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Schlechtes Wetter in Hannover – die Gewinner und Verlierer

Regen, Regen, Regen Schlechtes Wetter in Hannover – die Gewinner und Verlierer

Den Biergärten in Hannover fehlen die Besucher, den Strandbars das Karibikgefühl: Der Regensommer ist in einigen Branchen schmerzlich zu spüren. Aber nicht jeden stört das schlechte Wetter – Kinobetreiber, Museumsdirektoren und Möbelhäuser jubilieren. Eine Bilanz.

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Einen Platz im Biergarten zu finden, ist in diesem Sommer nicht schwer. Das Wetter verregnet den Wirten die Bilanz – doch immerhin war der Frühling gut.

Quelle: Christian Burkert

Leere Biergärten

Ein kühles Bier im Schatten hoher Bäume konnte man in Hannovers Biergärten diesen Sommer nur selten trinken. Verregnete und kalte Tage sorgten dafür, dass auf den Tischen häufiger Wasserpfützen anstelle von Bierkrügen standen. Winfried Kirchner, Betreiber von vier Biergärten in Hannover, zieht aber insgesamt eine gelassene Bilanz: „Der Seebiergarten und die Seeterrassen sind durch das Maschseefest gut besucht. Im Uni- und Waterloobiergarten sieht es natürlich nicht sonderlich gut aus“, sagt er. Letztere verzeichneten nur etwa 50 Gäste pro Tag.

Positiv wirkten sich dagegen die warmen Frühlingsmonate auf die Gesamtbilanz aus. „Wir hatten einen tollen Mai, und auch der Juni war gut“, sagt Kirchner. Gerade diese Vorsommermonate seien für sein Geschäft besonders wichtig. In dieser Zeit gibt es noch keine Konkurrenz durch Schützen- und Maschseefest, und auch die Urlaubszeit hat noch nicht begonnen. „Zufrieden sind wir natürlich nicht“, sagt Kirchner. „Aber durch den warmen Frühling wird die Jahresbilanz akzeptabel ausfallen.“ Dieses Jahr sei eben der Ausgleich zum erfolgreichen Sommer im vergangenen Jahr.

isc

E rnteprobleme

Seit Wochen versucht Fred Kreimeyer seinen Weizen zu ernten, aber das Wetter macht ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. „Wenn der Weizen einen bestimmten Feuchtigkeitsgehalt überschreitet, bekomme ich weniger Geld“, berichtet der Landwirt aus Barsinghausen. Sollte er das Getreide in den nächsten Tagen endlich ernten können, erwartet er einen durchschnittlichen Ertrag. Kreimeyer hat die Erfahrungen gemacht, beim Wetter müsse „von allem etwas dabei sein“. So gesehen, kann er mit den vergangenen Wochen ganz zufrieden sein. Es gab Sonne und Regen im Wechsel. Allerdings war das Frühjahr aus seiner Sicht deutlich zu trocken. „Der Regen kam zu spät.“

Weil die Pflanzen wegen der großen Trockenheit zunächst nicht richtig wachsen konnten, gerieten sie „unter Stress“, wie Kreimeyer berichtet. Deshalb habe er auch weniger Pflanzenschutzmittel gespritzt, um Weizen, Gerste und Zuckerrüben nicht noch zusätzlich zu stressen. „Mal schauen, wie sich das auswirkt“. Der Gerste hat der wechselhafte Sommer jedenfalls nicht besonders geschadet. „Der Ertrag lag im guten Mittel“. Aber jetzt wünscht sich Bauer Kreimeyer mal zwei Wochen richtig Sommer, um vernünftig ernten zu können.

mak

Bestes Möbelwetter

Nein, schlechtes Wetter wünscht er sich nicht. Aber Helmut Staude hat nichts dagegen, wenn es im Sommer auch mal leicht regnet. „Dann ist Möbelwetter“, sagt der Inhaber von Möbel Staude. Immer, wenn das Sommerwetter so ist, dass man sich nicht in die Sonne legt, kämen mehr Menschen und schauten sich Möbel an, berichtet Staude. Der Möbelhauschef kann dabei nicht nur auf seine Erfahrungen zurückgreifen, sondern auch auf seine Einnahmen. „Im Vergleich zum Juli vergangenen Jahres hatten wir in diesem Juli einen viel höheren Umsatz.“ Der Juli 2010 war alles andere als Möbelwetter: Damals war es heiß – und wenn es geregnet hat, dann als Schauer und Gewitter. Aber zu schlecht dürfe das Wetter wiederum auch nicht sein, meint Staude.

Ähnliches Wetterglück hatten die beiden in diesem Sommer neu eröffneten Möbelhäuser Porta in Altwarmbüchen und Hausmann in Laatzen: Schon an den jeweiligen Eröffnungstagen lockte „bestes Möbelwetter“ zahlreiche Kunden. Aus der Sicht von Porta-Geschäftsführer Kurt Jox ist das „leichter Nieselregen“, aber es dürfe dabei auch nicht zu kalt sein.

mak

Apfelpunsch unter Palmen

Mit einem kühlen Cocktail in der Hand, die Füße im Sand vergraben, von der Karibik träumen – ja, das blieb in diesem Sommer tatsächlich meist ein Traum. Denn in den zwei Beachklubs der Stadt auf den Parkhausdächern fühlten sich die Gäste eher wie im verregneten Ostseeurlaub als am Karibikstrand. „Ich bin seit 28 Jahren in der Außengastronomie tätig, aber einen so schlechten Sommer habe ich bisher noch nicht erlebt“, sagt Ricky Fernandez-Engelke, Geschäftsführer des „Roofgarden“. Durch eine Überdachung ließen sich rund 300 Gäste am Tag in die Strandbar locken. Mittlerweile schenkt der Besitzer auch schon warme Getränke wie Apfelpunsch und heißen Caipirinha aus. „Ich hoffe aber immer noch auf ein paar warme Tage“, sagt er.

Boris Bütehorn, Besitzer der Strandbar „Schöne Aussichten“, zeigt sich dagegen optimistisch. „Eigentlich ist so ein Zickzack-Wetter ganz gut, denn wenn es mal einen warmen Tag gibt, wird es bei uns auch voll. Wäre der ganze Sommer heiß, vergeht den Leuten irgendwann die Lust am Ausgehen“, findet Bütehorn. Er ist zuversichtlich, dass er das Besucherniveau vom Vorjahr auch in diesem Sommer erreichen kann. Dafür profitierten die Bars vom schlechten Wetter: Philip Lutz, Inhaber der Weinbar „Gegenüber“ in der Marktstraße, entschied sich in letzter Minute dazu, seine Bar den Sommer über zu öffnen – anstatt wie üblich während des Maschseefestes zu schließen. Für ihn hat sich die Entscheidung gelohnt: Wem es am Maschsee zu kühl war, kehrte gern bei ihm ein. „Mein Lokal ist an den Abenden immer gut gefüllt gewesen.“

isc

Gärten gut gewässert

Wer einen Bummel durch die Herrenhäuser Gärten genießen will, braucht dafür keine hochsommerlichen Temperaturen. „Das derzeitige Wetter ist aus Sicht von Gartenfreunden gar nicht so schlecht“, sagt Herrenhausen-Direktor Ronald Clark. Das zeigt sich deutlich an den Besucherzahlen: Einen Zuwachs von 20 Prozent im Vergleich zum August 2010 kann Clark bisher verzeichnen, auch der Juli sei nicht unter den Erwartungen geblieben. Sicher würden sich die Gäste über etwas mehr Sonne freuen. „Doch bei 30 Grad im Schatten ist ein Gang durch die Gärten vielen zu anstrengend.“ Wenn es keinen Dauerregen gebe, ließen sich die Besucher vom Spaziergang durch den Großen Garten und den Berggarten nicht abhalten. Und noch ein Gutes hat der Regen: Die Pflanzen gedeihen prächtig.

Eine unterm Strich positive Herrenhausen-Bilanz trotz des wechselhaften Wetters hat auch Harald Böhlmann gezogen. Der Macher des Kleinen Festes, das am 31. Juli zu Ende ging, musste „erstmals in diesem Jahrtausend“ witterungsbedingt keine der Freiluftveranstaltungen absagen – obwohl er sowie die Künstler und die Gäste durchaus häufiger nass geworden sind.

Das schlechte Wetter bereits im Namen trug der „Sturm“, das neue Shakes-peare-Musical für Herrenhausen, das bis zum vergangenen Wochenende im Gartentheater lief. Zwei Vorstellungen, am 2. Juli und 6. August, mussten wegen starken Regens abgesagt werden. Doch auch hier stellten sich die Zuschauer bereits wohlweislich auf Regen und kühlere Temperaturen ein.

jk/ste

Zeit für Filme

Normalerweise muss man fast ein schlechtes Gewissen haben, wenn man im Sommer den dunklen Kinosaal einem lauen Abend vorzieht. In diesem Jahr jedoch nicht. „Fürs Kino ist ein verregneter Sommer gut“, sagt Damian Sprysch, Theaterleiter im Cinemaxx am Raschplatz. Den Besucherzuwachs in diesem Jahr nennt er „exorbitant“. Einen Grund für den Ansturm sieht Sprysch auch im Finale der Harry-Potter-Saga. „Das ist ein Massenmagnet, egal, ob die Sonne scheint oder nicht.“

