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Sansibar wegen Diskriminierung verurteilt

Prozess im Amtsgericht Sansibar wegen Diskriminierung verurteilt

Weil einem Mann mit Wurzeln in Sri Lanka der Eintritt verwehrt wurde, muss der Betreiber der Sansibar dem Opfer nun 1000 Euro zahlen. Der Kläger wollte nach dem Sieg der deutschen Fußball-Nationalelf im WM-Finale 2014 im Steintor-Club feiern, wurde jedoch abgewiesen. Grund dafür sei laut Gericht "die Dunkelhäutigkeit des Klägers" gewesen.

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Das Steintor hat im vergangenen Jahr einen Gast mit ausländischen Wurzeln abgewiesen. Nun muss der Betreiber eine Geldstrafe zahlen.

Quelle: Archiv/Dillenberg

Hannover. Die Betreiber der Discothek Sansibar im Steintorviertel müssen an einen Gast, der von den Türstehern nicht eingelassen wurde, 1000 Euro Entschädigung zahlen. Grund für die Weigerung, dem Rechtsanwalt den Zutritt zu gewähren, war laut Urteil des Amtsgerichts Hannover die Hautfarbe des Klägers. Richterin Irmtraut Riso stellte fest, dass „in Ermangelung anderer Gründe die Dunkelhäutigkeit des Klägers der Grund für den verweigerten Eintritt war“. Dies sei ein Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Dabei hätte es an jenem Abend des 13. Juli 2014 eigentlich allen Grund gegeben, sich freundlich und weltoffen zu geben: Immerhin hatte Deutschland just das Finale der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien gewonnen.

Der damals 32-jährige Zacharias Schneider – ein Deutscher, dessen Mutter aus Sri Lanka stammt – war mit Freunden unterwegs, um den Gewinn der Weltmeisterschaft zu feiern. Alle hatten Deutschland-Trikots an, waren nach dem 1:0-Sieg gegen Argentinien bester Dinge und in Feierlaune. Doch vor der Sansibar war Schluss mit lustig. Die Freundin und drei Kumpel durften in die Disco, Schneider nicht. Der 32-Jährige wurde zu einer benachbarten Tür geschickt, doch dort fand er ebenso wenig Gehör. „Ich war geschockt, so etwas hatte ich noch nie erlebt“, sagte ein als Zeuge geladener Rechtsreferendar. Es habe keine sonderlich lange Schlange vor dem Club gestanden, auch sei sein dunkelhäutiger Begleiter weder aggressiv noch betrunken gewesen.

Die Geschäftsführerin der Sansibar und drei Türsteher hatten ausgesagt, dass der Kläger keineswegs aus rassistischen Gründen ausgeschlossen worden sei. Der tatsächliche Grund sei eine Überfüllung der Disco gewesen. Warum etliche andere Besucher, die hinter Schneider in der Schlange standen, eingelassen wurden, konnten sie nicht schlüssig erklären. Nach den Beobachtungen von Zeugen wurde an jenem Sonntagabend auch mindestens einem weiteren Farbigen der Zutritt verwehrt; Schneider wusste zudem zu berichten, am Eingang der Sansibar schon einmal ausgesperrt worden zu sein – vor zwei Jahren. Was in der Verhandlung nicht zur Sprache kam: Der Name der ostafrikanischen Insel Sansibar ist von dem Wort „Zangi-bar“ abgeleitet, das bedeutet „Küste der Schwarzen“.

Der promovierte Fachanwalt für Steuerrecht hatte den Steintorclub auf die Zahlung von 1500 Euro Schmerzensgeld und Unterlassung verklagt. Auch beim zweiten Punkt war er erfolgreich: Zivilrichterin Riso urteilte, dass es den Betreibern künftig verboten ist, Schneider aufgrund seiner ethnischen Herkunft den Zutritt zur Disco zu verwehren. Dass der Anwalt nun allerdings Lust verspürt, der Sansibar einen weiteren Besuch abzustatten, darf man getrost bezweifeln.

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