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Aus der Stadt „Wir wollen die Schwester zurückgewinnen“
Hannover Aus der Stadt „Wir wollen die Schwester zurückgewinnen“
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00:15 14.03.2016
Von Gunnar Menkens
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Hannover

Schlecht beleuchtet steht der Mann im Trainingsanzug am Nordufer des Maschsees, hinter ihm liegt die HDI-Arena. Er spricht in eine Kamera und erzählt, wie er die Dinge einschätzt um den mutmaßlichen Messerangriff der 15 Jahre alten Safia S. auf einen Bundespolizisten. Es ist Pierre Vogel, jener Salafisten-Prediger, der vor einigen Jahren gemeinsam mit Safia in Videos auftrat, in denen sie schon im Alter von sieben Jahren mit Kopftuch Koranverse rezitierte. Vogel war in Hannover, um, wie er bedeutungsvoll sagte, „einige Gespräche“ zu führen. Er spricht weitschweifig und großspurig und tritt auf wie ein Ermittler, der den Ruf des Islam verteidigen muss.

Fragen und Antworten zum Fall Safia S.

Vogel sagt in dem Facebook-Video, er habe Safia S. seit sechs Jahren nicht gesehen, insgesamt habe er sie viermal getroffen. Was wohl heißen soll, man könne nicht ihn mit der Attacke in Verbindung bringen. „Ich finde die Tat falsch“, sagt Vogel. Er glaube, sie habe „zu 99 Prozent“ stattgefunden. Der Angriff hat nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft möglicherweise einen islamistischen Hintergrund. Sucht Vogel wieder Kontakt zu Safia S.? In dem Video sagt er: „Wir wollen die Schwester zurückgewinnen, auch wenn sie einen Fehler gemacht hat.“

Dann aber beginnt Pierre Vogel, Zweifel zu säen. Warum der Polizist nach sieben Tagen aus dem Krankenhaus entlassen worden sei, wenn er doch lebensgefährlich verletzt wurde? Warum nur drei Tropfen Blut auf den Boden im Hauptbahnhof flossen? Dieses Bild stammt aus einem Bericht des NDR. Auch die Absicht von Safia, von der Türkei aus zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu reisen, bezweifelt der Salafist. „Wer schon in der Türkei ist, der kommt auch nicht mehr zurück.“ Safias Mutter hatte ihr Kind aus Istanbul zurück nach Hannover geholt. Pierre Vogel erzählt, sie sei sogar bei der Polizei gewesen, weil sie Sorge habe, ihre Tochter wolle zum IS.

Zwischendurch kommt ein Paar am Maschsee vorbei, die Szene ist im Video nachgezeichnet. Der Mann beschimpft Vogel als Hassprediger, der an die Wand gestellt gehöre. „Du Dussel“, ruft Vogel zurück.

Gegen Ende hält der Salafist ein Geodreieck ins Bild. Er misst ein kleines Stück ab. „Hier, das ist sechs Zentimeter.“ So lang sei die Klinge gewesen, die das Mädchen beim Angriff benutzt habe. Was er meint: Wer einen „Terrorangriff“ plane, der würde eine andere Waffe wählen. Seine Botschaft ist die Botschaft aller Verschwörungstheoretiker. „Falsche Fakten“ seien im Umlauf. Was Pierre Vogel auch sagte: Wenn sich nicht andere um die Schülerin kümmern, dann tun es die Salafisten.

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