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Aus der Stadt Saleh S. wegen versuchten Mordes verurteilt
Hannover Aus der Stadt Saleh S. wegen versuchten Mordes verurteilt
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18:36 08.06.2017
Hier landete der Molotow-Cocktail. Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Wegen eines islamistischen Brandanschlags in Hannover ist der ältere Bruder der bereits verurteilten IS-Sympathisantin Safia S. zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 18-jährigen Saleh S. am Donnerstag wegen versuchten Mordes in sieben Fällen schuldig.

Ein bislang unbekannter Täter hat zwei Molotow-Cocktails vom Dach der Ernst-August-Galerie in der City geworfen. Eine der der Flaschen schlug vor dem Haupteingang des Einkaufszentrums auf.

Der junge Mann hatte dem Gericht zufolge gestanden, am 5. Februar 2016 aus islamistischen Motiven zwei Molotow-Cocktails in den Haupteingang eines Einkaufszentrums geworfen zu haben. Nach eigener Aussage habe er so viele Menschen wie möglich töten wollen, sagte ein Gerichtssprecher nach dem unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Verfahren. Verletzt wurde allerdings niemand. Nach der Attacke soll Saleh Richtung Syrien aufgebrochen sein, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen, er kam aber in der Türkei in Haft. Der Prozess am Landgericht fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Das Gericht befand den jungen Mann nach einem psychiatrischen Gutachten für voll schuldfähig. Es ist möglich, dass später eine Sicherungsverwahrung angeordnet wird. Saleh habe aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen mit gemeingefährlichen Mitteln gehandelt, begründete das Gericht das Urteil. Wegen des hohen erzieherischen Bedarfs soll der junge Mann die Jugendstrafe in einer sozialtherapeutischen Einrichtung absitzen. Die Bundesanwaltschaft hatte acht Jahre Haft, die Verteidigung eine geringere Strafe gefordert.

Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Quelle: dpa

Saleh S. und seine Schwester Safia

Salehs ebenfalls radikalisierte Schwester Safia (16) verurteilte das Gericht jüngst wegen einer Messerattacke auf einen Polizisten im IS-Auftrag zu sechs Jahren Haft.

Saleh und Safia wurden als Kinder eines deutschen Vaters und einer marokkanischen Mutter in Hannover geboren. Die Eltern trennten sich früh, die Mutter erzog ihre Kinder nach Darstellung des Vaters streng religiös. Sie soll beide unter anderem in eine umstrittene Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises mitgenommen haben. Auf Youtube sind Videos zu sehen, die Safia als Grundschülerin mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel beim Rezitieren des Korans zeigen.

Nach dem Messerangriff auf einen Bundespolizisten im Hauptbahnhof Hannover verkündet das Oberlandesgericht Celle das Urteil gegen die 16-jährige Safia.

Täter handelte wohl auf eigene Faust

Mit der Justiz in Berührung kam Saleh zunächst als mutmaßlicher Kleinkrimineller. Im September 2015 soll er in eine Auseinandersetzung unter jungen Leuten verwickelt gewesen sein, bei der es um Drogen ging und bei der ein junger Mann mit einem Stich verletzt wurde. Die Ermittlungen gegen ihn aber wurden eingestellt.

Erst nach seiner Rückkehr aus türkischer Haft hefteten sich die Fahnder an seine Fersen. Auf die Spur von Saleh als möglichem Molotow-Cocktail-Werfer kamen die Ermittler bei einer Wohnungsdurchsuchung, die mit seiner Ausreise Richtung Syrien in Zusammenhang stand. Die Fahnder stießen dabei auf etwas, was sie darauf brachte, dass der junge Mann etwas mit dem Kaufhaus-Anschlag zu tun haben könnte.

Anders als seine Schwester, die nachweislich im IS-Auftrag zur Tat schritt, handelte Saleh aus Sicht der Anklage auf eigene Faust.

dpa

Vater hält Urteil für zu hart

Robin S. hat das Urteil gegen seinen Sohn Saleh mit Unverständnis aufgenommen. „Die wollten ein Exempel statuieren, weil sich die Weltlage in jüngster Zeit so dramatisch entwickelt hat“, sagte er. Die Tat sei weitaus mehr als ein Dumme-Jungen-Streich gewesen. Dennoch habe er bei seiner Aussage als Zeuge vor Gericht versucht darzustellen, warum sich sein Sohn so dramatisch verändert hatte. „Er war frustriert – weil er von seiner Mutter gezwungen wurde, weiter das Gymnasium zu besuchen, obwohl er lieber den Realschulabschluss gemacht hätte, und weil er seinen Mofa-Führerschein nicht machen konnte“, sagt Salehs Vater. Vor Gericht habe er seinen Sohn absolut teilnahmslos erlebt. „Er hat nur dagesessen mit gesenktem Kopf, und was im Gerichtssaal passiert ist, war ihm sowas von egal“, sagt Robin S. Kontakt hat der Vater derzeit weder zu Saleh noch zu Safia. Er kümmert sich intensiv um seinen zweiten Sohn. „Zwei Kinder zu verlieren, ist schon schlimm genug“, sagt er.

tm

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