Hannovers Museumslandschaft ist um eine schillernde Facette reicher: In Vahrenheide hat jetzt die „Militärgeschichtliche Lehrsammlung“ der Feldjäger ein neues Domizil gefunden.
Charme des Nostalgischen: Rekonstruktion eines Feldjägerdienstkommandos der Bundeswehr aus den sechziger Jahren.
Mit Dutzenden von Uniformen, Orden, Fahrzeugen und Dokumenten spiegelt die Ausstellung die Geschichte der Militärpolizei über drei Jahrhunderte wider. Bislang war die 1982 eröffnete Sammlung in Sonthofen zu sehen, doch jetzt ist die Bundeswehrschule für Feldjäger und Stabsdienst nach Hannover in die für 80 Millionen Euro hergerichtete Emmich-Cambrai-Kaserne umgezogen – und die Sammlung mit ihr.
Etwa 7000 Soldaten tun alljährlich in der Kaserne Dienst, viele besuchen dort Lehrgänge. „Jeder von ihnen soll künftig diese Sammlung sehen“, sagte Schulkommandeur Oberst Hubert Katz bei deren Eröffnung. Die Sammlung, untergebracht in einer früheren Werkstatthalle, wird aus Sicherheitsgründen allerdings wohl erst vom kommenden Jahr an und nur zu bestimmten Gelegenheiten öffentlich zugänglich sein. Das ist umso bedauerlicher, als dort militärgeschichtliche Glanzstücke zu sehen sind – etwa ein dunkelgrüner Trabant der Nationalen Volksarmee. Oder ein detailgetreu rekonstruiertes Feldjägerdienstkommando der Bundeswehr aus den Sechzigern: ein komplett eingerichtetes Büro inklusive „Olympia“-Schreibmaschine und klobigem Telefon.
„Die Sammlung ist ein Schatz“, sagt Oberst a. D. Klaus Rehbein vom Förderverein der Sammlung, der – wie auch die Feldjägerkameradschaft – die Ausstellung unterstützt und wissenschaftlich berät. So sind gleich mehrere Originale des preußischen Schwarzen Adlerordens zu sehen, der seit 1701 verliehen wurde. Der Stern diente als Vorbild für die heutigen Barettabzeichen der Feldjäger. In Preußen baute Friedrich der Große die Truppe im größeren Stil auf. Anfangs waren Feldjäger Forstleute, zuverlässige Beamte also, die man im Krieg für heikle Missionen heranzog – Wege erkunden, Depots anlegen, Depeschen überbringen. Zur Militärpolizei, die mit strengem Auge über die Disziplin der Soldaten wachte, wandelte sich die Truppe erst später.
Die Ausstellung zeigt neben Fahnen und Helmen auch die berühmten metallenen „Ringkragen“, die den Feldjägern im Zweiten Weltkrieg den Schimpfnamen „Kettenhunde“ eintrugen. Sogar für Soldaten der Waffen-SS waren Feldjäger damals disziplinarisch zuständig. Vielen waren sie verhasst, weil sie Fahnenflüchtige jagten und sogar noch die Flüchtlingstrecks aus dem Osten nach möglichen Soldaten durchkämmten, ein Kapitel, das die Ausstellung künftig noch stärker beleuchten soll. Das ist auch nötig, denn die Geschichte der Feldjäger zählt zu den weniger erforschten Kapiteln der NS-Militärgeschichte.
Die Bundeswehr führte bei ihrer Gründung die berüchtigten Ringkragen nicht wieder ein, stattdessen bekamen die Soldaten „Affenjäckchen“-Anzüge nach US-Vorbild. Noch heute allerdings tragen Feldjäger Litzen in Orange an der Schulter – ihre Traditionsfarbe seit Preußens Zeiten. Wer sich darauf versteht, kann in einer Uniform lesen wie in einem Buch. In ihren Details verbergen sich Traditionslinien, in ihnen manifestiert sich das Selbstverständnis einer Truppe. „Die Sammlung soll die Vergangenheit nicht verklären, sondern aufklären“, sagt Schulkommandeur Katz. Aus der Vergangenheit freilich führt die Ausstellung bis direkt in die Gegenwart: Sie dokumentiert auch aktuelle Auslandseinsätze, und Fotos zeigen, wie 2001 die ersten weiblichen Feldjäger ihren Dienst antraten. So schlägt die Sammlung einen weiten Bogen von Friedrichs Förstern bis zu Soldatinnen in Afghanistan.
Kommentare
Unrühmlich steiner – 27.11.09
Das Erbe der Kettenhunde des zweiten Weltkrieges sollte lieber mal Geschichts wissenschaftlich aufbereitet werden.Im Gegensatz zu den Amerikanern die ganze Städte mit Militär und Angehörige haben.Und für diese Städte eigene Gerichtsbarkeiten mit dazu gehöriger Polizei haben.Stellt sich das Bild des Feldjäger immer noch so da,im Kriegsfall alle Fahnenflüchtigen zur Erschießung einzusammeln.Oder in Friedenszeiten Unwillige Wehrpflichtige von zuhause abzuholen.Sie scheinen wohl ein notwendiges Übel in der Militärstrategie zu sein.Eine Ehre in diesen Einheiten zu dienen spreche ich grundsätzlich ab.Diese Posten waren und sind die klassischen verdrücker Jobs. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenFeldjäger tuxi – 25.11.09
Die Bezeichnung "Feldjäger" mag ja traditionell verankert sein, jedoch halte ich heute die Bezeichnung "Militärpolizei" für viel zutreffender. Wie schon im Beitrag beschrieben, hat die Bezeichnung Feldjäger einen sehr negativen Touch (Kettenhunde). Wenn sich schon an die US-Army angelehnt wird, dann bitte auch als "MP". Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben