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Holocaust-Überlebende erhalten Lessing-Preis

Deutsch-Israelische Gesellschaft Holocaust-Überlebende erhalten Lessing-Preis

Seit Jahren engagieren sie sich gegen das Vergessen; in Schulen berichten sie immer wieder über ihr Schicksal. Jetzt sind die drei hannoverschen Holocaust-Überlebenden Ruth Gröne, Henry Korman und Salomon Finkelstein mit dem Theodor-Lessing-Preis ausgezeichnet worden.

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Ausgezeichnet: Salomon Finkelstein, Ruth Gröne und Henry Korman (v.l.)Ausgezeichnet: Salomon Finkelstein, Ruth Gröne, Henry Korman (v.l.)

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Eine Schülerin hat die alte Dame einmal umarmt, nachdem diese von ihrem Schicksal erzählt hatte. Eine muslimische Schülerin, wohlgemerkt. „Dabei möchte ich meine Geschichte gar nicht so in den Mittelpunkt stellen“, sagt Ruth Gröne. Als Kind musste die heute 83-Jährige den gelben Stern tragen, ihr Vater wurde von den Nazis ermordet. „Ich möchte den Jugendlichen nur vermitteln, dass wir heute in großer Freiheit leben – und dass man diese Freiheit schnell verspielen kann.“

In einer bewegenden Feier mit rund 300 Gästen hat Ruth Gröne jetzt im Regionshaus gemeinsam mit den Holocaust-Überlebenden Henry Korman (97) und Salomon Finkelstein (94) den Theodor-Lessing-Preis verliehen bekommen. Zum siebten Mal hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hannover (DIG) den Preis für aufklärerisches Handeln vergeben – diesmal an beeindruckende Persönlichkeiten, die ihre Autorität als Zeitzeugen nutzen, um Nachgeborene für den Wert der Menschenwürde zu sensibilisieren.

Die Geehrten haben sich immer wieder in Schulprojekten engagiert und von ihren Erlebnissen in der NS-Zeit berichtet. „Unzählige Schüler sind tief beeindruckt und gestärkt aus Begegnungen mit ihnen hervorgegangen“, sagt die Autorin Corinna Luedtke, die seit 2009 Schulprojekte mit Korman und Finkelstein organisiert.

Kay Schweigmann-Greve, Vorsitzender der DIG, erinnerte im Regionshaus an den Namensgeber des Preises, den Philosophen Theodor Lessing (1872–1933): "Sein Blick auf die Gesellschaft ist verblüffend aktuell geblieben." Die drei Geehrten stünden ganz in der Tradition des kritischen Demokraten: "Sie haben für unsere Auseinandersetzung mit der Geschichte Unschätzbares geleistet."

Eindringlich warnte der Schriftsteller Georg M. Hafner in seiner Laudatio vor dem Versuch einiger AfD-Politiker, die Erinnerungskultur zu schleifen. Die drei Geehrten hätten sich in  beispielhafter Weise gegen das Vergessen gestellt: „Sie haben sich nicht geschont, Sie haben ihren privaten Schmerz öffentlich gemacht“, sagte er: „Ich bewundere Sie dafür zutiefst.“ Es fällt Überlebenden nicht leicht, von Auschwitz zu sprechen, von den Leichenbergen, den Todesmärschen. Doch sie nehmen es immer wieder auf sich - obwohl es Überwindung kostet: "Bis heute komme ich mir vor, als stünde ich nackt vor den Menschen, wenn ich erzähle, wie ich verprügelt wurde", sagte Finkelstein einmal.

"Erst haben sie geschwiegen, weil sie nicht mehr reden konnten. Dann haben sie geredet, weil sie nicht mehr schweigen konnten. Irgendwann werden sie wieder schweigen", sagte Laudator Hafner. Gewandt an die drei Geehrten fügte er hinzu: "Das wird hoffentlich noch lange nicht der Fall sein."

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