Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Wasserstadt-Pläne gehen zurück auf null
Hannover Aus der Stadt Wasserstadt-Pläne gehen zurück auf null
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:22 03.07.2014
Von Andreas Schinkel
Bei den Plänen zur Bebauung der Conti-Brache in Hannover-Limmer zur Wasserstadt werden die Karten neu gemischt. Quelle: Dröse (Archiv)
Hannover

Nun kann es sein, dass aus dem Areal doch kein reines Mehrfamilienhausgebiet für 5000 Einwohner wird. Denn anders als bisher geplant will sich Rot-Grün nicht mehr auf eine Zahl von Wohnungen festlegen, sondern zunächst Bürger nach ihren Wünschen befragen und Verkehrsgutachten abwarten.

„Wir schauen, was geht“, sagt Grünen-Baupolitiker Michael Dette. Der umstrittene Vorschlag der Stadt, 2000 Wohnungen für rund 5000 Menschen zu bauen, sei „nicht in Stein gemeißelt“, sagt SPD-Ratsherr Jürgen Mineur. Wenn man eine Bürgerbeteiligung in Gang setze, könne nicht vorher das Ziel vorgegeben werden. Auch die Stadtverwaltung lenkt ein. „Die Zahl der Wohneinheiten ist offen“, betont Stadtplaner Hans-Heiner Schlesier.

Die Pläne für die Wasserstadt in Limmer - und wie es dort gegenwärtig aussieht.

In dem ursprünglichen Verwaltungsmodell für die Wasserstadt steckt einiger politischer Zündstoff. Bis zu acht Geschosse hoch würden die neuen Häuser am Wasser werden, ginge es nach den Plänen der Stadt. Ein ganzer Stadtteil mit Wohnraum für 5000 Menschen entstünde auf dem Grundstück am Kanal. Bei Anwohnern und vor allem bei Interessenten haben die Pläne heftigen Widerstand hervorgerufen, schließlich war ursprünglich von nur 650 Wohnungen die Rede gewesen, die ein Einfamilienhausidyll ergeben sollten. Doch angesichts wachsender Einwohnerzahlen in Hannover und damit eingehender Wohnungsnot entschied sich die Stadt, die Pläne zu ändern. Mit dem Entschluss, diese Vorgaben vorerst auszuklammern, bewegen sich SPD und Grüne auf die Kritiker zu.

Die Stadtverwaltung hat die neuen Pläne für die Wasserstadt Limmer vorgestellt. Dort könnten bis zu 2000 Wohnungen entstehen, weil Hannover 2013 sogar um 5000 Menschen gewachsen ist. Möglicherweise wird auch das zusätzliche Gymnasium dort erreichtet. Jetzt diskutiert die Kommunalpolitik das neue Konzept.

Am Montag wurde das neue rot-grüne Konzept zum ersten Mal einem politischen Gremium, der Sanierungskommission Limmer, vorgestellt. In diesem Konzept legt sich die Ratsmehrheit nun auf kaum eine Zahl fest, selbst den Anteil von Sozialwohnungen will man nicht festschreiben. Lediglich bei den Stellplätzen, die Investoren vorhalten sollen, hat Rot-Grün klare Vorstellungen: Maximal 0,8 Parkplätze pro Wohnung sollen ausreichen. „Ziel ist es, auf den Straßen des neuen Quartiers möglichst wenig Blech zu haben“, sagt SPD-Mann Mineur. Die Parkplätze sollen entweder unter der Erde oder in Stadtteilparkhäusern liegen.
Ursprünglich hatten die Grünen dafür plädiert, von Tiefgaragen Abstand zu nehmen, weil sie die Baukosten in die Höhe trieben. Die SPD hielt das für unrealistisch.

Die Wasserstadt in Limmer soll bald Formen annehmen. Auf der Conti-Brache entsteht demnächst ein Wohnviertel. Bisher sind dort indes nur die Ruinen zu sehen.

Bürgervertreter monierten, dass Anwohner zwar beteiligt werden sollten, aber letztlich kaum Einfluss auf den Bebauungsplan nehmen könnten. „Auch wollen wir keinen Architektenwettbewerb zum Bauprojekt“, sagte Bürgervertreterin Anja Niezel. Die Vorgaben eines Siegerentwurfs verdrängten erfahrungsgemäß die Ideen aus der Bevölkerung.

Ein altes Industriegelände wird zur modernen Wasserstadt, besetzte Häuser gibt es ebenso wie die beschauliche Schleuse am Stichkanal: Limmer ist voller Gegensätze, und vielleicht gerade deshalb einer der beliebtesten Stadtteile Hannovers.

„Ich bin nicht glücklich über den rot-grünen Antrag“, sagte auch Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube (Grüne). Das Konzept sei eine „Kampfansage an den Stadtteil“. Die CDU glaubt, dass die Zahl der Parkplätze zu knapp bemessen ist. „Selbst wer oft mit dem Rad fährt, hat meist ein Auto“, sagt CDU-Baupolitiker Felix Blaschzyk, der die Zahl der Wohnungen auf 1400 begrenzen will.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Grün soll sie werden. Luftig gestaltet, in vier Dörfer strukturiert und eingefasst vom Wasser des Stichkanals Linden und der Leine. Vor der Sanierungskommission Limmer präsentierte die Stadtverwaltung das Konzept für die Bebauung des neuen Stadtteils auf dem ehemaligen Conti-Gelände.

19.12.2011

Zur Wasserstadt Limmer soll ein umfassendes Bürgerbeteiligungsverfahren durchgeführt werden. Wenn es nach dem Bezirksrat geht, darf die Bevölkerung „bis zum Abschluss der Bebauung“ mitreden.

Rüdiger Meise 28.05.2014

Die Grünen haben Stellung zur Wasserstadt bezogen. Wenn es nach ihnen geht, soll die Bürgerbeteiligung am Thema Wasserstadt vorgezogen werden. Außerdem fordern sie ein Verbot von Tiefgaragen.

Conrad von Meding 29.04.2014
Aus der Stadt Chefwechsel im Klinikum - Das große Stühlerücken

Wer koaliert mit wem und warum? Der Chefwechsel im Klinikum ist ein Politikum. Werfen Sie mit der HAZ einen Blick hinter die Kulissen.

Mathias Klein 03.07.2014

Auf so einen Slogan muss man erst mal kommen: „Was ißt die Menschheit unterwegs? Na selbstverständlich Leibniz Cakes!“. Hermann Bahlsen erfand nicht nur solche Slogans. Er erfand den beworbenen Keks gleich mit. Am Dienstag wird seine gegründete Firma 125 Jahre alt.

30.06.2014

Am Montag haben 100 Schüler bei dem Projekt „Pimp Your Town“ Einblicke in die Politik erhalten. Hannovers OB Stefan Schostok empfing die Schüler persönlich im Ratssaal.

03.07.2014