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Aus der Stadt „Es wäre besser gewesen, wenn sie gestorben wäre“
Hannover Aus der Stadt „Es wäre besser gewesen, wenn sie gestorben wäre“
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00:15 20.08.2016
Von Michael Zgoll
Daniel F. wird durch Aussagen ehemaliger Mithäftlinge schwer belastet. Quelle: Tim Schaarschmidt (Archiv)
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Hannover

"Die andere Gesichtshälfte hätte auch so aussehen müssen." Diesen Satz soll der 32-jährige Daniel F. gegenüber einem Mithäftling in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hannover geäußert haben. Die andere Gesichtshälfte: Sie gehört Vanessa Münstermann, die von ihrem ehemaligen Freund mit einem Glas extrem ätzenden Abflussreinigers übergossen wurde. Seit der Säureattacke im Februar dieses Jahres sind die linke Gesichtshälfte und der Hals der 27-Jährigen stark entstellt. Seit dem Vormittag wird der Schwurgerichtsprozess gegen F. fortgesetzt, der sich wegen versuchten Mordes verantworten muss.

Der Kammervorsitzende Wolfgang Rosenbusch verlas das polizeiliche Vernehmungsprotokoll mit einem ehemaligen Mithäftling von Daniel F., ein anderer Strafgefangener sagte persönlich aus. Demnach soll der Angeklagte nach seiner Inhaftierung keineswegs Reue gezeigt, sondern sich eher mit seiner Tat gebrüstet haben. Es wurden Sätze zitiert wie "Es wäre besser gewesen, wenn sie gestorben wäre" oder "Sie hätte ganz blind sein sollen". Laut Aussage eines Häftlings soll F. auch bekundet haben, er würde Vanessa Münstermann am liebsten "aufschlitzen" und ihre "Arme, Finger und Gliedmaßen abhacken". Die junge Frau, die an der Seite ihres Anwalts Matthias Waldraff erneut dem Prozess beiwohnte, schlug die Hände vor ihr Gesicht und weinte.

Die beiden Häftlinge gehörten zu einer Gruppe von Strafgefangenen, die dem Opfer einen Brief schrieben - aus Mitleid. Von seinem Empfinden her, hatte ein 32-Jähriger der Polizei erklärt, sei bei F. viel Eifersucht im Spiel gewesen, als er seine Ex-Freundin mit der 96-prozentigen Schwefelsäure übergoss. Nun, gut beraten von seinen Anwälten, "tut er auf unzurechnungsfähig". Ein 25-jähriger Strafgefangener erinnerte sich vor Gericht an einen von Daniel F. geäußerten Satz: Vanessa solle schlecht aussehen, damit sie keinen neuen Freund findet. Auch dieser Zeuge bekundete, er schätze den Angeklagten als "großen Schauspieler" ein.

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Vanessa Münstermann (rechts) tritt als Nebenklägerin auf. Neben ihr ihr Anwalt Matthias Waldraff.

Gutachten vom Sachverständigen steht an

Der Verhandlungstag hatte damit begonnen, dass F.s Verteidiger Benjamin Schmidt und Max Malpricht einige Anträge einbrachten. Unter anderem soll eine Diplompsychologin der JVA Hannover aussagen, dass F. unter einer "dissozialen Persönlichkeitsstörung" leidet und ebenso impulsiv wie unberechenbar ist. Dem 32-Jährigen fehle es an Unrechtsbewusstsein, auch sei er eine Gefahr für sich ebenso wie andere. Wegen Übergriffen gegen Justizmitarbeiter wie Mithäftlinge sowie wegen einer vermuteten Suizid-Gefahr sei F. vorübergehend in einer Sicherheitszelle der JVA Wolfenbüttel untergebracht worden.

Bizarr wirkte eine WhatsApp-Konversation, die das Gericht am Nachmittag verlas. Wenige Tage vor der Tat, die F. an einem Montagmorgen gegen 5.30 Uhr in Leinhausen beging, zeigte sich der 32-Jährige noch sehr verliebt. Am Freitagabend bezeichnete er Vanessa Münstermann per Handy-Nachricht als „Traum von einer Frau“, für die er der Traummann sein wolle. Am Samstagmorgen versprach er ihr, sein Haus nahe Hildesheim verkaufen und zu ihr nach Hannover ziehen zu wollen. Doch mittags kippte die Situation: Da bekam die 27-Jährige einen Hinweis, dass Daniel F. per Kleinanzeigen Kontakt mit einer anderen Frau pflegte, und drohte ihm mit der endgültigen Trennung.

"Ich mache alle platt"

Wenig später begann F. eine intensive WhatsApp-Konversation mit dem Handy eines „Brian“ - den es wahrscheinlich gar nicht gibt und dessen Mobiltelefonnachrichten F. selbst verfasste. Darin beschuldigte er den angeblichen Freund, sein Mobiltelefon benutzt und den Kleinanzeigentext verfasst zu haben: „Warst Du das, Du Hurensohn?“ Die Antwort von Brian: „Die Alte will Dich nicht, ich habe ein paar Ladys für Dich fertiggemacht.“ Daniel F. drohte Brian, ihn „kaputtzuschlagen“, auch wenn er dafür ins Gefängnis gehen müsse. Später behauptete er, Brian „erwischt“ zu haben. Von Teilen dieses Nachrichtenaustauschs fertigte der Angeklagte Screenshots und schickte sie Vanessa Münstermann – offenbar in der Absicht, „Brian“ die Schuld für das Schalten der Kontaktanzeige in die Schuhe zu schieben.

Am späten Nachmittag änderte sich der Tonfall, wurde drohend: „Ich mache alle platt.“ Am Sonntagabend stellte F. bei Facebook ein Video ins Netz: Dort ist der Angeklagte zu sehen, wie er sich zu melodramatischer Musik selbst filmt und dabei die Seiten eines Spiralblocks umblättert. Die Botschaften: „Meine Freundin hat mich verlassen“, „Meine Eltern hassen mich“, „Heute werde ich sterben“.

Ein Vorstrafenregister mit etlichen Einträgen

Eine Gefängnispsychologin, die kurzfristig als Zeugin geladen worden war, schilderte F. als „nie ganz durchsichtige“ Person, die in der Untersuchungshaft mal verletzlich und mal überheblich aufgetreten sei. Der 32-Jährige sei nicht dumm und könne sich gut verkaufen: „Man wusste nie, was echt war und was Zweckverhalten.“ Der Häftling habe als selbstmordgefährdet gegolten und sei deshalb phasenweise in besonders intensiv überwachten Zellen untergebracht worden. In den Akten findet sich auch ein Eintrag, dass F. vor Jahren aus dem 4. Stock eines Hauses gesprungen ist, diesen Suizidversuch aber überlebte.

Das Vorstrafenregister von F., dass der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch verlas, weist zahlreiche Einträge auf. Darunter finden sich etliche Diebstähle und Sachbeschädigungen, aber auch Körperverletzungsdelikte, ein tätlicher Angriff auf seinen Adoptivvater oder eine Straßenbahnfahrt in Braunschweig, bei denen F. gemeinsam mit Freunden „Sieg Heil“ brüllte.

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