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"Wie schön wär Lachs-Tatar als Lokalgericht"

Hannover-Comedy "Wie schön wär Lachs-Tatar als Lokalgericht"

Wer mag schon Calenberger Pfannenschlag? Und warum muss ein liedermachender Nobelpreisträger im Aegi-Theater mit Sackkarre von der Bühne transportiert werden? Das Jahr ist nicht zuende, bis Herbert Royal nicht den Rückblick gegeben hat. So viel steht fest: Es war ein gutes Jahr - für Comedy.

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Rote Schirme schützen auch im Sommer vor dem "Calenberger Edelpiss": Die Herberts sind (v. r.) Kristian Teetz, Bruno Brauer, Volker Wiedersheim, Dirk Schmaler, Uwe Janssen und Imre Grimm,

Quelle: Samantha Franson

Hannover. „Sie werden mehr Spaß haben als Uli Hoeneß im Gefängnis“: Wenn ein Abend mit solch einem Versprechen von HAZ-Autor Imre Grimm beginnt, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.  Im Zentrum des Abends: Witze, Lieder und Gedichte über Hannover („die meisten reimen sich auf doofer“), und es gilt das Motto: „Es wird viel über Hannover gelacht / Das ist ok nur, wenn Herbert die Witze macht.“ Na, dann mal los.

Wer mag schon Calenberger Pfannenschlag? Und warum muss ein liedermachender Nobelpreisträger im Aegi-Theater mit Sackkarre von der Bühne transportiert werden? Das Jahr ist nicht zuende, bis Herbert Royal nicht den Rückblick gegeben hat. So viel steht fest: Es war ein gutes Jahr - für Comedy.

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Der Kulturinteressierte weiß längst: Ein Jahr kann erst zuende gehen, wenn Hannovers Comedy-Sextett Herbert Royal den ultimativen Jahresrückblick im Theater am Aegi absolviert hat. Damit ist zwar der letzte Monat schon Anfang Dezember abgeschrieben, aber schlimmer kann es ohnehin kaum noch werden.

2016 hat Winkverbote im Zooviertel gebracht („Obama in Hannover / Eine Paarung nach Maß / Jetzt ist Trump Präsident / Fahr nach Braunschweig, du Aas“) und eine Liebesromanze zwischen Boris und Doris im Landtag – die wird exzellent vielstimmig vertont zu Barclay-James-Harvest-Klängen. Es hat einen monolithischen Museumsanbau am Maschsee gebracht („Die Hamburger nennen ihre Elbphilharmonie Elphi – nennen wir den Sprengel-Anbau jetzt Sprüngli?“) und den 100. Geburtstag von Schwitters´ Dada – das Dada-Gedicht von Kristian Teetz ist im fast komplett ausverkauften Theater einer der besonders großen Applausbringer des Abends.

Oder – ist der Applausrekord vielleicht doch eher der Vortrag des hannoverschen Literaturnobelpreisträgers Bob-Uwe Janssen, der mit Klampfe und Mundharmonika nach überlangem Vortrag per Sackkarre von der Bühne getragen wird? („Ich singe Protest / von Nordost bis Südwest / und halte meine Klampfe fest – Ich kann´s nicht ändern.“ Und: „Ich hab´s immer gesagt / Bleib knarzig und stur / Dann kriegst Du den / Nobelpreis für Literatur.“)? Vielleicht ist es aber auch die Berechnung von Dirk Schmaler zu den Moosbeton-Installationen der Stadtwerke, diesen Citytree-Monumenten, die klimatisch angeblich 275 Bäume wettmachen. Die Rechnung geht so: Die Herrenhäuser Allee könne mit ihren 1300 Linden durch fünf Citytrees ersetzt werden, sodass „mit dem gewonnen Platz die A2 bis zum Kröpcke verlängert“ werden kann („Hannover, Du Bukarest des Westens“).

Zweite Vorstellung

Für die Vorstellung am Freitag, 2. Dezember, 20 Uhr, gibt es noch Restkarten an der Abendkasse. Kosten: Ab 19,50 Euro.

Zu den Anwärtern für künftiges Volksliedgut zählt ganz sicher Volker Wiedersheims melancholisch vorgetragener Antisommersong („Weißer Calenberger Edelpiss / Den ich immer so vermiss / Wenn mir eigentümlich ist: Das Gepladder klingt für mich / wie eine Heimatmelodie“). Es gibt Piratenlieder („Er fuhr den Maschseedampfer / Von der Quelle bis zum Pier / Auf der Schulter ein Sittich / Papagei war zu teuer“) und dann vor allem die tiefsinnige Hymne auf das gewöhnungsbedürftige hannoversche Nationalgericht: „Ich denke  jeden Tag / an Calenberger Pfannenschlag / Wie schön wär ein Lachs-Tatar / als Lokalgericht – ist es aber nicht.“

So geht es geschlagene drei Stunden – die Pause kommt noch obendrauf. Alles ist handgemacht und selbsterdacht, sogar die Begleitung durch das inzwischen eingespielte Herbert-Royal-Salonorchester mit Kunze-Gitarrist Heiner Lürig, Fury-Produzent Jens Krause am Schlagwerk und Tieftöner Mathis Eberhardt.

Seitenhiebe auf das Ihme-Zentrum und Braunschweig gehören zum Standardrepertoire, und getreu dem postfaktischen Zeitalter behauptet Bruno Brauer, dass „die Tiefblicker vom Straßenbauamt“ den Zustand von Straßenunterbau per „visueller Zustandserfassung“ analysieren. Das stimmt zwar schon seit Jahren nicht mehr, kommt aber in einem Comedykonzept gut. Und keiner im Publikum zweifelt an Brauers Aussagen – schließlich kann niemand so gut den mythischen Mondkalender interpretieren. Und Geschichtsschreibung ist bei dem HAZ-Comedy-Sextett ohnehin eine dehnbare Wissenschaft: Hat nicht der längstjährige OB Herbert Schmalstieg 1241 die Gründungsurkunden der Stadt in seiner Sakko-Tasche vergessen, damals, als die ewigen Scorpions ihre ersten Stücke spielten und die (Vor-)Geschichte der Lütjen Lage begann, die schließlich im Alkoholverbot in Üstra-Stadtbahnen münden soll?

Einmal gibt es sogar Tanzsporteinlagen, aber nicht von den Herberts, sondern von vier Ballerinas der Bothfelder Ballettschule Kesten. Was die können, daran mag „Niedrigenergiesportler“ Imre Grimm („Ich bewege mich nicht so viel – Sport soll schließlich etwas Besonderes bleiben“) nur träumen. Er darf auch wieder nachdenkliche Rechnungen aufstellen. Das Gehirn, sagt Grimm, stelle nur zwei Prozent der Körpermasse, verbrauche aber 20 Prozent der Energie. „Wenn die Grünen das hören, dann machen die den Laden dicht“, sagt er: „Dann ist Schluss mit Denken.“ Aber Schluss mit Denken wäre auch Schluss mit Herbert Royal. Und das will an diesem Abend niemand im Theater am Aegi – das zeigt schon der lange, lange Applaus.

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