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Junge Genossen, die auf Filmblut stehen

SPD-Nachwuchs dreht Grusel-Kurzfilm Junge Genossen, die auf Filmblut stehen

Das Grauen ist zurück im Lister Turm. Mit der Premiere des Grusel-Kurzfilms „Verflucht“ feierte die Amateurfilmgruppe Utopian Pictures kürzlich ihr zehnjähriges Bestehen im Freizeitheim. Das Besondere an den Filme-Machern: Viele von ihnen sind in der Lokalpolitik aktiv.

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Der harte Kern der Amateurfilmgruppe: Philipp Kreisz (v. l.), Lars und Heiderose Kelich.

Quelle: Utopian Pictures

Hannover. Ihr Parteibuch ist so rot wie das Kunstblut in ihren Filmen. Der SPD-Ratsherr Lars Kelich ist der Gründer der Gruppe, Drehbuchautor, Komponist und Regisseur in Personalunion. „Der deutsche Amateurfilm war immer schon politisch“, findet er.

Das Grauen ist zurück im Lister Turm. Mit der Premiere des Grusel-Kurzfilms „Verflucht“ feierte die Amateurfilmgruppe Utopian Pictures kürzlich ihr zehnjähriges Bestehen im Freizeitheim. Das Besondere an den Filme-Machern: Viele von ihnen sind in der Lokalpolitik aktiv.

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Verantwortlich dafür, dass Lars Kelich und seine Mitstreiter es in ihren Filmen blutig mögen, ist Helmut Kohl. Zumindest trägt der eine Mitschuld, dass Ratsherr Kelich sich schon als Schüler am liebsten vom Index bedrohte Horrorfilme aus der Videothek auslieh. „Die Amateur-Horrorfilmszene ist in den Achtzigerjahren als Reaktion auf die strenge Zensur entstanden“, erklärt der Amateurfilmer. Weil selbst Filme, die nach heutigen Standards harmlos erscheinen, verboten wurden, drehten Leute ihre eigenen Gruselstreifen. Diese waren dann oft noch um einiges blutrünstiger als die indizierten Streifen. In Kelichs Wohnzimmer am Herrenhäuser Markt zeugen Bücher, DVD-Sets und Plakate von der Filmleidenschaft. Der Comic „Captain Berlin vs. Hitler“ steht dort im Regal. Ein Werk des Untergrund-Regisseurs Jörg Buttgereit, einem Szene-Urgestein. Daneben alle Staffeln der „Star-Trek“-Serie „Deep Space Nine“ in einer funkelnden Sammelbox. Das Universum der Science-Fiction-Serie um ihre Helden Spock, Data und Konsorten diente Kelich in der Jugend als Vorlage für sein erstes Drehbuch. Darin landet ein Enterprise-ähnliches Raumschiff auf einem fremden Planeten. Tragischerweise verliebte sich ein Mitglied der Crew in eine Alien-Frau. Seit dem romantischen Erstling hat Kelich viele weitere Filme abgedreht. In den meisten davon fließt Kunstblut, manche behandeln aber auch sensible Themen.

Zu den gelungensten Werken der Gruppe zählen sie selbst „Bella Ciao“ (2011), eine Mafiafilm-Persiflage. Oder „Sacerdos“ (2012), darin geht es um einen mordenden Mönch. Utopian Pictures produziert im Schnitt jedes Jahr einen Kurzfilm. Der ist mal länger und mal kürzer, ganz wie es die Zeit der Hobby-Filmer zulässt. Insgesamt gehören rund zehn Freunde und Bekannte zu dem Ensemble. Darunter etwa der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Philipp Schmalstieg, der in „Verflucht“ einen Detektiv für paranormale Fälle spielt. Oder der Vorsitzende des Ortsvereins Mitte, Philipp Kreisz, der mit Kelich und dessen Lebensgefährtin Heiderose den Vorstand von Utopian Pictures bildet. Kreisz gibt im neuesten Film als Hauptdarsteller einen verzweifelten Mieter, der von dem Geist eines Nazi-Zahnarzts heimgesucht wird.

In „Verflucht“ geht es vordergründig um einen Gruselkeller, in dem ein Geist sein Unwesen treibt. Im Laufe des in Schwarz-Weiß gehaltenen 14-Minüters kommen die Protagonisten hinter das dunkle Geheimnis dieses Kellers. Im Dritten Reich wurde der für mehrere Juden zur Todesfalle. Hintergründig ist der Film ein kritischer Kommentar zur aktuellen Flüchtlingsdebatte, erklären die Macher.

Demnächst wollen sie ihr 
17. Werk auf dem Indigo-Filmfest im Saarland präsentieren. Die gemeinsame Reise zu dem Amateurfilmfestival hat inzwischen Tradition. Dort tauschen sie sich mit Gleichgesinnten aus und lernen sich abseits des Sets besser kennen. „Mittlerweile sind wir alle berufstätig, und es wird immer schwieriger, sich zu koordinieren“, erzählt Kelich. Wenn es am Ende von Dreharbeiten einmal ganz eng wird, muss er schon mal eine Ratssitzung sausen gelassen, berichtet er mit einem Augenzwinkern. Dabei wollen die Hobby-Filmer sich gar nicht messen mit den Hochglanz-Produktionen aus Hollywood. „Wir drehen in der Regel ohne oder mit winzigem Budget“, erzählt Heiderose Kelich. Nur am Kunstblut, da wird nicht gespart.

Utopian-Pictures-Filme sind im Internet als Videos auf der Seite der Amateurfilmer utopianpictures.wordpress.com zu sehen.

Von Mario Moers

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