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Scharfe Kritik an Boehringer-Einsatz

Bemerode Scharfe Kritik an Boehringer-Einsatz

Nach der Räumung des Boehringer-Geländes in Kirchrode durch die Polizei werden innerhalb und außerhalb der Behörde Zweifel an der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes laut.

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Etwa 200 Boehringer-Gegner demonstrierten am Donnerstagabend in der Innenstadt.

Quelle: Michael Thomas

Nach HAZ-Informationen waren an dem Einsatz, bei dem die Beamten 33 Gegner des geplanten Forschungszentrums von dem Grundstück vertrieben, nicht wie bisher bekannt 500, sondern mehr als 1000 Kräfte beteiligt. Darunter sollen allein zwei Hundertschaften aus Hannover, fünf aus dem restlichen Niedersachsen und rund 100 Beamte der Bundespolizei gewesen sein, außerdem unter anderem zahlreiche Ermittler der Kriminalpolizei.

Von den 33 Tierschützern, die gut fünf Wochen lang das Gelände des geplanten Tierforschungszentrums besetzt hatten, nahm die Polizei am Mittwoch sieben in Gewahrsam. Alle 33 erhielten Platzverweise. „Es ist schon ein wenig erstaunlich, dass man für so einen Einsatz derart viele Einsatzkräfte braucht“, sagt Matthias Karsch, Vorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Hannover. Auch der Bund der Steuerzahler meldet Kritik an. „Man muss bei allem Sicherheitsbedürfnis auf die Wirtschaftlichkeit und Verhältnismäßigkeit achten“, sagt Landeschef Bernhard Zentgraf. „In diesem Fall muss man Zweifel haben, dass das hier passiert ist.“ Die Grünen im Landtag wollen ihrerseits per Kleiner Anfrage von der Landesregierung Aufklärung darüber bekommen, ob die Dimension des Einsatzes angemessen war. „Wir werden Aufwand und Zweck infrage stellen müssen“, sagt der hannoversche Abgeordnete Enno Hagenah. „Beides scheint aus dem Gleichgewicht geraten zu sein.“

Polizeisprecher Stefan Wittke will sich zu den Zahlen des Einsatzes nicht äußern, versichert aber, dass „weniger als 1000“ Kräfte beteiligt gewesen seien. Im Innenministerium ist die Rede davon, der Einsatz sei „ziemlich ausführlich vorbereitet“ worden. Das, sagt Sprecher Klaus Engemann, sei den vielen Unwägbarkeiten geschuldet. So sei das Gerücht umgegangen, dass die 33 Besetzer per Handy sehr rasch mehrere Hundert weitere Aktivisten mobilisieren könnten. Zudem habe die Befürchtung bestanden, Sympathisanten der Tierschützer könnten im Nachgang der Aktion Probleme machen. Bernhard Witthaut, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), weist ebenfalls darauf hin, dass die Einsatzleitung „sämtliche Eventualitäten“ einkalkulieren müsse. „Dennoch muss man darüber nachdenken, ob die Anzahl der Kräfte bei solchen Einsätzen zu hoch ist“, sagt Witthaut.

Unter den Beamten der Polizeidirektion Hannover wird der Einsatz von rund 1000 Polizisten dem Vernehmen nach lebhaft diskutiert. Einsatzleiter Helmut Marhauer hatte den Umfang am Mittwoch mit der Größe des Geländes und der Ungewissheit in Bezug auf möglichen Widerstand begründet. „Man kann immer alles fürchten“, sagt BdK-Chef Karsch. „Aber wir haben in der Vergangenheit Einsätze wie diesen mit weit weniger Kräften bewältigt.“

Trotz der Räumung des Geländes wollen die Besetzer ihren Protest fortsetzen. Am Donnerstag veranstalteten sie eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern in der Innenstadt. Vom 6. bis 12. September soll eine Aktionswoche folgen.

von Felix Harbart und Tobias Morchner

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