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Sind Hunderte Grundstücke radioaktiv belastet?

List, Vahrenheide und Sahlkamp Sind Hunderte Grundstücke radioaktiv belastet?

Rund 200 Grundstücke und etwa 450 Kleingärten sowie Sportanlagen in den Stadtteilen List, Vahrenheide und Sahlkamp sollen auf eine mögliche radiologische Belastung untersucht werden. Das haben Stadt und Region am Montagabend mitgeteilt.

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Rund um den De-Haën-Platz mussten Grundstückseigentümer ihren Grund und Boden sanieren.

Quelle: Uwe Dillenberg

Hannover. Vor neun Jahren machte Hannover bundesweit Schlagzeilen mit der radioaktiven Entgiftung von Grundstücken rund um den De-Haën-Platz in der List. Wie sich jetzt herausstellt, ist das Thema nicht ausgestanden. Etwa 200 Grundstücke mit Wohnhäusern und Gewerbebetrieben sowie etwa 450 Kleingärten und Sportanlagen in den Stadtteilen List, Vahrenheide und Sahlkamp sollen auf eine mögliche radioaktive Belastung untersucht werden. Das haben Stadt und Region gestern mitgeteilt.

Es gebe keine konkreten Anhaltspunkte auf Ablagerung radioaktive Materialien auf den Grundstücken, heißt es beruhigend bei Stadt und Region. „Es handelt sich um eine vorsorgliche Maßnahme“, sagte Hannovers Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette im Umweltausschuss des Rates: „Wir können nicht hundertprozentig ausschließen, dass dort strahlendes Material abgelagert wurde.“ Die betroffenen Flächen hatten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Eigentum der chemischen Fabrik de Haën oder der Unternehmerfamilie befunden. Daher bestehe „die theoretische Möglichkeit, dass diese Areale vorübergehend als Produktions- oder Lagerflächen genutzt worden sein könnten“.

Kleingärten werden zuerst untersucht

Hintergrund der Untersuchungspläne sind zwei Gutachten, die Stadt und Region Hannover nach den Sanierungen im Bereich des De-Haën-Platzes in Auftrag gegeben hatten. Nach den Recherchen in den Jahren 2014 bis 2016 empfiehlt die Gutachterin vorsorgliche radiologische Untersuchungen in weiteren Bereichen.

Die Stadt will Anfang 2018 zunächst 120 Kleingärten auf eine Belastung untersuchen, in enger Kooperation mit dem Bezirksverband der Kleingärtner. Außerdem bekommen die 200 Grundstückseigentümer in der List Post von der Region. Die Behörde bietet ihnen an, ihren Grund und Boden vorsorglich auf Belastungen untersuchen zu lassen. Die Untersuchungen seien für Grundstücksbesitzer und Kleingartenpächter kostenlos.

Auch Sportplätze müssen geprüft werden

Außerdem sind zwei Sportvereine, der TSV Fortuna/Sachsenross und TSV Schwarz-Weiß Hannover, sowie ein Regenrückhaltebecken betroffen. Die Untersuchung soll in den Kleingartenkolonien Gut Grün und Zur guten Hoffnung des Vereins Lister Damm, Immergrün des Vereins List sowie Sperlingslust des Vereins Staatswiesen Am Listholze starten. Die Messungen erfolgen mit tragbarem Gerät in einem Meter Höhe über der Geländeoberfläche, zudem wird in Gartenlauben die Raumluft überprüft. Finanziert werden die Tests aus dem Altlastenfonds. Die Stadt rechnet mit Kosten von 125 000 Euro. Sollten die Messgeräte ausschlagen und weitere Untersuchungen nötig werden, erhöht die Stadt das Budget. Insgesamt sind rund 340 000 Euro für das Vorhaben vorgesehen. Der Rat muss dem Vorhaben noch zustimmen.

Im Sommer 2008 hatte sich herausgestellt, dass der Boden auf dem Gelände der ehemaligen Chemiefabrik Eugen de Haën mit Schwermetallen verunreinigt worden war. Auf einigen Grundstücken bestand zudem eine Belastung durch radioaktive Stoffe wie Uran, Thorium und Radium. Die Region hatte die betroffenen 45 Grundstückseigentümer zu Sanierung verpflichtet. Bis auf drei Fälle sind die Sanierungsarbeiten abgeschlossen.

Jörg Baltruweit von der Bürgerinitiative Altlasten in der List reagierte gestern überrascht auf die neuen Untersuchungsergebnisse. „Es sind doch in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Untersuchungen gemacht worden“, sagte er. Zudem müssten Stadt und Region nicht nur auf die radioaktive, sondern auch auf die chemische Belastung achten, meinte er.

Von Andreas Schinkel und Mathias Klein

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