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Aus der Stadt Was macht eigentlich Sesamstraßen-Schorsch?
Hannover Aus der Stadt Was macht eigentlich Sesamstraßen-Schorsch?
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16:54 09.10.2017
Von Susanna Bauch
„In Hannover ist unser Nest“: Gernot Erdmann lebt mit seiner Frau Sabine in Ahlem, gemeinsam stehen die beiden auch auf der Bühne, früher mit einem Tschechow-Programm. Nach Auftritten in Serien wie „Die Unverbesserlichen“ empfahl Kollege Manfred Krug den Schauspieler für die „Sesamstraße“, wo Endemann an der Seite von Rumpel, Samson und Tiffy den Fahrradhändler Schorsch spielte. Quelle: Kutter, dpa
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Eigentlich hat er zwei linke Hände: Dass Gernot Endemann in den Achtzigerjahren ausgerechnet den Fahrradhändler Schorsch in der populären Sesamstraße spielen konnte, hat er seinem verstorbenen Schauspielerkollegen Manfred Krug zu verdanken. „Er hat den Manfred in der Sendung gespielt und wollte aussteigen. Da wir gerade gemeinsam einen ,Tatort‘ gedreht haben, hat er mich einfach mit zum NDR geschleppt und gesagt, hier ist der Neue“, erzählt der 75-jährige Endemann, der seine Theater- und TV-Auftritte seit 15 Jahren von Hannover aus managt.

Den Fahrradhändler aus der Sesamstraße hat er am Ende zwölf Jahre lang gespielt. „Samson hatte Probleme mit seinem Roller, Rumpel aus der Tonne brauchte eine Hilfestellung beim Reifenwechsel, und viele Nachbarn benötigten die Unterstützung des freundlichen Schorsch“, sagt Endemann. Allerdings habe ihm bei jeder technischen Szene ein Mitarbeiter sagen müssen, wie der Schraubenzieher zu halten sei. „Ich bin in dieser Hinsicht nicht begabt.“

An die Sesamstraßen-Zeit erinnert sich Endemann auch wegen der Folgen fürs Privatleben. „Ich konnte mit meinen Kindern nicht mehr irgendwo essen gehen, ohne dauernd angesprochen zu werden.“ Trotzdem sei es eine tolle Zeit gewesen, drei Jahre hat er bei der Sesamstraße noch in Regie mitgemischt, dann war Schluss.

Karriere mit Hindernissen

Schauspieler wollte Endemann schon seit Teenagertagen werden. Aufgewachsen in Essen sollte der Junge nach dem Willen der Eltern aber erst einmal etwas Anständiges lernen: Industriekaufmann. Bühnenblut brachte in der Familie allein der Onkel Heinz Drache mit, in den Siebzigerjahren in Edgar-Wallace-Verfilmungen präsent. Nach der Ausbildung bewarb sich Endemann dann an der renommierten Folkwang Universität der Künste in seiner Heimatstadt, um das Schauspielhandwerk zu lernen - mit Erfolg. „Danach habe ich erst mal in verschiedenen Städten Theater gespielt, sagt der 75-Jährige, „meine Lieblingsrolle war der Beckmann in ,Draußen vor der Tür‘ an den Hamburger Kammerspielen.“

In der Hansestadt entdeckte ihn schließlich auch John Olden, der Mann von Inge Meysel, fürs Fernsehen. Die Serie „Die Unverbesserlichen“ sowie „Die Grashüpfer“ machten den Mann mit der Nickelbrille in den Sechziger- und Siebzigerjahren zum TV-Gesicht. Dann erst kam der Schorsch. „Mit Ernie und Bert hatte ich nicht viel zutun, die wurde immer nur reingeschnitten“, sagt Endemann. Die Theaterbühne hat er allerdings nie ganz verlassen. „Glücklicherweise musste ich mich damals nie vorstellen, die Anfragen kamen von alleine.“

Dass er schließlich vor 15 Jahren in Hannover gelandet ist, hat er der Liebe zu verdanken. Schauspielkollegin Sabine Endemann, seine dritte Frau, ist überzeugte Hannoveranerin. „Wir sind ja beruflich immer viel unterwegs, aber in Hannover ist unser Nest“, betont Sabine Endemann. Ihr Mann empfindet das mittlerweile ähnlich, obwohl er das Schnellwegsystem in der City nur schwer durchdringen kann. Ihr Nest verlassen die Endemanns mittlerweile nur noch gemeinsam, um ebenfalls zusammen - das ist Bedingung - auf etlichen Bühnen der Republik zu stehen. In Hannover sind sie regelmäßig in Produktionen im Neuen Theater zu sehen, Braunschweig und Fürth gehören zu weiteren Stammhäusern der beiden Schauspieler.

Die Hälfte des Jahres sind die Endemanns beruflich immer noch unterwegs, der Rest gehört der Familie und dem Garten am Ahlemer Reihenhaus. „Ich mag es, etwas mit den Händen umzugraben“, sagt Gernot Endemann und lächelt. „Auch wenn es dabei nicht um professionellen Selbstversorger-Anbau gehe. Die „Rollen seines Lebens“ hat Gernot Endemann allesamt gespielt, einmal hat er sogar mit Roger Moore und Lee Marvin gedreht. Allein der Puck im Sommernachtstraum fehlt noch auf seiner Liste, „aber diese Zeit ist jetzt vorbei.“

Viele Relikte einer langen Karriere finden sich nicht in dem ruhigen Ahlemer Häuschen. „Ich schmeiße eigentlich immer alles weg“, meint der Schauspieler. Aber in der Erinnerung, da ist natürlich alles präsent. Bis auf die Sache mit der Fahrradreparatur.

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