorenbeirat. „Eine gute Beleuchtung erhöht für uns Ältere das Sicherheitsempfinden“, sagt er. Dennoch betont er, dass Hannovers Senioren dem Umweltschutz nicht im Wege stehen wollen. „Schließlich können durch effektive Lampen Kosten gesenkt werden“, sagt Kruse.

Sorge, dass insbesondere Hannovers Innenstadt im Zwielicht versinkt, hat dagegen Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Zwar gibt er zu, dass manche Werbetafel allzu grell strahlt und mancher Ladenbesitzer seine Schaufensterbeleuchtung aus Kostengründen besser herunterfahren sollte. „Doch grundsätzlich gilt: Licht lockt Leute an“, sagt er. Eine Befragung von mehr als 2000 Kunden in der City habe ergeben, dass es 25 Prozent von ihnen noch zu düster in Hannovers Einkaufszone ist. Jessica Stracke vom Sehbehindertenverband gibt zu bedenken, dass starke Lichtquellen, etwa angestrahlte Bahnhöfe, für sie Orientierungspunkte in der nächtlichen Stadt setzen. „Viele Sehbehinderte sind nachtblind und darum auf starke Beleuchtung angewiesen“, sagt sie.

Am Ende will die SPD den Worten Taten folgen lassen. „Ist es möglich, per Satzung Bodenstrahler und Skybeamer in Hannover zu verbieten?“, fragt SPD-Umweltpolitiker Jürgen Mineur. Darauf haben auch die Experten keine Antwort. Bodenstrahler zu verbieten hätte aber auch Konsequenzen für die Lichtinstallation an der Raschplatz-Hochstraße, für die sich die SPD ebenfalls einsetzt.

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