Den Organisatoren des Open-Air-Kinos „Seh-Fest“ an der Parkbühne wäre ein bisschen mehr Sonne durchaus lieb gewesen. 17 Tage lang liefen auf der Leinwand Filme, nur an zwei Tagen gab es wirkliches Sommerwetter. René Schweimler ist trotzdem zufrieden: „Vier ausverkaufte Vorstellungen und durchschnittlich 713 Besucher pro Tag sind eine gute Bilanz“, sagt der Organisator. Die Parkbühne bietet pro Filmabend 1000 Besuchern Platz. Trotz häufiger Regenschauer musste keine Veranstaltung abgesagt werden, selbst an wettermäßig ganz schlechten Tagen kamen rund 300 Zuschauer.

isc

Verschreckt

Man sollte meinen, Händler und Kunden bei Hannovers ganzjähriger Freiluftveranstaltung sollte nichts schrecken. Doch der Flohmarkt gehört klar zu den Verlierern dieses Sommers. „Es sind deutlich weniger Verkäufer und weniger Besucher gekommen“, sagt Thomas Mayer vom Freundeskreis Altstadt-Flohmarkt. Besonders schlecht sei es am letzten Juliwochenende gewesen, als nur rund 80 Händler ihre Warentische aufstellten. „Das sind etwa zwei Drittel weniger als an guten Tagen.“ Die meisten Händler orientierten sich am Wetterbericht und reisten gar nicht erst an, wenn die Prognose schlecht sei. Während sich Biergärten manchmal noch freuen können, dass es doch nicht so schlimm kam wie vorhergesagt, ist für den Flohmarkt dann schon nichts mehr zu holen.

ste

Genug Theater

Sommerzeit bedeutet für Schauspielhäuser meist wenig besetze Plätze. Viele Theater verabschieden sich deshalb in die Sommerpause. Nicht so das GOP-Varietétheater , auch wenn es damit häufig einen nur halb vollen Zuschauersaal in Kauf nimmt. In diesem Jahr aber lockten das wechselhafte Wetter und ein stark beworbenes Showangebot mehr Besucher in den Georgspalast als in den Sommern davor. „Die hohen Besucherzahlen haben unsere Erwartungen weit übertroffen“, sagt Direktor Dennis Meyer. Für die Spielzeiten Juli und August rechnet er mit 80 Prozent Auslastung – eine Steigerung von 17 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Viele der Besucher buchten kurzfristig noch Plätze. Auch die Kinder-Sommeraktion, bei der ein Kind bis 14 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos die Show „Talents“ besuchen kann, ist für Meyer ein Faktor für höhere Besucherzahlen. Rund 2000 Kinder nutzten die Aktion bisher. Seit 2005 wird die Bühne des GOP durchgängig bespielt. Bis einschließlich 28. August ist dort noch die Artistenshow „Talents“ zu sehen. So lange läuft auch die Sommeraktion für Kinder noch.

isc

DDR-Ausstellung zieht Besucher

Durch endlose Gänge schreiten und dabei Kunst und Reliquien aus alten Zeiten anschauen, dafür sind selbst Museumsfreunde an warmen Sommertagen selten zu haben. In diesem Sommer aber können die hannoverschen Museen ein deutliches Besucherplus verbuchen. Rund ein Drittel mehr Besucher als im vergangenen Jahr verzeichnete beispielsweise das Historische Museum. „Das unbeständige Wetter hat uns in die Hände gespielt“, sagt Museumssprecherin Britta Sternberg. Aber für sie ist es nicht nur das Wetter, das unerwartet viele Besucher ins Museum gelockt hat. Auch die beiden Sonderausstellungen zum Thema DDR haben bei vielen das Interesse geweckt. Zurzeit sind im Historischen Museum Exponate unter dem Titel „Grenzerfahrungen“ zu sehen. Dazu gibt es die Ausstellung „Sag, was war die DDR?“, in der vor allem Kinder an das Kapitel geteiltes Deutschland herangeführt werden sollen. Mit dieser Ausstellung und einem speziellen Kinderprogramm richtete sich das Museum besonders an Familien, die ihre Sommerferien in Hannover verbringen. Das Geschichtsabenteuer für Kinder ist gestern zu Ende gegangen.

isc

Sommerloch

Der Schlussverkauf der Sommerware ist trotz Regen und Kühle so gelaufen wie geplant. „Da ist keine Ware liegen geblieben, weil alle schon nach Herbstgarderobe gefragt haben“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Natürlich sei das eine oder andere Stück der neuen Saison bereits gekauft worden, doch auch die Sommermode wurde nachgefragt. Wer allerdings gedacht hat, die Hannoveraner machten bei dem schlechten Wetter öfter eine Shoppingtour als bei Hitze und bescherten dem Cityhandel steigende Umsätze, hat sich getäuscht. Viele seien gerade wegen des Wetters noch kurzfristig verreist, andere ohnehin im Urlaub, sagt Prenzler. „Wir hatten das typische, umsatzschwache Sommerloch und freuen uns jetzt auf den September.“

ste

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