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Aus der Stadt Razzien wegen Terror-Verdacht in Hannover
Hannover Aus der Stadt Razzien wegen Terror-Verdacht in Hannover
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20:03 04.02.2016
Auch in Vahrenwald durchsuchte das SEK eine Wohnung.  Quelle: Dillenberg
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  • SEK-Einsatz am Donnerstagmorgen: Polizei durchsucht Wohnungen in Vahrenwald und Isernhagen
  • Nach HAZ-Informationen wurde ein 26-Jähriger zeitweise festgenommen, der Kontakt zur Terrororganisation IS haben soll
  • Bei zeitgleichen Razzien in Berlin und in NRW wurden zwei Männer und eine Frau aus Algerien festgenommen. Sie sollen einen Anschlag in Europa vorbereitet haben 

Hannover/Isernhagen. Sicherheitsbehörden mehrerer Bundesländer haben am Donnerstag eine Terrorzelle zerschlagen. Vier aus Algerien stammende Anhänger der Terrormiliz IS sollen einen Anschlag in Berlin geplant haben. Die Ermittler legen ihnen die „Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat“ zur Last. Spezialkräfte der Polizei durchsuchten am frühen Morgen mehrere Wohnungen in Hannover und Berlin sowie Flüchtlingsunterkünfte in Isernhagen H.B. und im sauerländischen Attendorn. Dabei wurden zwei Männer und eine Frau festgenommen, weil gegen sie bereits Haftbefehle wegen anderer Vergehen vorlagen.

Unter den Verhafteten sind nach Angaben eines Sprechers der Berliner Polizei auch der 35-jährige Kopf der Bande und dessen Ehefrau. Der Anführer der Terrorzelle soll in Syrien von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ militärisch ausgebildet worden sein. Das Berliner Landeskriminalamt leitete die zeitgleichen Durchsuchungen. Insgesamt waren daran rund 450 Beamte aus drei Bundesländern beteiligt.

25-Jähriger in Hannover unter Verdacht

Der 26-jährige Abbas A. Quelle: Facebook

Ein weiteres Mitglied der Gruppe machten die Ermittler in einer Flüchtlingsunterkunft in Isernhagen H.B. ausfindig. Der 25-jährige Algerier Abbas A. soll nach HAZ-Informationen bereits seit geraumer Zeit im Visier des niedersächsischen Verfassungsschutzes stehen. In jüngster Zeit soll A. mindestens einmal in den Brüsseler Stadtteil Molenbeek gereist sein. Das Viertel gilt als Hochburg der europäischen Islamistenszene. Der mutmaßliche Drahtzieher der Terroranschläge vom 13. November in Paris hatte unter anderem dort gelebt.

Dem 25-jährigen Algerier habe man „ein Vernehmungsangebot gemacht und ihn anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt“, sagt Michael Gassen von der Berliner Polizei. „Die Beweise gegen ihn reichen für einen Haftbefehl derzeit nicht aus“, sagt Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin.

Mögliche Anschlagsziele in Berlin

Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler zahlreiche Laptops, Handys und weitere Speichermedien sicher. Die Beweismittel werden in den kommenden Tagen ausgewertet. Die Terrorfahnder erhoffen sich weitere Hinweise auf mögliche Ziele des geplanten Anschlags. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen hatten sich die verdächtigen Islamisten in abgehörten Telefonaten bereits über mögliche Anschlagsziele in Berlin unterhalten. Demnach sollen die Männer auch beraten haben, ob der „Checkpoint Charlie“ im Stadtzentrum ein lohnenswertes Angriffsziel sein könnte.

Der frühere Grenzkontrollpunkt zwischen Ost und West ist ein Touristenmagnet. Auch vom Alexanderplatz als möglichem Anschlagsort sollen die Verdächtigen gesprochen haben. Bislang gibt es nach Angaben der Berliner Polizei keinerlei Hinweise auf eine Verbindung der vier algerischen Männer zum abgesagten Fußball-Länderspiel Mitte November in Hannover und dem Terrorverdacht an Silvester in München. Auch konkrete Hinweise auf ein geplantes Attentat gegen Karnevalsveranstaltungen liegen derzeit nicht vor.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa haben die vier Algerier verschlüsselt miteinander kommuniziert und nur verdeckt operiert. Erst um den Jahreswechsel herum haben sich die Erkenntnisse gegen die mutmaßlichen Terroristen verdichtet. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe auch nach dem Fahndungserfolg hoch. „Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein.“

Von Tobias Morchner, Jörn Kießler und Frank Walter

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