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Darum schlafen viele Menschen so schlecht

Besuch bei einer Schlaftrainerin Darum schlafen viele Menschen so schlecht

Am Dienstag ist Tag des Schlafs. Viele Menschen träumen aber nur von einer guten Nacht. Schlaftrainerin Christine Dreyer weiß, warum Schlafmangel für viele Menschen zum Alltag gehört und was man dagegen machen kann.

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Eine Sitzung im Liegen: Schlaftrainerin Christine Dreyer bei der Arbeit.

Quelle: Samantha Franson

Frau Dreyer, was machen Sie da?

Ich beruhige meinen Klienten während eines Schlaftrainings.

Wer braucht eine Schlaftrainerin?

Zu mir kommen Menschen, die extrem schlecht schlafen. Weil sie entweder nicht einschlafen können oder nachts aufwachen, lange wach bleiben und dann morgens wie gerädert aufstehen. Wenn sie das Training hier absolviert haben, liegen sie nach wenigen Wochen deutlich entspannter im Bett und machen sich nicht mehr so viele Sorgen um ihren Schlaf.

Warum schlafen Menschen schlecht?

Es gibt viele Ursachen. Bluthochdruck, Allergien, Überfunktion der Schilddrüse. Die häufigste Ursache ist wohl Stress. Hinzu kommen Vitaminmangel, Schlaf-Apnoe oder Medikamente, die den Schlaf stören, zum Beispiel Beta-Blocker gegen Bluthochdruck. Frauen in den Wechseljahren schlafen wegen hormoneller Umstellungen schlecht.

Gewöhnt sich der Körper an schlechten Schlaf?

Der Körper gewöhnt sich leider schnell an häufiges Wachsein. Sogar an bestimmte Uhrzeiten. 3 Uhr ist eine typische Zeit. Weil der Körper sich dann allmählich wieder auf den Tag vorbereitet.

Kümmern sich Menschen heutzutage generell zu wenig um ihren Schlaf?

Wer Schlafprobleme hat, kümmert sich mehr. Aber immer mehr Leute haben das Gefühl: Schlaf muss irgendwie sein, aber so richtig toll finde ich das nicht, dass ich so lange im Bett rumliegen muss.

Ihre Klienten dagegen fänden es toll, können aber nicht. Kommen zu Ihnen nur Verzweifelte, die schon alles versucht haben?

Hier kommt niemand her, der das mal ausprobieren will. Für viele ist es der letzte Strohhalm. Bei vielen haben auch Tabletten nicht geholfen, einige, wie kürzlich eine 93-Jährige Frau, wollen wieder von den Tabletten weg, weil sie medikamentenabhängig sind.

Man sagt, dass ältere Menschen weniger Schlaf brauchen. Stimmt das?

Ältere Menschen produzieren weniger Melatonin. Es fällt ihnen schwerer zu schlafen. Sie sind deshalb oft müde und schlafen auch tagsüber.

Kommen mehr Frauen oder Männer zu Ihnen?

Mehr Frauen. Weil Frauen hormonell grundsätzlich schlechter gestellt sind. Ich glaube zudem, dass Frauen Stress schlechter wegstecken als Männer.

Kommen auch junge Leute?

Ja. Ich habe eine Klientin, die ist Anfang 30, Lehrerin und das, was man eine „Nachteule“ nennt. Sie geht erst gegen eins oder zwei Uhr nachts ins Bett, musste aber morgens um sechs aufstehen. Sie hat Schlafstörungen, seit sie 19 ist.

Um welche Berufsgruppen geht es?

Das kommt natürlich auch auf den Einzelfall an. Aber Polizisten, Lehrer oder Journalisten sind schon besonders betroffen.

Was kann man alles falsch machen?

Abends mit dem Tablet oder Smartphone im Bett liegen und noch mal eben schnell bei Facebook gucken, wer was gepostet hat - das machen nicht nur junge Leute. Flachbildschirme strahlen blaues Licht aus, das die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin verhindert beziehungsweise verschiebt. Man muss nicht alle Elektrogeräte aus dem Schlafzimmer verbannen, aber mit Displaygeräten wäre schon eine Menge geschafft. Außerdem: Wer späte Nachrichten guckt, hat wieder neue Gründe, sich Sorgen zu machen. Und kreisende Gedanken verhindern das Einschlafen.

Was sollte man stattdessen vor dem Zubettgehen machen?

Lesen zum Beispiel. Oder sich unterhalten. Mich beruhigt auch leichte Hausarbeit. Ist aber nicht jedermanns Sache. Auch Sex ist schlafförderlich, weil es Spannungen abbaut.

Wann und was sollte man essen?

Man sollte sich abends satt essen, so dass man zufrieden ist und nicht nachts aufsteht, weil man Hunger hat. Fettes Essen ist nicht schlafförderlich, scharfes Essen auch nicht, weil es anregt, salziges Essen lässt den Blutdruck steigen. Die Schlafforschung sagt: Komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornreis, Vollkornnudeln oder Gemüse, Kartoffeln, Vollkornbrot mit Käse sind förderlich.

Vertrauen Ihnen die Klienten von Beginn an?

Ich führe erst einmal ein Gespräch, um festzustellen, ob der Mann oder die Frau hier überhaupt richtig ist. Ich stelle Fragen, die meisten erzählen sehr bereitwillig, weil sie leiden. Nach diesem Gespräch weiß ich dann, ob derjenige richtig ist bei mir.

Sind die Leute gereizt, wenn sie zu Ihnen kommen?

Manche sind sehr gereizt. Sie können sich nicht konzentrieren, alles geht ihnen auf die Nerven, manche haben das Gefühl, dass sie eigentlich ins Krankenhaus gehören.

Was tun sie dann?

Ich muss ihnen vermitteln, dass man was machen kann. Die meisten denken: Mir kann eigentlich keiner helfen. Die haben das teilweise Jahrzehnte. Die meisten haben eine Schlafstörungskarriere von einem bis zehn Jahren. Und die können sich nicht vorstellen, dass ihnen noch irgendetwas hilft und dass das dann auch noch in sechs bis acht Wochen gehen soll.

Was machen Sie, außer mit den Klienten zu sprechen?

Wesentlich ist das Erlernen von Entspannungstechniken. Autogenes Training hilft manchen, die meisten profitieren mehr von der Progressiven Muskelentspannung nach Edmund Jacobsen. Das ist deutlich leichter zu lernen und führt zu allmählicher Beruhigung und Entspannung. Aber noch einmal: Man muss sich darüber klar werden, warum man schlecht schläft, damit man effektiv etwas dagegen tun kann.

Schlafen die Leute bei Ihnen ein?

Ja, viele. Manche haben ein extremes Schafdefizit, die schlafen ohnehin tagsüber oft ein. Und hier entspannen sie sich, fühlen sich sicher und schlafen irgendwann während der Sitzung. Das ist ein sensibler, intimer Moment, und das erleben zu dürfen, finde ich sehr schön.

Interview: Uwe Janssen

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