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Aus der Stadt Säure-Opfer kann bald vernommen werden
Hannover Aus der Stadt Säure-Opfer kann bald vernommen werden
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00:18 29.02.2016
Von Tobias Morchner
Vannessa M. – auf einem von der Familie zur Verfügung gestellten Foto – soll in der nächsten Woche vernommen werden, wenn das Säureopfer aus dem Koma aufgewacht ist. Quelle: Archiv
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Hannover

Elf Tage lang hatten die Ärzte die Tankstellenangestellte wegen der schweren Verätzungen im Gesicht in ein künstliches Koma versetzt. „Jetzt holen sie Vanessa langsam wieder zurück“, sagt ihr Rechtsanwalt Matthias Waldraff. Es wird mehrere Tage dauern, bis die junge Frau wieder ansprechbar ist. „Ich gehe im Moment davon aus, dass sie Mitte der kommenden Woche mit der Polizei sprechen kann“, sagt der Jurist.

Die Aussagen von Vanessa M. könnten entscheidend zur Beantwortung der Frage beitragen, ob der Angreifer Daniel F., der Ex-Freund des Opfers, tatsächlich als schuldunfähig einzustufen ist, wie Benjamin Schmidt, Rechtsanwalt des mutmaßlichen Täters, erklärt hatte. Daniel F. soll Vanessa M. am Morgen des 15. Februar vor ihrer Wohnung in Leinhausen abgepasst und einen Streit vom Zaun gebrochen haben, in dessen Verlauf er ihr die Säure ins Gesicht geschüttet haben soll.

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In diesem Gefäß befand sich anscheinend die ätzende Flüssigkeit, mit der die 27-Jährige verletzt worden ist.

Bei der Staatsanwaltschaft Hannover hat die Ermittlungen in diesem Fall inzwischen die Abteilung für Kapitalverbrechen übernommen. Das könnte darauf hindeuten, dass die Tat auch von den Strafverfolgern nicht mehr als gefährliche Körperverletzung, sondern sogar als versuchter Mord eingestuft wird. Das wäre eine Wertung, die sich entscheidend auf das Strafmaß auswirken würde. „Wir werden wie immer erst alle Fakten zusammentragen und dann unmittelbar vor der Fertigung der Anklageschrift entscheiden, mit was wir es in diesem Fall zu tun haben“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Auch Vanessas Anwalt Matthias Waldraff hatte bereits wenige Tage nach dem Angriff dafür plädiert, gegen den mutmaßlichen Täter wegen Totschlags zu ermitteln. „Eine Einstufung des Geschehens als versuchten Mord wäre auch für die Familie meiner Mandantin eine Beruhigung“, sagt der Strafverteidiger.

Doch zunächst wartet auf die Mutter, den Vater, den Stiefvater und die Schwester der 27-Jährigen noch eine schwierige Aufgabe. Wenn Vanessa M. wieder vollständig bei Bewusstsein ist, werden sie ihr gemeinsam mit den Ärzten erklären müssen, dass nichts mehr im ihrem Leben so sein wird wie bisher. Die Säure hat eine Gesichtshälfte bis auf die Knochen verätzt, ein Auge und ein Ohr sind ebenfalls von der Flüssigkeit stark angegriffen worden. Noch steht nicht fest, wie viele Operationen die junge Frau über sich ergehen lassen muss, ob sie die Sehkraft auf dem verletzten Auge behalten wird und welche psychischen Schäden sie durch den Angriff davongetragen hat.

Unterdessen ist die Spendensammelaktion der Freunde der 27-Jährigen gut angelaufen. Knapp 3000 Euro haben sie bereits zusammenbekommen. Mittlerweile haben sie eine offizielle Seite im Internet hochgeladen: Unter www.welovevanessa.de erklären sie, wofür das Geld gesammelt wird. „Die Krankenkasse zahlt glücklicherweise derzeit die Notoperationen, die also dem Zweck der akuten Therapie/Behandlung von Vanessa dienen. Die Schönheitsoperationen werden von der Krankenkasse nicht übernommen, sodass die Kostenübernahme privat erfolgen muss“, heißt es auf der Online-Seite. Vanessa werde etliche Narben davontragen, die einer Korrektur durch plastisch-rekonstruktive Eingriffe bedürfen werden, schreiben die Freunde weiter. „Der Familie tut es gut zu wissen, dass viele Menschen Anteil an Vanessas Schicksal nehmen“, sagt Rechtsanwalt Waldraff.

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