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Ruf nach Werbeverbot für Alkohol


Was den Tabakkonsum bundesweit erfolgreich reduziert hat, soll auch für alkoholische Getränke vorgeschrieben werden: Die Sucht- und Jugendhilfeeinrichtung Step fordert „Warnhinweise wie für Zigarettenschachteln“ auch auf Alkoholflaschen.
Die Sucht- und Jugendhilfeeinrichtung Step fordertein Werbeverbot für Alkohol.

Die Sucht- und Jugendhilfeeinrichtung Step fordertein Werbeverbot für Alkohol.

© Patrice Kunte

Zudem müsse ein Werbeverbot für Alkohol durchgesetzt werden, sagte Step-Geschäftsführer Heiner Peterburs am Donnerstag anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2008.

Der Konsum illegaler Drogen wie Heroin und Kokain stagniert zwar, dagegen macht aber Alkoholkonsum der Bevölkerung den Experten Sorgen: Er befinde sich auf sehr hohen Niveau, sagt Suchtexperte Peterburs. Das habe Auswirkung auf die Arbeit von Step: „Wir richten unser Hauptaugenmerk nicht mehr ausschließlich auf den Missbrauch illegaler Drogen, sondern wollen auch den schädlichen Konsum von Tabak, Alkohol, Medikamenten, Internetsucht und Glücksspiel stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.“ Im Kampf gegen die Alkoholsucht müsse man sich an den Maßnahmen von Bund und Ländern gegen die Nikotinsucht orientieren. Immerhin ging die Zahl der Raucher von 2001 bis 2007 von 28 auf 18 Prozent zurück. Der Step-Geschäftsführer hält Werbeverbote für Alkohol, Warnhinweise wie auf Zigarettenschachteln und eine Kontrolle der Altersbeschränkungen für geeignete Maßnahmen, den Konsum zu reduzieren.

Besorgniserregend sei das sogenannte Rauschtrinken unter Kindern und Jugendlichen, das in den vergangenen Jahren extrem zugenommen habe. Peterburs nimmt an, dass junge Leute aufgrund verstärkter Polizeikontrollen weniger illegale Drogen konsumieren und stattdessen auf den leicht zugänglichen Alkohol ausweichen. Im vergangenen Jahr erhielten von Juni bis Dezember 62 Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung in einem Krankenhaus behandelt werden mussten, anschließend „Besuch“ von einem Suchtberater. Das ist ein Bestandteil des Suchtprojekts „HaLT – Hart am Limit“, das die Region Hannover gemeinsam mit dem Kinderkrankenhaus auf der Bult und den Suchtberatungsstellen Drobs und Prisma bis 2010 durchführt, um den Alkoholkonsum Jugendlicher einzudämmen. Im ersten Quartal 2009 wurden 41 Jugendliche „besucht“. Ihr Durchschnittsalter betrug 15 Jahre, 56 Prozent der jugendlichen Komatrinker waren männlich, 46 Prozent weiblich.

Die Zahl der Ratsuchenden im Netzwerk von Step mit insgesamt 25 Einrichtungen und gut 250 Mitarbeitern blieb 2008 mit 16.000 nahezu konstant gegenüber 2007. Etwa 5000 Menschen mit Suchtproblemen nahmen ambulante oder stationäre Beratung und Behandlung in Anspruch, 11 320 beteiligten sich an Präventionsveranstaltungen. In Schulen, Betrieben und sogar Kindergärten informieren Suchtberater unter anderem über die Themen Internet, Mediennutzung, Glücksspiel und Gesundheitsförderung. Wobei in Kindertagesstätten vorwiegend Erzieher und Eltern Adressaten der Präventionsmaßnahmen sind.

