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Wer darf das Frühlingsfest in Zukunft ausrichten?

Rummelstreit Wer darf das Frühlingsfest in Zukunft ausrichten?

Halbzeitfeier beim Frühlingsfest auf dem Schützenplatz - doch hinter den Kulissen tobt immer heftiger der Streit darum, wer die lukrativen Rummelfeste künftig ausrichten darf.

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Gedränge und gute Stimmung: Noch bis zum 17. April 2016 können Besucher sich auf dem Frühlingsfest vergnügen.

Quelle: Peter Steffen

Hannover. Wie berichtet hat die Stadt die lukrative Ausrichtung der Volksfeste an die Springer Firma FTE Ahrend vergeben. Dagegen hat der bisherige langjährige Ausrichter AGV, ein Zusammenschluss niedersächsischer Schaustellerfamilien, Klage eingereicht. Am Mittwoch hat die Ratsopposition Akteneinsicht in die Unterlagen der Ausschreibung genommen - und den Politikern kommt das Ausschreibungsprozedere dubios vor.

„Es handelt sich um vertrauliche Unterlagen“, sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Jens-Michael Emmelmann. „Deshalb kann ich zum Inhalt der Akteneinsicht zwar nichts sagen - aber das Thema wird uns intensiv beschäftigen.“ Man werde „viele Fragen an die Verwaltung stellen“. Es sei „sehr ärgerlich, dass jetzt zum zweiten Mal nach dem Altkleiderkonflikt eine Ausschreibung in einen Rechtsstreit zu münden droht, der die Stadt viel Geld kosten kann“.

Die Stadt hatte der AGV mit einer sogenannten Dauerfestsetzung das alleinige Recht zum Ausrichten von Frühlings- und Oktoberfest gegeben. Mehrere Jahre lang ging FTE dagegen vor, bis das Verwaltungsgericht entschieden hat, dass die Stadt ausschreiben muss. Weil angeblich beide Bewerbungen gleichwertig waren, hat die Stadt schließlich das Los entscheiden lassen.

Mit dem ersten frühlingshaften Tagen beginnt natürlich auch in diesem Jahr das Frühlingsfest in Hannover - diesen Bildern nach zu schließen, ist es auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Jetzt stellt sich heraus, dass die Stadt es versäumt hat, die Kriterien der Ausschreibung von den Kommunalpolitikern beschließen zu lassen. „Der Rat ist völlig übergangen worden“, sagt AGV-Anwalt Hans-Joachim Hasemann-Trutzel. Unter anderem darauf baut er seine Klageschrift gegen die Stadt auf. Ärgerlich: Den gleichen Fehler hatte die Verwaltung auch schon im Altkleiderstreit gemacht, sodass sie nun in Regresspflicht für Altverträge ist. In beiden Fällen hatte die Ratsopposition zuvor oft nachgefragt, war aber immer mit Hinweis auf laufende Verfahren vertröstet worden.

Noch andere Fakten sind kurios. Die Stadt hat bis heute die Dauerfestsetzung für die Feste zugunsten der AGV nicht aufgehoben, obwohl die FTE der Gewinner der Vergabe ist. Das kann teuer werden. Eigentlich hätte schon das laufende Frühlingsfest von FTE ausgerichtet werden sollen, in einem Eilentscheid hatte das Verwaltungsgericht aber festgelegt, dass es noch einmal von der AGV betrieben werden darf. „Was ist, wenn FTE Schadensersatz für den entgangenen Gewinn einklagt?“, fragt ein Insider.

Offenbar hat Oberbürgermeister Stefan Schostok selbst noch versucht, mit Schlichtungsgesprächen den Streit zwischen AGV und FTE beizulegen. Das bestätigen die FTE-Inhaber Lothar und Mike Ahrend. Allerdings scheint der einzige Erfolg der Gespräche zu sein, dass das gesamte Thema um drei Monate verzögert wurde.

