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Thesen gegen den Stillstand

Peer Steinbrück diskutiert über sein Buch Thesen gegen den Stillstand

Politik zieht. Jedenfalls dann, wenn sie unterhaltsam dargeboten wird. Und weil Peer Steinbrück, einem größeren Publikum bekannt als ehemaliger Kanzlerkandidat der SPD, für Schnoddrigkeit, Witz und Schlagfertigkeit steht, füllten am Freitagabend gut 200 Zuhörer den Vortragssaal im Alten Rathaus.

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Locker vom Hocker: Peer Steinbrück beantwortete die Fragen von Moderator Klaus Wallbaum und Publikum ohne einen Blick ins Manuskript zu werfen.

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Der Gastgeber, die Buchhandlung Decius, hatte stapelweise Exemplare von Steinbrücks Werk „Vertagte Zukunft“ ausgelegt.

Sein Buch aber rührte Peer Steinbrück nicht an. Lässig in seinem Stuhl zurückgelehnt sagte er knapp: „Ich will Ihnen nicht langweilig was vorlesen.“ Stattdessen trug er am Stück ein paar seiner Thesen vor. Grundtenor: Deutschland laufe Gefahr, in Selbstzufriedenheit zu erstarren. „Gegenwartskonsum statt Zukunftsinvestition“, sagte Steinbrück. Zu wenig Investitionen in Bildung. Ungelöst die Frage, wie immer weniger Arbeitnehmer Renten bezahlen sollen. Auch bei der rapiden Digitalisierung der Wirtschaft laufe das Land Gefahr, den Anschluss zu verlieren, etwa wenn womöglich „US-Internetgiganten deutsche Autokonzerne an den Fäden halten“. Dass sich Selbstzufriedenheit breitmache, kreidet er nicht allein Parteien an, die Konflikte scheuten, sondern auch den Bürgern. Die hätten sich eingerichtet im Wohlstand und wollten in Ruhe gelassen werden.

Im launigen Gespräch mit Klaus Wallbaum, Redakteur beim Redaktionsnetzwerk Deutschland, mixte Steinbrück kurze Antworten mit längeren Ausführungen. Obwohl er keine Lust hat, zwei Sätze zur Griechenland-Krise zu verlieren, spielt er manchmal trotzdem mit – um diese zwei Sätze bei nächster Gelegenheit wortreich zu ergänzen.

Es ist ja alles kompliziert. Wie sehr, das erzählte Steinbrück in druckreifen minutenlangen Passagen. Seine Empfehlung zur Griechen-Krise: „Wir brauchen ein Ende mit Schrecken.“ Es gebe ohnehin nur schlechte Lösungen. Selbst nach einem drohenden Ausstieg des Landes aus dem Euro werde es auf finanzielle Hilfe angewiesen sein, „schon aus humanitären Gründen“. An einem zweifelt der frühere Bundesfinanzminister nicht: Das geliehene Geld ist weg. Aber die Zukunft der EU hänge nicht an den Griechen.

Politiker dürften kritisiert werden, sagte Steinbrück später, die Verachtung ihnen gegenüber sollte sich aber – Achtung: Sarkasmus! – in Grenzen halten. „Wer anstelle demokratisch legitimierter Politiker soll Entscheidungen treffen?“, fragte er. „Talkshows? Fernbedienungen?“ Als Wallbaum nach zwei Stunden immer weitere Fragen aus dem Publikum zulässt, greift Steinbrück ein. „Wollen Sie bis 24 Uhr machen? Ich nicht!“

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