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Streit ums Widerstandsdorf

Schauspiel Hannover verteidigt die geplante Anti-Atom-Inszenierung

Von Ronald Meyer-Arlt

Streit ums Widerstandsdorf: Das Schauspiel Hannover hat die geplante Anti-Atom-Inszenierung am Ballhof verteidigt.
Reaktivieren die Republik Freies Wendland: Florian Fiedler (links) und Lars-Ole Walburg.

Reaktivieren die Republik Freies Wendland: Florian Fiedler (links) und Lars-Ole Walburg.

© Martin Steiner

Nun geht das Theater los. Nach der ersten Premiere im Schauspielhaus (einer gnadenlosen „Romeo und Julia“-Versenkung) beginnt am Freitag das Spiel im und um den Ballhof. Wie berichtet, soll dort von Sonnabend an ein Hüttendorf errichtet werden, das an das Anti-Atom-Dorf der „Republik Freies Wendland“ aus dem Jahr 1980 erinnert. Die Theaterleute sprechen von einem „Kunstexperiment“, einer „theatralen Aktion“ und einem „Re-Enactment“. „Dreißig Jahre nach Gründung der Republik Freies Wendland und mitten im zweiten Frühling der Atomenergie werden wir die Republik auf dem Ballhofplatz reaktivieren“ heißt es in der Ankündigung.

Der Protest gegen den Theaterprotest kam postwendend: Der Landtagsabgeordnete Dirk Toepffer sagte, das Projekt gleiche dem Aufruf einer Anti-Atom-Organisation – „und das auf Kosten des Landes“. Er forderte die Theatermacher auf, sich mehr der kulturellen Bildung und der Bühnenkunst zu widmen.

Am Mittwoch stellte Schauspielintendant Lars-Ole Walburg das Ballhofprogramm vor und wies darauf hin, dass das Hüttendorf nicht das einzige sei, was das Junge Schauspiel Hannover, das den Ballhof bespielt, in den nächsten Tagen zu bieten habe. Am Freitag spielt „Ton, Steine, Scherben Family“, die Band des 1996 verstorbenen Sängers Rio Reiser. Am Sonnabend gibt es eine deutschsprachige Erstaufführung im Ballhof; unter der Regie von Marc Prätsch, dem neuen Leiter der Jugendsparte, spielt das Ensemble „Little Boy – Big Taifoon“, ein Stück des japanischen Autors Hisahi Inou über den Atombombenabwurf von Hiroschima.

Zum umstrittenen Hüttendorf sagte Intendant Walburg: „Es geht hier nicht nur um Atomkraft.“ Mit der theatralen Hüttenaktion solle vor allem über Utopien und unser Demokratieverständnis diskutiert werden. Regisseur Florian Fiedler wies darauf hin, dass man sich beim Theater bemüht habe, auch Atomkraftbefürworter zu Streitgesprächen einzuladen – leider vergeblich. Bei allen großen Energieversorgern sei angefragt worden, aber niemand wollte mit aufs Podium.

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