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Aus der Stadt Schicksal von Thilo Böhlhoff durch DNA-Abgleich geklärt
Hannover Aus der Stadt Schicksal von Thilo Böhlhoff durch DNA-Abgleich geklärt
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07:28 22.11.2017
Thilo Böhlhoff auf der Fähre nach Norwegen. Er verschwand und nahm sich auf Rügen das Leben. Es ist eines der letzten Bilder von ihm. Quelle: Privat
Hannover

 Es hätte so einfach sein können, wenn nur zwei Spuren zusammengekommen wären. Doch es dauerte 19 Jahre, ehe Anne Marie Wilczynski in Stöcken endlich erfuhr, dass ihr vermisster Sohn tot ist. Thilo Böhlhoff, im Dezember 1998 von Spaziergängern im Sassnitzer Wald auf Rügen gefunden. Erst in diesem Sommer brachte ein Abgleich genetischen Materials Gewissheit, wer der 38-jährige Mann im Wald war. Fast zwei Jahrzehnte warteten Familie und Freunde auf Nachrichten. Warum musste es so lange dauern? 

In Mecklenburg-Vorpommern sicherte das Landeskriminalamt (LKA) routinemäßig DNA-Spuren vom Blut des unbekannten Toten. Bald nach Thilo Böhlhoffs Verschwinden fahnden auch Ermittler in Hannover genetischen Stoff - entnommen von seiner Zahnbürste, darauf DNA von zwei Menschen. 

„Es gab keine Treffer“

Ein LKA-Sprecher in Schwerin sagte jetzt dieser Zeitung, man habe das DNA-Muster seinerzeit wie üblich in eine Datei gestellt, die Ermittlern in ganz Deutschland Zugriff ermöglicht, um Spuren abzugleichen. „Aber es gab keine Treffer.“ Das System melde nur Übereinstimmungen, die 100 Prozent betragen, die habe es offenbar nicht gegeben. Deshalb kamen die Spuren aus Sassnitz und Hannover nicht zusammen. Thilo Böhlhoff blieb ein unbekannter Toter und für seine Familie nicht aufzufinden. 

Zu Beginn 2017 dann waren Computer des Bundeskriminalamts in der Lage, auch DNA Spuren zusammenzuführen, deren Werte geringfügig voneinander abweichen. Die Technik hatte sich weiter entwickelt, eine hundertprozentige Übereinstimmung war nicht mehr nötig. Man stieß auf eine sehr ähnliche DNA der Spuren aus Sassnitz und Hannver. 

Ein Ende – aber kein glückliches 

Plötzlich schien es eine Chance zu geben, Blut des Toten und sehr ähnliche DNA-Muster auf der Zahnbürste zusammen zu bringen. Es gab eine erste Untersuchung, Die Staatsanwaltschaft Stralsund beauftragte die Forensiker des Universitätsklinikum Essen: Kommt der Tote aus Sassnitz als Verursacher der DNA-Spuren auf der im hannoverschen Nachlass gefundenen Zahnbürste in Betracht? Die Antwort: Es sei „praktisch erwiesen“, dass der Tote eine der beiden Spuren gelegt habe. Man hatte einen Namen und damit war der Fall schon so gut wie gelöst. 

Das LKA Niedersachsen nahm Speichelproben von Anne Marie Wilczynski, Thilos leiblicher Mutter, die ihren Sohn 1998 als vermisst gemeldet hatte. Es folgte ein Abstammungsgutachten. Verglichen wurde DNA des Toten mit dem Abstrich von Anne Marie Wilczynskis Mundschleimhaut. DasErgebnis stimmte zu über 99,99999 Prozent überein. Damit, urteilten Rechtsmediziner nun aus Greifswald, sei die „Mutterschaft praktisch erwiesen“. Die Suche und die Ungewissheit hatten ein Ende. Glücklich war es nicht.

Von Gunnar Menkens

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