Eine Zunahme von Ratsuchenden um zehn Prozent verzeichnet Step im Bereich Kokain und Heroin, führt dies aber auf die verstärkte Beratungsarbeit im Café Connection und im Fixpunkt zurück, wo die Zahl der Besuche insgesamt leicht rückläufig ist. Von den 50 Suchtkranken, die in der Suchtambulanz Methadon oder den synthetischen Heroinersatzstoff Diamorphin erhalten, seien inzwischen 19 voll berufsfähig, teilte Suchtberaterin Carola Bau, Stellvertreterin der Drogenberatungsstelle Drobs mit. „Sie sind sozial voll integriert.“ Positiv bewertete Bau auch die Therapieerfolge in der neuen Suchtklinik auf dem Kronsberg. Die Rückfallquote liege hier bei 20 Prozent, dauerhaft schafften 50 bis 60 Prozent der Patienten den Ausstieg aus ihrer Sucht.

Abhängigkeiten in der Region

Bundesweit lag die Zahl der Alkoholabhängigen laut Drogen- und Suchtbericht 2008 der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing bei 1,3 Millionen, 9,5 Millionen gelten als „riskant Konsumierende“. Das heißt, ihr hoher oder regelmäßiger Alkoholkonsum ist bereits kritisch zu bewerten. Bezogen auf die eine Million Einwohner in der Region Hannover schätzt Step, dass hier rund 16.250 Alkoholabhängige und 118.000 Menschen mit kritischem Alkoholkonsum leben.

Laut Step wird die hohe Medikamentenabhängigkeit in Deutschland noch völlig unterschätzt. Bundesweit sind 1,4 bis 1,5 Millionen Menschen von Medikamenten abhängig, darunter viele Ältere und Frauen. Heruntergerechnet auf die Region Hannover wären 17.000 Menschen davon betroffen.

Bundesweit sind rund 645 000 Menschen von harten Drogen wie Kokain und Heroin abhängig. In der Region Hannover wären dies etwa 5000, die Zahl der Cannabisnutzer soll regionsweit bei 10.000 bis 30 000 liegen, im Bundesgebiet beträgt ihre Zahl 2,4 Millionen.

Relativ neu ist die Zahl derer, die glücksspiel- oder internetsüchtig sind. In der Region sind laut Schätzungen bis zu 5000 Personen davon betroffen, die bei Glücksspielen die Kontrolle verlieren, bei den Internetnutzern sollen es bereits 10.000 sein.

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  • @Karl Wilhelm Seemann – 10.07.09
    Die Alkohol Steuern sind in Deutschland extrem niedrig.
    Eine Flasche Schnaps ist für unter 5 Euro zu bekommen.

    Man hat wohl auch nie gehört, dass jemand Alkohol ins Land
    geschmuggelt hat, das ist hier auch nicht nötig.
  • der Staat verdient mit Karl Wilhelm – 10.07.09
    Solange die Folgekosten des Alkohols von den Versicherten der Krankenkassen gezahlt werden und der Staat an den diversen Steuern auf Alkohol kräftig verdient, wird sich unser Herr Steinbrück den Alkohol nicht wegnehmen lassen.
  • die leibe HAZ mal wieder... BB – 10.07.09
    "56 Prozent der jugendlichen Komatrinker waren männlich, 46 Prozent weiblich"

    und was ist mit dem Rest :-)
  • Werbung Kinogänger – 10.07.09
    Wie wäre es erstmal mit einer sinnvolleren Verteilung von Werbung? So lange sonntags im Kino in der Mittagsvorstellung, in der hauptsächlich Kinder sitzen, drei verschiedene Bierwerbungen laufen, braucht sich keiner zu wundern, dass Jugendliche Komasaufen als sinnvollen Freizeitvertreib sehen.
  • Doppelmoral Seemann – 09.07.09
    Wenn man bedenkt, dass harter Alkohol heute nicht mehr als
    vor 30 oder 40 Jahren kostet wird einem schnell klar, dass
    er steuerlich geradezu begünstigt ist. Keine Hinweise auf
    die Gesundheitsgefahren auf den Flaschen und Werbung bis
    zu Abwinken, ohne Eischränkungen. Beim Tabak in allen
    Punkten das genaue Gegenteil. Wer will da noch glauben, es
    ginge der Regierung um die Gesundheit der Bürger.
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Hannover in Zahlen

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