Michael B. wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Er ist klein und schmächtig, trägt ein schlabberndes T-Shirt und wirkt auf den ersten Blick überhaupt nicht wie ein gewiefter Millionenbetrüger. Doch dem ehemalige Mitarbeiter des Versicherers Hannoversche Leben wird vorgeworfen, mit einer dreisten Masche Kundengeld in Höhe von 1,3 Millionen Euro veruntreut und sich die Summe mit Freunden geteilt zu haben. Die Methode, mit der er das Geld abgezweigt haben soll, gilt als bisher einzigartig in der Branche. Am Donnerstag begann der Prozess vor der Zweiten Wirtschaftsstrafkammer in Hildesheim.
Die Anklagebehörde beschuldigt den 49-jährigen Hannoveraner, sich von Juni 2006 bis Januar 2009 in insgesamt 39 Fällen die Auszahlungsbeträge für Kunden mit Risiko-Lebensversicherungen und damit verbundenen Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen erschlichen zu haben. Wie er das schaffte, erklärt Staatsanwalt Dirk Lassen so: Der Sachbearbeiter war in einer Abteilung beschäftigt, die Kunden ausfindig machen soll, die nicht erreichbar waren oder deren Unterlagen fehlten. Offenbar hatten diese nichts von der bevorstehenden Gewinnausschüttung der Zusatzversicherung mitbekommen. Doch statt die Kunden aufzuspüren, ließ B. die Summen auf die Konten von Bekannten überweisen – in den meisten Fällen handelte es sich dabei um hohe fünfstellige Beträge bis zu 80.000 Euro. „Seine Bekannten ließ er das Geld in bar abheben und die Hälfte übertragen“, sagt der Staatsanwalt. 1
8 Überweisungen sollen dem Konto der mitangeklagten Cristina A. zugute gekommen sein. Die 31-jährige Mutter eines Babys saß am Donnerstag ebenfalls auf der Anklagebank. Der Staatsanwalt beschuldigte sie, gewusst zu haben, dass dem Versicherungskaufmann das Geld nicht zustand. Um die Auszahlungen tätigen zu können, habe dieser meist die dafür erforderliche Unterschrift eines weiteren Mitarbeiters gefälscht. Einmal soll er seinem Kollegen auch falsche Dokumente zur Unterschrift vorgelegt haben. „Damit brachte er die gutgläubigen Mitarbeiter des Rechnungswesens dann zur Auszahlung“, sagt Lassen.
Die Versicherung kam ihrem Mitarbeiter Anfang des Jahres auf die Schliche. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Spannend wird in diesem Verfahren auch die Frage, wo die 1,3 Millionen Euro geblieben sind. B. hatte zuvor stets behauptet, das Geld ausgegeben zu haben. Bei seinen mutmaßlichen Mittätern wurden Luxusgüter beschlagnahmt. Der Prozess wird am 30 Juli fortgesetzt.
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Kommentare
raffiniert echo167 – 09.07.09
hehe...gerissen isser ja. aber eben auch zu gierig gewesen...