Wie es jetzt weitergeht, weiß niemand. Das Verfahren für die Klage der AGV gegen die Vergabeentscheidung der Stadt ist noch nicht terminiert - und das Oktoberfest rückt näher. „Die Schausteller brauchen Sicherheit, wer das nächste Fest ausrichtet“, sagt AGV-Manager Marko Hausmann.

„Superzufrieden mit Fest“: Für das laufende Frühlingsfest zieht AGV-Manager Hausmann eine positive Bilanz. „Der Anfang war nicht so berauschend - aber schon ab dem Mittwoch nach Ostern war der Festplatz dauerhaft voll, am letzten Wochenende mit dem 96-Heimspiel sowieso.“ Der Zustrom sei „sensationell“. Er rechnet damit, dass zur Halbzeit fast eine halbe Million Besucher auf dem Festplatz war. Er glaubt: „Die Menschen stimmen mit den Füßen ab.“

FTE Ahrend

Wer ist die FTE Ahrend, die den Zuschlag erhalten hat, von Oktober an für drei Jahre Hannovers Volksfeste zu veranstalten? Bei der AGV hatte es abfällig geheißen, es handele sich um einen wenig professionellen Betrieb, der Kleinstadtfeste etwa in Wunstorf und Pattensen bespiele. Wer FTE aber am Firmensitz in Springe-Eldagsen besucht, bekommt einen anderen Eindruck. 60?000 Quadratmeter groß ist das Firmenareal, wo Vater Lothar Ahrend und Sohn Mike residieren. Moderne Fahrgeräte gehören zum Arsenal, „nicht so alte, abgehalfterte Geräte wie die, mit denen die AGV-Familien seit Jahren auf den hannoverschen Festen langweilen“, sagt Seniorchef Lothar Ahrend. Tiefstapelei gehört nicht zur vornehmsten Aufgabe in Schaustellerkreisen. „Wir sind der dickste Fisch im Norden“, sagt der Seniorchef über sein Geschäft. Die Arbeitsgeräte von FTE sind tatsächlich beeindruckend. „Wir sind es gewohnt, Weltneuheiten zu präsentieren“, betont Mike Ahrend. Ein moderner Autoskooter, ein Booster („mit 4-g-Beschleunigung!“), zwei Achterbahnen gehören zum Sortiment von FTE. 20 schwere Lkw ziehen die Anlagen quer durch Europa, von Festplatz zu Festplatz. Mit dabei ist künftig auch der in Fankreisen sehnlich erwartete „Drifting Coaster“, eine Neuentwicklung, bei der sich die Sitze auf neue Weise von der Fliehkraft aufschaukeln lassen. Mit der Tüv-Zulassung hatte es Probleme gegeben, sodass das Gerät erst Ende April im schweizerischen Luzern seine Weltpremiere feiert. Ob der „Drifting Coaster“ auf beim hannoverschen Oktoberfest dabei sein wird? „Natürlich“, sagt Mike Ahrend: „Mit der ewigen Katz & Maus soll auf dem Schützenplatz schließlich Schluss sein.“ Die leicht verrostete Achterbahn gehört seit Jahren zum Inventar hannoverscher Volksfeste, ebenso wie ein gut 30 Jahre altes Riesenrad der Schaustellerfamilie Wilhelm oder ein noch älterer Autoskooter der Familie Armbrecht. Eigentlich, sagt Mike Ahrend, wolle man in Hannover aber gar nicht primär die eigenen Fahrgeschäfte präsentieren, sondern vielmehr das Management modernisieren, sagt Mike Ahrend. Daher werde es keine reihenweise Kündigung für die Stammschausteller bedeuten, wie die AGV-Vertreter an die Wand malten. „70 bis 80 Prozent der Angebote auf dem Oktober- und Frühlingsfest könnten weiterhin zu sein wie bisher – wir wollen aber starke neue Impulse setzen.“ Ob es überhaupt dazu kommt, dass FTE zum Festausrichter wird, muss nach der Klage der AGV nun ein Gericht entscheiden.

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