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„Ruhe vor dem Sturm“ für Obdachlose

Milder Winterstart „Ruhe vor dem Sturm“ für Obdachlose

So richtig kalt ist es bisher in Hannover noch nicht. Gut für Obdachlose, könnte man meinen. An der grundsätzlichen Wohnungsnot in Niedersachsen ändert das aber nichts. Insgesamt wird es immer schwerer bezahlbaren Wohnraum zu finden.

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Ein Obdachloser schläft in einer U-Bahn-Station in Hannover.

Quelle: dpa

Hannover. Der bislang warme Dezember ist für viele Obdachlose nur ein schwacher Trost. „Wir haben eine Art Galgenfrist durch den milden Winter“, sagte Ulrich Friedrichs, Referent für Wohnungslosenhilfe bei der Zentrale Beratungsstelle Niedersachsen (ZBS). Ein Grund zur Freude seien die relativ hohen Temperaturen aber nicht. Schon jetzt sei die Nässe ein Problem. „Wenn die Bekleidung einmal nass ist, kriegt man sie nicht mehr trocken.“ Friedrichs spricht von der „Ruhe vor dem Sturm“.

Insgesamt werde es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden, sagte Friedrichs. Die Zahl der Wohnungslosen, die in Niedersachsen Beratungsangebote wahrnehmen, schätzt er auf 2500 bis 3000. Absolute Zahlen gebe es aber nicht. Insbesondere Menschen, die für sich allein auf der Straße leben, werden nicht erfasst.

Vom volkswirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitierten Wohnungslose wenig. Neu geschaffener Wohnraum sei eher hochpreisig. „Wenn man mehr als 1000 Euro bezahlen kann, findet man leicht eine Wohnung“, sagte Friedrichs. Zu den hohen Mieten kommt ein weiteres Problem: Wohnungslose hätten bei Vermietern ein schlechtes Image.

Deutschlandweit geht die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) von 335 000 Wohnungslosen im Jahr 2014 aus. Davon lebten rund 39 000 ohne jede Unterkunft auf der Straße, die Mehrheit komme bei Freunden, in Heimen oder in Notunterkünften unter, wie Geschäftsführer Thomas Specht erklärt. BAGW-Prognosen zufolge steigt die Zahl der Wohnungslosen bis 2018 auf 536 000 (plus 60 Prozent).

Dabei spiele zwar auch die Zuwanderung von EU-Bürgern und Asylbewerbern eine Rolle, teilte die BAGW im Oktober mit. Entscheidender sei aber, dass günstiger Wohnraum fehle und die Armutsbekämpfung unzureichend sei.

Friedrichs von der ZBS schätzt, dass etwa 15 Prozent der ankommenden Flüchtlinge demnächst von Armut betroffen sind. Dennoch werde die Wohnungslosenhilfe in Niedersachsen nicht kollabieren. Generell werden die Wohnungslosenzahlen in den kommenden Jahren auch in Niedersachsen in die Höhe gehen.

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